Stadt Nürnberg
Nachrichten aus dem Rathaus
   
Nr. 714 / 14.07.2010

Preise für Kunst und Wissenschaft der Stadt Nürnberg 2010

 
In seiner Sitzung am heutigen Mittwoch, 14. Juli 2010, hat der Stadtrat die vom Kulturausschuss vorgeschlagene Vergabe der diesjährigen Preise für Kunst und Wissenschaft beschlossen. Der Autor Gerhard Falkner wird mit dem Preis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Nürnberg, der mit 10 000 Euro dotiert ist, ausgezeichnet. Die bildende Künstlerin Ursula Kreutz und der Musiker und bildende Künstler Dan Reeder erhalten je einen mit 5 000 Euro dotierten Förderungspreis für Kunst und Wissenschaft 2010. Je ein mit 2 500 Euro dotiertes Nürnberg-Stipendium erhalten die Musikerin Lena Dobler, der bildende Künstler Sebastian Kuhn, die Musikgruppe „Carlos Reisch“ und „Zentrifuge – Verein für Kommunikation, Kunst und Kultur e.V.“. Gewürdigt werden die Preisträger für die herausragenden Akzente, die sie im Kulturleben der Stadt Nürnberg setzen.
 
Zu den Preisträgern:
 
Gerhard Falkner
Gerhard Falkner, geboren 1951 in Schwabach und ausgebildeter Buchhändler, lebt als Lyriker, Dramatiker, Essayist und Übersetzer in Berlin und Franken. Er gehört inzwischen zu den bedeutenden Dichtern der Gegenwart, der die Entwicklung der deutschen Lyrik maßgeblich geprägt hat. Seit 1978 veröffentlicht Falkner kontinuierlich in den großen literarischen Verlagen. Falkners Gedichte sind in den wichtigsten Anthologien deutscher Lyrik vertreten.
Bereits sein Debütband „so beginnen am körper die tage“ von 1981, mit dem er die vorherrschende Experimental- und Befindlichkeitslyrik radikal brach, erregte großes Aufsehen. Der Gedichtband „wemut“ (1989) verhalf ihm zum literarischen Durchbruch. In Nürnberg hat Falkner insbesondere durch das Libretto zur Kammeroper „A Lady DI es“ (Komponist Stefan Hippe), die am 11. März 2000 im Rahmen des Nürnberger Stadtjubiläums in der Tafelhalle uraufgeführt wurde, auf sich aufmerksam gemacht. 2008 schrieb Falkner die Novelle „Bruno“, die den Problembär als mediales Großereignis vor dem Hintergrund eines Selbstfindungsprozesses verarbeitet. Falkner wurde zudem als Kurator von Literaturveranstaltungen, als Mitorganisator der Internetplattform „Lyrikline“ sowie als Herausgeber repräsentativer Anthologien amerikanischer oder ungarischer Lyrik bekannt.
 
Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1987 mit dem Bayerischen Staatsförderpreis, 2008 mit dem Kranichsteiner Literaturpreis des Deutschen Literaturfonds und 2009 mit dem August-Graf-von-Platen-Literaturpreis sowie dem Peter-Huchel-Preis. Die Stadt Nürnberg würdigte sein Schaffen erstmals 2002 mit der Vergabe eines Nürnberg Stipendiums.

Ursula Kreutz
Ursula Kreutz, 1969 in Bergisch Gladbach geboren, lebt und arbeitet in Fürth und Köln. Bis 1996 studierte Ursula Kreutz an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach Arbeitsaufenthalten in Israel, Italien und der Schweiz nahm sie an der Nürnberger Kunstakademie bei Prof. Hanns Herpich, Prof. Ottmar Hörl und Prof. Georg Winter erneut ihr Studium auf.
Die bildende Künstlerin Ursula Kreutz hat im Bereich zwischen Fotografie und Textilkunst eine poetische, zarte Bildsprache entwickelt, die sich zwischen privater Erinnerung und kollektivem, gesellschaftlichem Ereignis bewegt.

2006 erhielt sie den Katalogpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, 2008 den Wolfram von Eschenbach Förderpreis des Bezirks Mittelfranken und 2009 den Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten, 3. Preis.

