Stadt Nürnberg
Nachrichten aus dem Rathaus
   
Nr. 697 / 20.07.2011

Stärkste Regenfälle der vergangenen 30 Jahre

 

Seit 30 Jahren hat es in Nürnberg nicht mehr so stark geregnet wie in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Innerhalb von 14 Stunden sind pro Quadratmeter Boden 110 Liter Regen gefallen, wie die Experten des Eigenbetriebs Stadtentwässerung und Umweltanalytik (SUN) feststellten. Im Bereich Gebersdorf verzeichnete SUN sogar ein hundertjähriges Starkregenereignis im Zeitraum von 22.50 bis 0.30 Uhr. Im sogenannten Gürtelbereich zwischen Großreuth bei Schweinau, Gebersdorf und der Südstadt haben die SUN-Regenschreiber die größten Regenmengen im Stadtgebiet feststellen können.

Die ausdauernden Regenfälle im Stadtgebiet Nürnberg setzten am Dienstag gegen 22.50 Uhr ein und hielten bis Mittwochmittag an. Am Nachmittag entspannte sich die Situation, weil der Regen aufhörte. Laut Wetterbericht können am Mittwoch bis circa 20 Uhr weitere unwetterartige Regengüsse im Stadtgebiet auftreten.

Die überfluteten Straßenunterführungen im Stadtgebiet Nürnberg waren am Mittwochnachmittag allesamt wieder für den Verkehr freigegeben. Eine Reihe von Regeneinläufen im Stadtgebiet hatten die Wassermengen nicht mehr fassen können; das Regenwasser drückte aus der Kanalisation an die Oberfläche. Generell war das kommunale Kanalnetz an seiner Leistungsgrenze angelangt, denn für eine solche Niederschlagsmenge ist es nicht dimensioniert. Hauptursache für die Straßenüberflutungen waren die durch den Starkregen zugeschwemmten Regeneinläufe. Dies führte zu punktuellen Verkehrsbehinderungen. SUN geht davon aus, dass bei dem Regenereignis rund 50 Kanaldeckel ausgespült wurden. Die Mitarbeiter des Kanalbetriebs waren von 0.15 Uhr an im Einsatz, ebenso wie Polizei und Feuerwehr. Weil es am Nachmittag nicht mehr regnete, entspannte sich die Situation im überlasteten Kanalnetz. Alle Kapazitäten standen wieder in vollem Umfang zur Verfügung.

Auch die Bezirke des Servicebetriebs Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR) waren mit ihren Straßen- und Grünmeistern überall im Stadtgebiet im Einsatz, um vor Ort zu kontrollieren und gegebenenfalls die notwendigen Sperrungen von Straßen und Wegen vorzunehmen und Reinigungsarbeiten durchzuführen.

Die SÖR-Abteilung Wasserwirtschaft, die auch für den Hochwasserschutz verantwortlich zeichnet, hatte für das gesamte Stadtgebiet Rufbereitschaft ausgerufen. Die SÖR-Experten beobachten die Gewässer erster Ordnung, darunter die Pegelstände der Pegnitz und Rednitz. Im Laufe des Mittwochs ist möglicherweise mit weiteren Sperrungen im Pegnitztal Ost und West zu rechnen. SÖR und SUN bitten die Bürgerinnen und Bürger darum, die der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer dienenden Straßen- und Wegesperrungen zu respektieren.
 

Zahlreiche Feuerwehreinsätze

Die Feuerwehr musste in der Nacht auf Mittwoch sowie am heutigen Vormittag zwischen 0 Uhr und 11.30 Uhr zu einer Vielzahl von Einsätzen vor allem im Stadtgebiet ausrücken. Von den mehr als 280 Einsätzen im Gebiet der Integrierten Leitstelle gingen allein 190 in das Stadtgebiet Nürnberg. Vorrangig handelte es sich dabei um vollgelaufene Keller und andere Wassereinbrüche in Gebäuden. Im gleichen Zeitraum wurde die Feuerwehr Nürnberg außerdem noch zu sieben Feuern gerufen, unter anderem zu einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Faberstraße in Gebersdorf, wo es gegen 5.45 Uhr aus bisher ungeklärter Ursache zu einem Dachstuhlbrand gekommen war. Einheiten der Berufsfeuerwehr und freiwilligen Feuerwehr konnten die Flammen rasch löschen. Anschließend mussten sie die zerstörte Dachhaut notdürftig mit Planen sichern, um größere Gebäudeschäden durch den anhaltenden Regen zu verhindern. Außergewöhnlich war auch ein Brandmelder-Alarm einer Firma im Hafengebiet. Dort war es durch die Wasserlast zu einem Teileinsturz eines Hallendachs gekommen. Eintretendes Wasser hatte die Brandmeldeanlage ausgelöst.

