Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 1211 / 28.10.2026

Nürnberg koordiniert Baustellen neu: Weniger gleichzeitige Belastungen auf wichtigen Verkehrsachsen

Die Stadt Nürnberg will die Belastungen durch Baustellen auf den wichtigsten Hauptverkehrsstraßen künftig stärker begrenzen. Dabei handelt es sich um die Straßen mit einer Verkehrsbelastung von mehr als 15 000 Fahrzeugen pro Tag. Dafür werden notwendige Bauarbeiten nicht mehr nur einzeln koordiniert, sondern verstärkt im Zusammenhang mit dem gesamten Verkehrsnetz betrachtet. Auf dieser Basis hat der Stadtrat das Bauprogramm 2027 in seiner Sitzung am Mittwoch, 28. Oktober 2026, beschlossen. Dieses sieht nach aktuellem Planungsstand 28 Baubereiche mit rund 72 Einzelmaßnahmen vor.

Ziel ist es, notwendige Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und Versorgungsleitungen mit möglichst begrenzten Auswirkungen auf den Alltag der Menschen und auf die Wirtschaft zu verbinden. Denn wenn mehrere wichtige Verkehrsachsen und zugleich ihre Ausweichrouten beeinträchtigt sind, können selbst gut abgestimmte Einzelbaustellen zusammen zu erheblichen Verzögerungen führen.

Oberbürgermeister Marcus König betont: „Wir müssen unsere Infrastruktur erhalten und modernisieren. Gleichzeitig müssen die Menschen in Nürnberg ihren Alltag möglichst verlässlich planen können – ob auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Arzt oder zu ihren Familien. Deshalb schauen wir künftig noch genauer darauf, wie und wo sich Baustellen gegenseitig beeinflussen. Wir setzen klare Prioritäten und verschieben Vorhaben, wenn sie zusammen zu einer zu großen Belastung für das Verkehrsnetz führen würden. Unser Ziel ist, notwendige Bauarbeiten mit möglichst wenig Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger umzusetzen.“

Unter Federführung des Servicebetriebs Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) haben die Stadt, die N-Ergie Aktiengesellschaft, die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft (VAG) sowie die Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (Sun) ihre geplanten Maßnahmen für 2027 – und gegebenenfalls darüber hinaus – deshalb zusammengeführt und neu priorisiert. Entscheidend ist dabei nicht allein, wo gebaut wird, sondern auch, welche Folgen die Arbeiten für angrenzende Straßen und mögliche Umleitungsstrecken haben. Wenn eine wichtige Verkehrsverbindung eingeschränkt ist, sollen andere stark belastete Strecken möglichst von zusätzlichen größeren Baustellen freigehalten werden. Wo es sinnvoll und technisch möglich ist, werden Arbeiten im selben Straßenraum gebündelt oder zeitlich aufeinander abgestimmt.

Davon sollen alle profitieren, die in Nürnberg unterwegs sind: durch eine bessere Abstimmung der Verkehrsführungen, weniger Konflikte auf Ausweichrouten und eine verlässlichere Planung der täglichen Wege. Auch Busse und Straßenbahnen, der Rad- und Fußverkehr sowie die Erreichbarkeit von Anwohnerinnen und Anwohnern, Geschäften, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen werden berücksichtigt.

Andreas Krieglstein, Bürgermeister und Erster Sör-Werkleiter: „Für die Menschen zählt vor allem, dass sie trotz notwendiger Bauarbeiten möglichst gut durch die Stadt kommen. Wenn wir frühzeitig erkennen, wo Baustellen sich gegenseitig behindern, können wir besser gegensteuern. Dazu gehört auch, Maßnahmen zeitlich zu verschieben oder Arbeiten zusammenzulegen. Das macht die Planung anspruchsvoller, hilft aber, unnötige zusätzliche Belastungen zu vermeiden. Angesichts des Sanierungsbedarfs werden wir auch in der Zukunft Baustellen in der Stadt als Verkehrsteilnehmende erleben. Unser Ziel ist es – vom Baubeginn bis zur Fertigstellung – die einzelnen Schritte besser zu koordinieren und zu überwachen. Damit setzen wir bewusst personelle Ressourcen ein und können so das Baustellenmanagement optimieren.“