2007 schaffte die Künstlerin mit „re: blick“ einen konfessionsunabhängigen Meditationsraum in der Kirche St. Egidien. 2009 stellte sie in der Ausstellung „fan you“ in der Kreisgalerie Personenkult und Selbstbild mit kegelförmigen, kopfstehenden Lichtobjekten auf den Prüfstand. Es folgten 2009 unter anderem die Einzelausstellungen „oktaportrait“ in der Galerie Kunstraum Sutter-Kress Erlangen, die Rauminstallation „fiat lux“ in der Galerie Bernsteinzimmer sowie die Gruppenausstellungen „ich bin kunst“ im Kunstverein Kohlenhof und „dreisichten“ in der Kunstmühle Mürsbach bei Coburg.

Dan Reeder
Das amerikanische Multitalent Dan Reeder, geboren 1954 in Louisiana, ist seit Jahren einer der vielseitigsten Künstler der Region. Zunächst hat er sich als Maler einen Namen gemacht, dessen preisgekrönte Arbeiten im In- und Ausland zu sehen und inzwischen auch im Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und des Neuen Museums Nürnberg zu finden sind.
Dan Reeder studierte bis 1985 an der California State University in Fullerton. Die Liebe führte ihn nach Nürnberg, wo er seine Arbeiten u.a. in der Galerie Näke (1991,93, 96), dem Kunsthaus (1994,2008) und in der Kunsthalle (1992, 93) zeigte. 2006 wurde er Gastprofessor an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Zuletzt widmete ihm die städtische kunst galerie fürth eine Ausstellung.

Seit 2003 zählen zu seinen Fans auch Musikfreunde. Dan Reeder baut seine Instrumente selbst: Ukulelen, Trash-Gitarren und Kastenbässe, Posaunen aus Pappmaché und PVC-Röhren sowie ein Schlagzeug aus Plastikeimern. Mit einfachsten Mitteln produzierte Reeder sein erstes Album, das überaus erfolgreich wird. Das amerikanische Label „Ohboy Records“, die in Nashville beheimatete Plattenfirma der Country-Ikone John Prine, nahm ihn unter Vertrag. Die Kritiker lobten die recht schräge, minimalistische, ungeschliffene, einzigartige Musik.

2006 folgte die CD „Sweetheart“, 2009 „This New Century“, deren 20 genial-einfache Lieder Reeder wieder komplett alleine aufgenommen hat und die ihm eine Tournee durch die USA einbrachte. Derzeit arbeitet Dan Reeder an seiner vierten CD.

Lena Dobler
Lena Dobler, 1990 in Dortmund geboren, zog 1998 nach Fürth. 2009 machte sie ihr Abitur und studiert heute Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Germanistik in Regensburg.
 
Sie spielt solo deutschsprachigen Indie-Pop, der auf den selbstproduzierten CDs mit viel Keyboard und zweiten Stimmen verfeinert wurde. Ihre Texte sind originell, eigenwillig, frech und kritisch. Lena Dobler besticht durch ihre charismatische Ehrlichkeit und Authentizität.
Mit 15 Jahren stand Lena Dobler am Mädchentag der Luise Cultfactory erstmals auf der Bühne. 2005 erscheint ihr Debütalbum „Das gleichnamige Album“. Es folgen, weiter in Eigenregie, 2006 „Man hatte die Rechnung ohne das Milchmädchen gemacht“ und 2007 „256 Graustufen“.

2008 landete Lena Dobler auf dem ersten Platz der fränkischen Regionalcharts der Musikzentrale. Bei einem Remix-und Coverwettbewerb der Band Slut (2008) gehörte Lena Dobler zu den Gewinnern. Im Juli 2008 stellte der „Zündfunk“ sie in der Rubrik „Montagsdemo“ vor. Thees Uhlmann, der Sänger der Band „Tomte“, lobte ihre musikalische Qualität und Stilsicherheit: „Ich glaub´, das ist das Beste, was ich jemals gehört habe im Rahmen meiner Tätigkeit für den Bayerischen Rundfunk ...“.

Lena Dobler trat in der Region beim Brückenfestival (2009), im Muz-Club, dem E-Werk (2010) in Erlangen und beim Fürth Festival auf. 2009 tourte sie mit „Goya Royal“ durch Bayern.

Sebastian Kuhn
Sebastian Kuhn, 1977 in Krumbach (Schwaben) geboren, studierte an der Nürnberger Kunstakademie bei Tim Scott und Claus Bury. Er schafft einfallsreiche Skulpturen jeglicher Formate, von der Kleinplastik bis hin zur Außenskulptur für den öffentlichen Raum. Seine Arbeiten bestechen durch das intelligente Spiel mit unterschiedlichen Alltagsmaterialien wie Teppichboden, Plastikplane oder Schaumgummi. Oft demontiert oder zerlegt er Gegenstände, um durch neue Ordnung und Kombination andere Sinnzusammenhänge zu schaffen. Musik und Film spielen eine besondere Rolle in Kuhns Werken, wenn er den Rhythmus etwa eines Films von Stanley Kubrick oder der Musik von John Scofield in sein Werk transformiert.

