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Nr. 777 / 20.09.2005
 

Trauer um Altoberbürgermeister Ludwig Scholz

 
Trauer um Ludwig Scholz, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg vom
1. Mai 1996 bis 30. April 2002. „Altoberbürgermeister Ludwig Scholz ist in der vergangenen Nacht im Alter von nur 68 Jahren plötzlich und viel zu früh verstorben. Wir im Rathaus trauern um ihn“, äußert sich tief betroffen Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. „Seine Amtszeit wird verbunden bleiben mit wichtigen Meilensteinen der Stadtpolitik wie dem Stadtjubiläum im Jahr 2000, das eine Reihe nachhaltiger Veranstaltungen wie etwa die Blaue Nacht hervorgebracht hat, dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, für dessen Verwirklichung er sich stark gemacht hat, oder dem Wiederaufbau des Hirsvogelsaals, ein Projekt, das er mit viel Herzblut unterstützte“, so Dr. Maly. „Wir werden ihm im Rathaus ehrend gedenken. Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau Ute und seinen Kindern.“

Ludwig Scholz wurde am 30. Juni 1937 in Juliusburg, Kreis Oels, in Schlesien geboren. Er studierte Rechts- und Volkswirtschaft in Frankfurt, Heidelberg und Marburg. Nach dem Ablegen der Staatsexamina führte ihn sein Lebensweg in die Region Nürnberg. Er wurde Assessor beim Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in Zirndorf, Regierungsrat beim Landratsamt Hersbruck und schließlich Oberregierungsrat beim Landratsamt Fürth. Vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister im Frühjahr 1996 war Scholz Leitender Regierungsdirektor beim Landesuntersuchungsamt Nordbayern in Erlangen.

Seit 1972 gehörte Scholz dem Stadtrat und damit der Gruppe der „72er“ an, also den Ratsmitgliedern, die seit 1972 ununterbrochen ein Mandat im Stadtrat haben. Nach dem Tod von Georg Holzbauer 1988 übernahm er den Fraktionsvorsitz der CSU, den er bis 1996 innehatte. Auch nach seiner Amtszeit als Oberbürgermeister unterstützte er seine Fraktion weiter als Stadtrat.

Ludwig Scholz war in Nürnberg der erste Oberbürgermeister, den die CSU nach 1945 stellte. Am 24. März 1996 gewann er mit 55,5 Prozent der Stimmen überraschend die Stichwahl gegen Amtsinhaber Peter Schönlein (SPD), der nur 44,5 Prozent erhielt. Scholz unterbrach damit die 50-jährige Vorherrschaft der SPD im Rathaus. Die CSU wurde erstmals stärkste Fraktion im Stadtrat und konnte mit der FDP und den Freien Wählern ein Bündnis bilden, das die Geschicke Nürnbergs sechs Jahre lang bestimmte. Bei der darauffolgenden Kommunalwahl unterlag Scholz am 17. März 2002 seinem Herausforderer Dr. Ulrich Maly (SPD).

„Als Oberbürgermeister prägte er die Stadtpolitik mit neuem, erfrischendem Stil, ohne das unterste zuoberst zu kehren“, erinnert
Dr. Ulrich Maly, unter OB Scholz Finanzreferent der Stadt. „Auch die Kohabitation in der Referentenrunde war geprägt von Respekt und Toleranz.“
Der Wirtschaft „Lust auf Nürnberg“ zu machen, war eines der Ziele, mit denen Ludwig Scholz sein Amt als Oberbürgermeister Nürnbergs antrat. Verkehrspolitisch ist sein Name mit der Aufhebung der Sperrung der Altstadtbrücken für den Autoverkehr verbunden, der Einführung eines elektronischen Parkleitsystems und der Initiierung des Verkehrsleitsystems Messe/Stadion/Arena. Der Strukturwandel schritt ebenso wie der Ausbau von Messe und Flughafen weiter voran. Der Dienstleistungssektor wurde vor allem im Bereich Call-Center gestärkt, High-Tech-Firmen wie Lucent Technologies siedelten sich an, das High Tech Center Nürnberg Nord entstand. Zusammen mit anderen Städten und Landkreisen des Großraums wurde der Marketingverein Region Nürnberg e.V. gegründet. Mit dem „Bündnis für Familie“ setzte Nürnberg bundesweit Maßstäbe bei der Einbindung von familiären Interessen in das kommunalpolitische Handeln. Mit großem Engagement baute Ludwig Scholz auch die internationalen Beziehungen Nürnbergs aus: Er erneuerte den Partnerschaftsvertrag mit Gera (1997) und unterzeichnete neue Partnerschaftsverträge mit Shenzhen/China (1997), Antalya/Türkei (1997), Atlanta/USA (1998) und Kavala/Griechenland (1998). Die freundschaftlichen Beziehungen zu Nizza und Venedig wurden von ihm neu belebt.

Zu den herausragenden Ergebnissen und Ereignissen seiner Amtszeit zählen die Aufnahme Nürnbergs in den Kreis der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, die Eröffnung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände im Jahr 2001, der Zusammenschluss von EWAG und Fränkischem Überlandwerk zur N-Ergie und die Fusion von Sparkasse und Kreissparkasse, die Errichtung der Arena Nürnberg und die Austragung der Eishockey-Weltmeisterschaft 2001.

Im Kulturbereich betrieb er die Umgestaltung des früheren Komm zum Künstlerhaus mit neuem Kopfbau, die alternative Szene fand eine neue Bleibe im Z-Bau der ehemaligen Südkaserne. Das Meistersinger-Konservatorium wurde zur Musikhochschule Nürnberg-Augsburg. Im Kiefschen Bau des ehemaligen Schlachthofs entstand das Kinderkulturzentrum, das Stadtmuseum Fembohaus und das Museum Industriekultur wurden umgebaut. Besonders am Herzen lag Ludwig Scholz die Wiedererrichtung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Hirsvogelsaals im Garten hinter dem Tucherschloss. Mit dem Neuen Museum erhielt Nürnberg sein erstes staatliches Museum.

Höhepunkt der Amtszeit von Ludwig Scholz war 1999/2000 das 950-jährige Stadtjubiläum, zu dessen Auftakt das historische Friedensmahl von 1649 mit prominenten Gästen, darunter Königin Silvia von Schweden, „wiederholt“ wurde. Kulturevents, die heute aus dem städtischen Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken sind, wurden anlässlich des Stadtjubiläums aus der Taufe gehoben: die Blaue Nacht, das Klassik Open Air und die Stadt(ver)führungen. Mit seiner umgänglichen Art suchte Ludwig Scholz vielfältige Kontakte mit der Bevölkerung und führte sein Amt als Oberbürgermeister sehr bürgernah.

„Ludwig Scholz war ein Mensch mit Humor, mit tiefem historischem Interesse und überraschte immer wieder mit geradezu lexikalischem Wissen, was er immer wieder auch als hervorragender Stadtführer unter Beweis stellte. Er war – anders als gelegentlich öffentlich wahrgenommen – ein eher introvertierter Mensch, der sich mit Leidenschaft seinen historisch-kulturellen Interessen widmete“, sagt Dr. Maly. alf