Stadt Nürnberg
Nachrichten aus dem Rathaus
   
Nr. 1271 / 29.12.2010

Neujahrsgruß von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly

 

Anbei übermitteln wir den Neujahrsgruß von Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly an die Bürgerinnen und Bürger:

Liebe Nürnbergerinnen und Nürnberger,

Jahreswechsel – das ist Zeit für Rückschau, aber auch Gelegenheit für einen Blick nach vorne.
Im Jahr 2010 wurde die ökonomische Krise überraschend schnell und in erstaunlichem Ausmaß überwunden. Die Arbeitslosenzahlen in Stadt und Region sind sogar gesunken, obwohl uns alle Experten wegen der Quelle-Pleite das Gegenteil vorhergesagt haben. Viele Unternehmen, denen es im vergangenen Jahr schlecht ging, haben die Möglichkeit der Kurzarbeit genutzt, um im Konjunkturtief zu überwintern. Und sehr viele davon haben jetzt wieder volle Auftragsbücher. Aber seien wir ehrlich zu uns: Vieles von dem, was auf dem Höhepunkt der Finanzkrise an Absicht formuliert worden ist, die Macht der Finanzmärkte zu beschneiden, ist auf der Strecke geblieben oder nur sehr halbherzig umgesetzt worden. Wir können gerade studieren, wie sich Spekulanten am Euro zu schaffen machen. Wir sollten aber keine Krisenängste haben: Europa und der Euro bleiben ein Glücksfall für Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft.

Deepwater Horizon – gäbe es nicht die Jahresrückblicke, wäre der Name dieser Bohrinsel fast schon wieder vergessen. Dieser Name steht nicht nur für eine schreckliche ökologische Katastrophe im Golf von Mexiko, er steht auch dafür, dass Technik letztlich nie ohne Risiko beherrschbar ist. Das gilt auch für die Atomkraft. Deshalb wünscht sich die Mehrheit der Deutschen – mich eingeschlossen – den möglichst raschen Ausstieg aus dieser Technologie. Umweltschutz und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sind kein Luxus für gute Zeiten, sondern die zentrale Frage für die Zukunft unserer Kinder und Enkel.

Naher Osten, Korea, Afghanistan – auch 2010 ist die Welt nicht friedlicher geworden. Konflikte werden eher unübersichtlicher und die Versuche der Weltgemeinschaft, auf der Basis von UN-Mandaten ordnend einzugreifen, sind immer seltener von Erfolg gekrönt. Unsere Soldaten wissen, wie schwierig das ist. Hoffentlich kann 2011 der Abzug aus Afghanistan beginnen und auch möglichst schnell zu Ende gebracht werden. Ob danach Frieden und Freiheit herrschen? Ich fürchte nein.

2010 – das war in Nürnberg ein Jahr mit kulturellen Höhepunkten: Das Eisenbahnjubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen lockte Zehntausende. Wir konnten die Wiedereröffnung des Schauspielhauses feiern in einer Zeit, wo andernorts über die Schließung und Zusammenlegung von Theatern diskutiert werden muss. Und dann noch die Eröffnung des Memoriums Nürnberger Prozesse – das ist ein weiterer gelungener Baustein in unserer Erinnerungsarbeit.

Bei den Haushaltsberatungen vor einigen Wochen haben wir im Stadtrat an unserem Kurs für Zukunftsinvestitionen festgehalten. Allein in den nächsten vier Jahren fließen 115 Millionen Euro in die Kinderbetreuung in Krippen, Kindergärten und Horten. Über 150 Millionen Euro stecken wir in große Schulprojekte und 165 Millionen Euro kommen dem öffentlichen Personennahverkehr zugute. Das ist viel Geld, aber es ist gut angelegtes Geld, weil es Investitionen in die Lebensqualität unserer Stadt sind.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, ich denke es gibt allen Anlass mit einigem Optimismus ins neue Jahr zu gehen. Nach aller Erfahrung wird es nicht frei von Leid oder Rückschlägen sein – sowohl individuell als auch im Weltgeschehen. Aber die Voraussetzungen dafür, dass wir das Leben in unserer Stadt gemeinsam gestalten, für Kinder und Bildungsgerechtigkeit etwastun, an der Zukunft der Stadt arbeiten – diese Voraussetzungen sind da. Die Gelegenheit ergreifen müssen wir schon selber.

Ich wünsche Ihnen viel Glück und Gesundheit, alles andere ist dagegen zweitrangig. Alles Gute für 2011!