Seit 2007 arbeitet Sebastian Kuhn als freischaffender Künstler. 2008 erhielt er den Kunstförderpreis des Bayerischen Staatministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Kuhn hat u.a. im Haus der Kunst München (2005, 2006), beim Izumo Art Festival Tamatsukuri Japan (2006), in den Städtischen Museen Zwickau, wo er 2009 auch den Max-Pechstein-Förderpreis erhielt, im Arp Musum Rolandseck Bonn (2009/10) und im Museum Biedermann in Donaueschingen (2010) ausgestellt.

In Nürnberg waren seine Arbeiten u.a. im Kunsthaus, in der Kreisgalerie oder in der Galerie Oechsner zu sehen. Seinen Arbeitsmittelpunkt hat Kuhn im AEG-Areal.

Carlos Reisch
Hinter dem Bandnamen Carlos Reisch verbergen sich zehn fränkisch-internationale Künstler aus Australien, der Elfenbeinküste, Italien, Polen sowie aus Baden-Württemberg, der Oberpfalz und aus Franken. Carlos Reisch verkörpert einen multikulturellen Schmelztiegel, der Timba-Feel und südkalifornischen Hip-Hop, Cool-Jazz und Funk zu einer äußerst tanzbaren Mischung verbindet.

Seit 2008 tritt die Band in Clubs und bei Festivals wie dem Brückenfestival (2008), dem Bardentreffen (2009 ), dem Weinturm Open Air (2009), dem Chiemsee Reggae Summer (2010) oder dem Südstadtfest (2010) auf. 2010 veröffentlichte Carlos Reisch ihr Debüt-Album „Need to dance“.

Carlos Reisch sind Rainer Pirzkall, Claire Yapi, Alex Seubert, Joe Reinhuber, Tobi Scheibeck, Anand Sivamalai, Michael Otto, Titus Leszczynski, Sebastian Ludwig di Salvatore und Manuel Tannenberg. Der ungewöhnliche Bandname bezieht sich auf den ehemaligen Club-Meisterschaftsspieler Stefan Reisch, der in Erlenstegen ein Schreibwarengeschäft betreibt, das die Musiker in ihrer Jugend häufig besuchten.

Zentrifuge – Verein für Kommunikation, Kunst und Kultur e.V.
Die Zentrifuge ist ein Projekt zur Vernetzung von Kulturinteressierten und Kulturschaffenden im Raum Nürnberg. Träger ist der 2008 gegründete gemeinnützige Verein „Zentrifuge – Verein für Kommunikation, Kunst und Kultur e.V.“, Spielort eine circa 600 Quadratmeter große, ehemalige Industriehalle „Auf AEG“.

Bekannt wurde „Zentrifuge e.V.“ durch die regelmäßige Präsentation von Ausstellungen seit 2008. So realisierte zum Beispiel im März und April 2009 die Klasse Flinzer (Akademie der Bildenden Künste Nürnberg) ein Gemeinschaftsprojekt unter dem Titel „Planerfüllung“. Im Anschluss daran präsentierte der Videokünstler Patrick Ruckdeschel seine Werke, gefolgt vom Projekt „jetztkunst in der Zentrifuge“, in dessen Rahmen 36 jurierte Künstlerinnen und Künstler in insgesamt sechs Ausstellungen ihre Arbeiten zeigten.

Zusätzlich zu den Ausstellungen wird ein spartenübergreifendes Programm aufgebaut, das der Verein gemeinsam mit Partnern aus der Kunst- und Kulturszene entwickelt. „Zentrifuge e.V.“ befasst sich zudem intensiv mit dem Thema „Kultur- und Kreativwirtschaft“. Der gemeinnützige Verein vernetzt Akteure aus Kultur, Kunst, Politik und Wirtschaft, u.a. auch durch den umfassenden Einsatz von Social Media Instrumenten.

Verleihung der Preise
Die öffentliche Verleihung der Preise für Kunst und Wissenschaft findet statt am Montag, 15. November 2010, um 19.30 Uhr in Nürnberg in der Tafelhalle, Äußere Sulzbacher Str. 62. Der Eintritt zur Preisverleihung ist frei.

Informationen zu den Preisen, den Preisträgern und der Preisverleihung sind in Kürze im Internet unter www.nuernbergkultur.de/kulturpreise zu finden. alf