Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 911 / 24.08.2026

„Vom Ort der Propaganda zu einem ‚Haus der Demokratie‘“ – Öffentliche Tagung

Die Stadt Nürnberg lädt zusammen mit dem Verlag Nürnberger Presse zur Tagung „Vom Ort der Propaganda zu einem ‚Haus der Demokratie‘“ am Samstag und Sonntag, 26. und 27. September 2026, ein. Bei der öffentlichen Veranstaltung im Fabersaal des Bildungscampus Nürnberg, Gewerbemuseumsplatz 2, diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Journalismus, Kultur und Bildungsarbeit aktuelle Herausforderungen für demokratische Gesellschaften. Thematisch im Fokus stehen die Bedeutung von Pressefreiheit, das Potenzial historischer Orte für politische Bildung sowie die neuen Anforderungen an Medienkompetenz im digitalen Zeitalter. Die Tagung bildet den Auftakt für die Entwicklung eines „Hauses der Demokratie“ im ehemaligen „NS-Gauhaus“ in der Marienstraße.

Das Gebäude wurde in den 1930er-Jahren als Parteizentrale des NS-Gauleiters Julius Streicher errichtet und war ein zentraler Ort nationalsozialistischer Propaganda in Franken. Nach 1945 wurde es Sitz des heutigen Verlags Nürnberger Presse und stand damit über Jahrzehnte für freien und unabhängigen Journalismus. An diese wechselvolle Geschichte knüpft die Idee eines künftigen „Hauses der Demokratie“ an, das den Wandel des Orts zum Ausgangspunkt demokratischer Bildungsarbeit machen könnte.

Programm der Tagung
Das Tagungswochenende wird am Samstag, 26. September, um 9.30 Uhr von Oberbürgermeister Marcus König, Altbürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner sowie den Verlegerinnen des Verlags Nürnberger Presse, Bärbel Schnell und Sabine Schnell-Pleyer, eröffnet. Anschließend finden nacheinander zwei Panels zu den Themen Pressefreiheit und Demokratiebildung statt.

Das Panel „Pressefreiheit unter Druck“ befasst sich mit den aktuellen Herausforderungen für die Pressefreiheit: Politsche Polarisierung, wirtschaftliche Abhängigkeiten und der Wandel öffentlicher Kommunikation beeinflussen die Rolle unabhängiger Medien als Grundvoraussetzung demokratischer Gesellschaften. Welche Bedingungen eine freie demokratische Öffentlichkeit heute benötigt, diskutieren auf dem Panel PD Dr. Norman Domeier von der Karls-Universität Prag, Prof. Dr. Jeanette Hofmann vom Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft sowie Schriftsteller und PEN-Deutschland-Präsident Dr. Matthias Politycki. Es moderiert Ella Schindler vom Verlag Nürnberger Presse.

Im Zentrum des Panels „Historische Orte, Erinnerungsarbeit und Zukunft politischer Bildung“ steht die Frage, wie historisch belastete Orte zu zukunftsorientierten Lernorten entwickelt werden können. Diskutiert werden die Möglichkeiten und Grenzen solcher Orte, angesichts aktueller historischer Herausforderungen einen Beitrag für Demokratiebildung zu leisten. Das Panel ist besetzt mit dem Leiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, PD Dr. Imanuel Baumann, Paulina Fröhlich von der Bertelsmann Stiftung sowie Rupert Grübl von der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildung und wird moderiert von Michael Husarek vom Verlag Nürnberger Presse.

Am Sonntag, 27. September, stehen ab 10 Uhr ein weiteres Panel sowie ein Abschlussgespräch auf dem Tagungsprogramm. Das Panel „Urteilskraft im digitalen Zeitalter“ beschäftigt sich mit der veränderten Wahrnehmung, Bewertung und Weitergabe von Informationen. Es geht vor allem um die Frage, wie Quellenkritik, ethische Orientierung und journalistische Innovation die Urteilskraft von Rezipientinnen und Rezipienten beeinflussen und welche Rolle dabei Bildungs- und Kulturinstitutionen übernehmen können. Es diskutieren Maren Burghard von Dechent Medienkommunikation, Agnes Eschment von Publix – Haus für Journalismus, Zivilgesellschaft und öffentliche Meinungsbildung, Dr. Stefanie Schardien vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik/EKD sowie Prof. Dr. Gyburg Uhlmann von der Technischen Universität Nürnberg. Alexander Jungkunz vom Verlag Nürnberger Presse moderiert.

Das Abschlussgespräch „Vom Diskurs zum Lernort“ führt die Erkenntnisse der Tagung zusammen und soll erste Perspektiven für ein „Haus der Demokratie“ skizzieren. Dieses Resumee ziehen Michael Husarek, Prof. Dr. Christoph Safferling von der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien, und Katharina Viktoria Weiß von Reporter ohne Grenzen e. V. Moderiert wird diese Schlussrunde von Alexander Jungkunz.

Begleitprogramm
Am Samstag, 26. September, werden ergänzend zu den Panel-Diskussionen Rundgänge und eine Filmvorführung angeboten: Michael Husarek bietet um 15.30 Uhr und 16.15 Uhr einen Rundgang durch das ehemalige „Gauhaus“ an. Durch die Marienvorstadt mit Fokus auf jüdische Geschichte und Nationalsozialismus geht es um 16 Uhr mit Dr. Alexander Schmidt vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.

Um 20 Uhr wird der Film „80 Angry Journalists“ (Ungarn, 2025/2026) gezeigt und es findet ein Gespräch mit Andrea Kuhn, Nuremberg International Human Rights Film Festival, und Katharina Viktoria Weiß, Reporter ohne Grenzen e. V., statt.

Die Veranstaltungen des Begleitprogramms sind an eine Anmeldung zur Tagung geknüpft. Eventuelle Restkarten für den Filmabend im Filmhaus sind auch unabhängig davon an der Abendkasse zu erhalten.

Weitere Informationen und Anmeldung
Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos, setzt aber eine Anmeldung voraus. Die Anmeldung ist ab Dienstag, 1. September, auf der Website https://gokultur.nuernberg.de/haus-der-demokratie möglich. Hier finden Interessiert auch das detaillierte Programm der Tagung.    jos