Stadt Nürnberg
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Nr. 64 / 24.01.2007
 

Stadtrat benennt Bischof-Meiser-Straße um

 
Der Nürnberger Stadtrat hat in seiner heutigen Sitzung am Mittwoch,
24. Januar 2007, mit sehr großer Mehrheit beschlossen, die Bischof-Meiser-Straße in Spitalgasse umzubenennen. Gleichzeitig beauftragte das Gremium die Verwaltung, „im Einvernehmen mit dem evangelischen Dekanat geeignete Formen zur Kommentierung und Dokumentation der Hintergründe des Vorgangs zu erarbeiten“.

Seit Monaten wird in Kirche, Politik und Gesellschaft das Wirken des früheren Landesbischofs Hans Meiser (1881-1956) kritisch diskutiert. Meiser führte von 1933 bis 1956 die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Nürnberg war seine Vaterstadt. Hier ist er begraben. In der Bevölkerung wurde er früh verehrt, weil er seine Kirche gegen den nationalsozialistischen Gleichschaltungsversuch erfolgreich verteidigt hat. Anlass der jetzigen Debatte sind seine Haltung zum Judentum – längst vor 1933 und noch 1943 hat er sich antisemitisch-rassistisch geäußert – und seine ambivalente Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus. Zuletzt war die widersprüchliche Haltung des Kirchenmannes in einer Fachtagung mit Wissenschaftlern am Samstag, 20. Januar 2007, ausführlich thematisiert worden. Nicht zuletzt dieses Symposion hat im Rathaus dazu beigetragen, dass heute der Beschluss zur Umbenennung gefasst worden ist.

Die Stadt Nürnberg als Schauplatz der Reichsparteitage und der 1935 verkündeten antisemitischen „Nürnberger Gesetze“ hat eine besondere historische Verantwortung. Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das Informationssystem Reichsparteitagsgelände oder das Bemühen um eine museale Erschließung des Schauplatzes des Internationalen Militärtribunals im Schwurgerichtsgebäude („Memorium Nürnberger Prozesse“) sind Beispiele dieser heutigen Erinnerungskultur. In diesem Sinn ist der Stadtrat in seiner großen Mehrheit der Auffassung, dass in kritischer Würdigung von Leben und Werk Hans Meisers eine Straßenbenennung nach ihm nicht angemessen ist. Die Umbenennung soll jedoch nicht unkommentiert oder undokumentiert bleiben. Deshalb werden Verwaltung und Kirche gemeinsam einen Vorschlag erarbeiten, wie und wo dieser Vorgang der Öffentlichkeit erläutert werden kann.

Der Stadtrat hatte 1957 ohne Kenntnis der antisemitischen Einstellung Meisers und ohne differenzierte Debatte entschieden, den Straßenabschnitt zwischen Obstmarkt und Spitalgasse nach Hans Meiser zu benennen. Insofern erhebt sich der Stadtrat mit seinem heutigen Beschluss auf der Basis weiter reichender Erkenntnisse auch nicht selbstgerecht über jene, die damals entschieden haben.

Heute gibt es drei Gebäude mit der Adresse Bischof-Meiser-Straße (Hausnummern 1,3 und 2). Nach der Umbenennung in Spitalgasse, die bislang nur gerade Hausnummern aufweist, erhalten diese Häuser die Adressen Spitalgasse 1, Spitalgasse 3 und Spitalgasse 5. sz
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