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Nr. 1103 / 29.10.2007

Denkmalprämierung 2007 würdigt fünf Nürnberger Baudenkmäler

 
Bei der Denkmalprämierung 2007 des Bezirks Mittelfranken sind auch fünf Objekte im Nürnberger Stadtgebiet ausgezeichnet worden. Bei einer kleinen Feierstunde am Freitag, 26. Oktober 2007, in der Hersbrucker Filiale der Sparkasse Nürnberg sind insgesamt 78 Denkmäler im ganzen Bezirk prämiert worden, deren Sanierung vorbildlich durchgeführt und bis Anfang 2007 fertiggestellt war.

„Das private Engagement für den Denkmalschutz freut mich sehr“, so Baureferent Wolfgang Baumann. „Letztlich ist der Denkmalschutz ohne die tatsächliche, gelebte Bereitschaft der Eigentümer zum Scheitern verurteilt, wie auch die aktuelle Diskussion rund um den Ensembleschutz beispielhaft zeigt. Leben im Denkmal ist nun mal nicht nur Lebensqualität, sondern auch Verpflichtung. Daher hat die jährliche Denkmalprämierung eine hohe Vorbildfunktion.“ Jeder Eigentümer eines prämierten Objektes erhält als Dank und Anerkennung für hervorragende denkmalpflegerische Leistungen eine Urkunde. Folgende fünf Baudenkmäler auf Nürnberger Stadtgebiet wurden 2007 gewürdigt:

Drahtzieherstraße 8
Das als Gesindehaus zu einem großen Bauernhof des ehemaligen Weilers Lohhof im 19. Jahrhundert errichtete Gebäude war im rückwärtigen Teil im Krieg ausgebrannt und wurde 1966 bis 1968 wiederhergestellt. Die Renovierung von 2005 bis 2007 umfasste die Überarbeitung der Sandsteinfassade, die Erneuerung der Fenster in der ursprünglichen Sprossenteilung, die Reparatur der alten Haustüre und Fensterläden (fehlende Teile wurden ergänzt) und Renovierungsarbeiten im Inneren. So konnten etwa bauzeitliche Kastenschlösser an den Türen wieder gangbar gemacht und damit erhalten werden.

Gartensteig 2
Die Villa im Stadtteil Erlenstegen wurde um 1910 mit Stilelementen des Neobarock von Ludwig Ruff geplant. Der Eigentümer hat die Fenster in der historischen Teilung erneuert, den Fassaden-Putz ausgebessert und mit einem neuen, an die historische Farbigkeit angelehnten Anstrich versehen. Auch die reich verzierten Balkonbrüstungen wurden restauriert, wie die Fensterläden, die dem Bau ein harmonisches Aussehen verleihen.

Prinzregentenufer 5
Der Prachtbau mit barockisierenden Jugendstilformen zeichnet sich vor allem durch seine weitgehend erhaltene Innenausstattung aus. Der erste Eindruck des Foyers wird bestimmt durch eine großzügige Marmortreppe, die zu einem hochwertig gestalteten Treppenhaus führt. Bei Voruntersuchungen fand man unter einem lieblosen, blassen Anstrich aus der Nachkriegszeit eine aufwändige, farbenfrohe Schablonenmalerei an den Wänden und Stuckornamente an der Decke. Die Ornamente wurden freigelegt, die Wände in Anlehnung an die gefundenen Malereien neu gefasst. Zusammen mit der wertvollen, intarsiengeschmückten Holzvertäfelung bietet das Treppenhaus wieder ein repräsentatives Bild.

Schilfstraße 5
Die Villa im Ensemble Villenkolonie Ebensee entstand um 1914 nach Plänen der bekannten Nürnberger Architekten Popp und Weisheit. Das Baudenkmal ist Bestandteil einer zwischen 1907 und 1914 erbauten malerischen Siedlung aus zumeist in neobarocken Stilformen errichteten Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern. Das längere Zeit unbewohnte Gebäude wurde zwischen 2005 und 2007 umfassend saniert. Die verblichene, graubraune Fassade erhielt einen warmen, gelblichen Farbton im Stil der Zeit. Außerdem neue, dem ursprünglichen Bestand entsprechende Fenster und eine neue Biberschwanzziegeldeckung. Im Inneren wurde unter Beibehaltung der vorhandenen, bauzeitlichen Ausstattung hochwertigster, zeitgemäßer Wohnraum geschaffen.

Schlotfegergasse 5
Das ursprünglich 1445 als reines Fachwerkgebäude errichtete Wohnhaus wurde mehrfach umgebaut und zusammen mit dem Anwesen Schlotfegergasse 3 als „Zinßhaus“ (Mietshaus) genutzt. Das im Krieg nur wenig beschädigte Gebäude weist im Inneren zahlreiche bau- und nutzungsgeschichtliche Zeugnisse vom Mittelalter bis zur Neuzeit auf. Die Sanierung von 2002 bis 2007 sicherte die statische Konstruktion und den Erhalt der zeitgeschichtlichen Ausstattungsteile. Ein Wandheizungssystem sowie eine Dämmung aus Schilfrohrmatten in den Dachgeschossen sorgt zusammen mit Lehm- und Kalkputzen nicht nur für Energieeinsparung, sondern auch für ein behagliches, gesundes Raumklima. Eine im Stil der Nürnberger Galerien im rückwärtigen Teil angebrachte Balkonanlage sowie ein neu gestalteter Innenhof lassen das Anwesen zu einer Wohnoase in der dicht bebauten Innenstadt werden.

Alle fünf Objekte wurden von der Unteren Denkmalschutzbehörde beraten und intensiv während der Restaurierungsphase begleitet. Die Beratung erstreckt sich dabei in der Regel von einer ersten allgemeinen Vorberatung über die Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege bis zu regelmäßigen Baustellenterminen während der Renovierungszeit.

Die Denkmalprämierung des Bezirks Mittelfranken wurde im Europäischen Denkmalschutzjahr 1975 eingerichtet. Als erster Bezirk überhaupt hat Mittelfranken diese öffentliche Würdigung denkmalpflegerischen Engagements eingeführt. Diese jedes Jahr stattfindende Prämierung zeichnet vorbildliche Sanierungen und Restaurierungen an Gebäuden und Denkmälern aus. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass Baudenkmäler historischen Zeugniswert besitzen, und helfen, das kulturelle Gedächtnis nicht zu verlieren. In ihrer spezifischen Gestalt prägen die Gebäude das Erscheinungsbild der Region als Kulturlandschaft, und erst gebaute Geschichte definiert eine Kulturregion. Durch die Bewahrung und Pflege von Baudenkmälern wird diese Geschichte begreifbar.

Zur Denkmalprämierung ist ein bebilderter Begleitband erschienen, in dem alle ausgezeichneten Objekte beschrieben sind. Das Buch ist beim Bezirk Mittelfranken in Ansbach für 15 Euro erhältlich.