Die Disponenten in der Integrierten Leitstelle mussten zwischen 0 und 11.30 Uhr 1 130 eingehende Anrufe bearbeiten. Neben den Feuerwehreinsätzen koordinierten sie dabei auch 215 Rettungsdiensteinsätze im Leitstellenbereich. Am Nachmittag ging die Zahl der Notrufe zurück.

Insgesamt waren bei den Unwettereinsätzen rund 200 Kräfte aller 18 freiwilligen Feuerwehren Nürnbergs, 130 Einsatzbeamte (mit zusätzlich aus der Freizeit alarmierten Einsatzkräften) der Berufsfeuerwehr und 20 Helfer des Technischen Hilfswerks aus Nürnberg im Einsatz. In der Leitstelle wurden alle verfügbaren Disponentenarbeitsplätze besetzt, um das hohe Anrufaufkommen abarbeiten und die Einsätze adäquat begleiten zu können. Bei den Unwettereinsätzen wurde ein Feuerwehrmann leicht verletzt, ansonsten sind glücklicherweise keine Personenschäden zu verzeichnen. tom
 

Die Sperrungen und Teilsperrungen im Einzelnen:

  • Die Wassermassen drückten am Mittwochmorgen am Frankenschnellweg im Abschnitt zwischen der Unterführung Schwabacher Straße und Otto-Brenner-Brücke die Schachtabdeckungen hoch und ergossen sich über die Fahrbahn. Erschwert wurde die Situation durch Erde und Sand, der durch den starken Regenfall von Böschungen in den Straßenraum geschwemmt wurde. Mitarbeiter von SUN und SÖR haben schnellstmöglich reagiert, um den Frankenschnellweg wieder passierbar zu machen: Sie reinigten den Frankenschnellweg in Handarbeit und setzten zusätzlich vier Großkehrmaschinen ein. SUN entfernte parallel dazu die durch den Starkregen entstandenen Verstopfungen der Schachteinläufe. Der Frankenschnellweg hat an der Stelle zwei kritische Tiefpunkte, die bei starken Regenfällen überschwemmt werden können. Beim Ausbau des Frankenschnellwegs werden die Entwässerungsverhältnisse neu geregelt, so dass derartige Überschwemmungen künftig nicht mehr vorkommen sollen.
  • Auf der Höhe Kreuz Hafen/Hafenstraße in Fahrtrichtung Katzwang rutschte eine Böschung auf den Standstreifen und Teile der Straße ab.
  • In der Felsenstraße hatte sich ein verschraubter Kanaldeckel durch den Wasserdruck gehoben; eine Totalsperrung wurde angeordnet, da circa 50 Quadratmeter Fahrbahn beschädigt wurden.
  • Ein Regenrückhaltebecken in der Hans Kalb-Straße sorgte dafür, das Wasser über die Dammkrone lief. Der nahegelegene Campingplatz musste zum Teil geräumt werden.
  • Ein Regenrückhaltebecken in der Hans Kalb-Straße sorgte dafür, das Wasser über die Dammkrone lief. Der nahegelegene Campingplatz musste zum Teil geräumt werden.
  • In der Probsteistraße/Burghardstraße stand das Wasser auf der Straße. Das Problem bestand darin, dass der Wasserpegel im Vorfluter zu hoch stand und deshalb keine Entlastung möglich war. Mitarbeiter von SUN pumpten das Wasser im Laufe des Tages ab.
  • In der Rothenburger Straße auf der Höhe des Autohauses Kraus stand die Fahrbahn unter Wasser.
  • Überflutete Straßen wurden auch aus dem Nordostpark gemeldet.
  • Die Heinrich-Lersch-Straße wurde überschwemmt; vermutlich haben die starken Regenfälle Erde und weitere Materialien ausgeschwemmt und für eine Verstopfung des Regeneinlasses gesorgt.
  • Die Auerbachstraße wurde durch benachbarte Gewässer überflutet.