Markenzeichen der Stadt Nürnberg

Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 1242 / 04.11.2026

Fünfzehn Jahre nach der Selbstenttarnung der Terrorgruppe des „NSU“

„Erinnern heißt Verantwortung übernehmen“ – mit diesem Appell erinnert Oberbürgermeister Marcus König an die Aufdeckung der rechtsterroristischen Mordserie des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Vor fünfzehn Jahren, am 4. November 2011, wurde nach der Selbstenttarnung der Terrorgruppe das ganze Ausmaß der Verbrechen der Terrorgruppe öffentlich. Nürnberg ist mit diesem Kapitel deutscher Geschichte besonders verbunden. Drei der zehn Morde waren hier verübt worden. Ein zentrales Mahnmal am Frauentorgraben ist dem Gedenken der Opfer gewidmet. Dieses wird auch von einem breiten zivilgesellschaftlichen Engagement in der Stadt getragen.

Die Aufdeckung erschütterte nicht nur das Land und offenbarte eine Mordserie, die über Jahre hinweg unentdeckt geblieben war. Sie legte zugleich schwerwiegende Versäumnisse bei den Ermittlungen und eine erschreckende Empathielosigkeit im Umgang mit den Opfern und deren Angehörigen offen. In Nürnberg fielen Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru und İsmail Yaşar den rassistischen Attentaten zum Opfer. Auch der Sprengstoffanschlag auf die Nürnberger Gaststätte „Sonnenschein“ im Jahr 1999, bei dem Serkan Yıldırım schwer verletzt wurde, gehört bereits zum „NSU-Komplex“. Eine weitere Rolle spielte Nürnberg auch bei der Verbreitung des Bekennervideos: Am 9. November 2011 wurde eine DVD mit dem menschenverachtenden Propagandafilm in den Briefkasten der Redaktion der Nürnberger Nachrichten eingeworfen. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wer die DVD persönlich überbrachte. Dieser Umstand wirft noch heute Fragen nach möglichen Unterstützungsstrukturen im Raum Nürnberg auf.

Oberbürgermeister Marcus König betont: „Mit unserem Leitbild stehen wir in Nürnberg für Frieden, Menschenrechte und ein respektvolles Zusammenleben. Dieser Anspruch verlangt, Rassismus und Rechtsextremismus entschieden entgegenzutreten. Das bedeutet auch, Menschenfeindlichkeit frühzeitig zu erkennen, Betroffene zu unterstützen und unsere demokratischen Werte im Alltag zu verteidigen. Als Oberbürgermeister einer Stadt, in der es vier Opfer des ‚NSU‘ gab, ist mir wichtig: Wir müssen den Überlebenden und ihren Angehörigen zuhören, ihre Erfahrungen und ihr Leid ernst nehmen, denn besonders schmerzlich ist, dass sie jahrelang um Aufklärung kämpfen mussten und selbst mit Verdächtigungen und Vorurteilen konfrontiert waren. Dass rassistische Tatmotive nicht rechtzeitig erkannt und die Familien der Opfer in den Mittelpunkt der Ermittlungen gerückt wurden, ist eine Mahnung, die uns bis heute verpflichtet. Ihre Namen und wofür sie stehen, dürfen nicht in Vergessenheit geraten.“

In Nürnberg gibt es zusammen mit zivilgesellschaftlich Engagierten eine vielstimmige Auseinandersetzung mit dem „NSU-Komplex“: „Der Enver-Şimşek-Platz, der İsmail-Yaşar-Platz und der Abdurrahim-Özüdoğru-Park sowie Gedenkzeichen an den Tatorten halten die Erinnerung im öffentlichen Raum wach. Gemeinsam mit der Landeshauptstadt München vergibt Nürnberg zudem seit 2015 den Mosaik-Jugendpreis, der junge Menschen für ihr Engagement gegen Rassismus auszeichnet. Die Website ‚Orte des Erinnerns in Nürnberg‘ stellt die Opfer in den Mittelpunkt und informiert gleichzeitig über Veranstaltungen und Bildungsangebote zum Thema. Mit dem für Nürnberg geplanten NSU-Dokumentationszentrum verbinden wir die Hoffnung einer weiteren Aufarbeitung der Verbrechen und einer dauerhaften Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus“, so Martina Mittenhuber, Leiterin des Menschenrechtsbüros der Stadt Nürnberg.   maj