Stadt Nürnberg
Nachrichten aus dem Rathaus
   
Nr. 1310 / 28.12.2009

Neujahrsgruß von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly

 
Anbei übermitteln wir den Neujahrsgruß von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly an die Bürgerinnen und Bürger:
 
Liebe Nürnbergerinnen und Nürnberger,
 
beim Blick auf das zurückliegende Jahr könnte man fast ein wenig melancholisch werden. Es war nicht alles gut, was wir erlebten. Wenige Tage vor Weihnachten ging der Klimagipfel in Kopenhagen zu Ende. Das Ergebnis ist enttäuschend. Dabei mangelt es nicht an Erkenntnis. Aber es fehlt der entschlossene Wille zum Handeln.
 
Die Menschen haben eine Ursehnsucht nach Frieden. Davon sind aber viele weit entfernt. Kriege, Terror und gewalttätige Auseinandersetzungen machen Millionen von Frauen, Männern und Kindern zu Opfern. Mit Trauer schauen wir auf das Elend in der Welt.
 
Und was ist geblieben nach der Pleite von Lehman Brothers 2008 und der weltweiten Banken- und Finanzkrise im anschließenden Jahr? Was ist geblieben von dem guten Vorsatz, den wildgewordenen Finanzjongleuren strenge Regeln zu geben, um ein derartiges Desaster künftig zu verhindern? Relativ wenig. Es wird schon wieder ungehemmt Monopoly gespielt. Dabei sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise noch längst nicht vorüber. Viele Menschen mussten in Kurzarbeit gehen, die Arbeitslosigkeit steigt wieder, den öffentlichen Haushalten fehlen notwendige Einnahmen in einem Ausmaß wie nie zuvor.

Mit Bitternis und auch ein bisschen Wut erinnere ich mich an das plötzliche Aus für das Traditionsunternehmen Quelle. Wie aus heiterem Himmel verkündete der Insolvenzverwalter im Oktober das plötzliche Ende. 4 000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Schmerzlicher Schlusspunkt einer langen Fehlentwicklung mit gravierenden Managementfehlern in der Vergangenheit. Nach Grundig und AEG Hausgeräte ist ein weiteres Traditionsunternehmen unserer Stadt verschwunden. Bei all dem habe ich mich dennoch gefreut über die große Solidarität vieler Bürger und Firmen mit den Betroffenen. Schon wenige Tage nach der bitteren Nachricht hatten rund 140 Unternehmen zugesagt, Quelle-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern neue Arbeitsplätze anzubieten. Ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt in unserer Stadtgesellschaft.

Im zurückliegenden Jahr haben wir uns erinnert an den Fall der Mauer vor 20 Jahren. Der Wille zur Freiheit hatte 1989 zu einer beispiellosen friedlichen Revolution geführt. Und wir haben auch 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland feiern können. 60 Jahre Grundgesetz – damit haben die Verfassungsväter und -mütter auch moralische Grundsätze verankert, die weiter unser Handeln bestimmen sollten.

Vor dem Hintergrund der Ereignisse des vergangenen Jahres sind für mich Ethikund Verantwortung die Schlüsselbegriffe des Jahres 2010.
Wir sind verantwortlich für die Regeln auf den Finanzmärkten. Die Menschen sind wichtiger als die Aktienkurse. Wir sind verantwortlich für die Zukunft unseres Planeten. Umweltschutz ist kein Luxus, den man sich nur in guten Zeiten leisten kann. Wirtschaft und Umwelt sind keine Gegensätze.

Aus den Erfahrungen von 2009 erwächst auch in unserer Stadt eine Verpflichtung für die Politik. Wir fühlen Verantwortung für die Betroffenen bei Quelle. Wenn wir in der Region zusammenstehen, werden wir auch diesen Tiefschlag verkraften und können zuversichtlich nach vorne schauen. AEG und Triumph Adler haben gezeigt, wie aus ehemaligen Industriearealen etwas Neues werden kann. Wir haben keinen Grund zu verzagen. Die allgemeinen Rahmenbedingungen stimmen. Unser Mittelstand ist gesund. Die NürnbergMesse prosperiert. Unsere Stadtwerke haben sich mit anderen kommunalen Versorgungsunternehmen verbündet, um im Interesse der Bürgerinnen und Bürger besser am Markt agieren zu können. Im Güterverkehrszentrum am Hafen ist eine neue Ära im Containerumschlag angebrochen.

Wir tragen Verantwortung für unsere Kinder. Auch wenn die städtische Haushaltslage durch geringere Steuereinnahmen schwierig bleiben wird, werden wir im neuen Jahr weiter kräftig in den Ausbau der Kindertagesstätten und der Schulen investieren. Bildung ist der Schlüssel zur Zukunft. Und letztlich auch der Schlüssel, um das Phänomen der Armut in denGriff zu bekommen. Auch der öffentliche Personennahverkehr wird weiter verbessert, um die Lebensqualität in der Stadt zu erhöhen.
Nürnberg lebt seit Jahrhunderten von seinem Erfindungsreichtum und seiner Innovationskraft. Im Jahr 2010 steht ein besonderes Jubiläum bevor: Am 7. Dezember 1835 war von Nürnberg nach Fürth das erste Mal in Deutschland eine Eisenbahn unterwegs. Die sechs Kilometer lange Fahrt des Zugs mit der Lokomotive „Adler“ an der Spitze war wie ein Symbol des Aufbruchs in eine neue Zeit. 175 Jahre danach erinnern zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen an die Geschichte der Bahn, der Mobilität, der Industrialisierung, des Fortschritts. Daraus lässt sich auch Mut schöpfen für das, was vor uns liegt.

Auch im Jahr 2010 wird sich Nürnberg weiter positiv entwickeln. Ich rufe Sie auf, mit mir optimistisch zu sein. Man kann der pessimistischen Theorie nur mit einer optimistischen Praxis entgegenwirken. Lassen Sie uns gemeinsam gestalten, was notwendig ist.
 
Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen viel Zufriedenheit, Glück und Gesundheit.