Bestandteil des Bauprogramms sind nicht nur große Projekte wie die Umgestaltung des Plärrers, die Sanierung der Brücke Wettersteinstraße oder der Abschnitt West des kreuzungsfreien Ausbaus des Frankenschnellwegs. Auch vermeintlich kleinere Maßnahmen mit erheblichen verkehrlichen Auswirkungen wie Spartenquerungen von Straßen oder auch Straßenunterhaltsarbeiten gehören dazu. Ebenfalls berücksichtigt sind Projekte, die sich über mehrere Jahre erstrecken; so läuft der Ersatzneubau der Hafenbrücken ebenso weiter wie die Arbeiten in der Allersberger Straße oder der Minerva- und Dianastraße. Das Bauprogramm bildet den derzeitigen Planungsstand ab. Die konkreten Bauzeiten, Verkehrsführungen und Umleitungen werden für die einzelnen Maßnahmen weiter ausgearbeitet. Das Programm beinhaltet dabei lediglich die städtischen Projekte; insbesondere Maßnahmen privater Bauherren oder Arbeiten an den Telekommunikationsnetzen konnten mangels verfügbarer Daten und Informationen nicht berücksichtigt werden.

Etwa 64 weitere für 2027 angemeldete Maßnahmen können aufgrund der Priorisierung in diesem Jahr nicht umgesetzt werden. Diese zurückgestellten Maßnahmen entfallen nicht, sondern müssen für die Folgejahre erneut nach Dringlichkeit, verkehrlicher Verträglichkeit und Finanzierbarkeit bewertet werden. Akute Schäden, Havarien und unaufschiebbare Arbeiten zur Gefahrenabwehr bleiben jederzeit möglich. Sie können in Ausnahmefällen kurzfristige Anpassungen an andere Bauabläufe erforderlich machen.

Hauptverkehrsstraßen mit weniger als 15 000 Fahrzeugen 
Zudem sind bei der Koordinierung alle sonstigen Baustellen im weiteren Straßennetz, also in Hauptverkehrsstraßen mit weniger als 15 000 Fahrzeugen am Tag sowie im gesamten Nebenstraßennetz, zunächst unberücksichtigt geblieben. Hier waren im Jahr 2026 rund 8 000 Baustellen zu verzeichnen. Diese Maßnahmen werden für 2027 erst im Einzelfall geprüft, sie müssen sich dann den Maßnahmen in den Hauptverkehrsstraßen mit mehr als 15 000 Fahrzeugen am Tag unterordnen. Nur wenn eine verkehrliche Verträglichkeit besteht, können die Maßnahmen außerhalb der jetzt festgelegten Baubereiche dann auch bewilligt und umgesetzt werden. Das bedeutet insbesondere, dass sich die baustellenbedingten Änderungen der Verkehrsströme nicht gegenseitig blockieren dürfen.

Für die Bauprogramme ab 2028 setzt die Stadt auf eine noch frühzeitigere und verbindlichere Abstimmung. Dieser weiterentwickelte Koordinierungsprozess ist seit dem 1. Oktober 2026 für Sör, N-Ergie, VAG und Sun verbindlich. Geplante Maßnahmen sollen mit größerem zeitlichem Vorlauf gemeinsam bewertet werden. So lassen sich Konflikte zwischen Hauptverkehrsachsen und Ausweichrouten möglichst bereits in der Planungsphase erkennen.

Zusätzlich testet Sör über drei Jahre ein digitales Simulationsmodul für Baustellen. Dieses soll die immer umfangreicher und komplexer werdende Aufgabe der Baustellenkoordination bei der Einschätzung und Bewertung der Auswirkung von baustellenbedingten Einwirkungen auf innerstädtische Verkehrsströme unterstützen. Es ist daher als zusätzliches Hifsmittel der fachlichen Prüfung zu verstehen, um am Ende fundierte und verhältnismäßige Entscheidungen über Bauabläufe und Verkehrsführungen treffen zu können. So soll die neue Ausrichtung der Baustellenkoordination auch langfristig dafür sorgen, dass notwendige Bauarbeiten und die Mobilität in Nürnberg besser miteinander vereinbar werden – damit die Stadt ihre Infrastruktur erneuern kann, ohne die Menschen durch vermeidbare gleichzeitige Einschränkungen zusätzlich zu belasten.  maj