Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 473 / 24.05.2012

Umweltpreis 2012 vergeben

Die Stadt Nürnberg hat den Umweltpreis 2012 vergeben. Thema war „Energiewende in Nürnberg“. Das schließt alle Bereiche der lokalen Energiepolitik ein:
klimafreundliche Energieerzeugung mit erneuerbaren Energien und innovativen Energieversorgungssystemen, Steigerung der Energieeffizienz und Einsparungen beim Strom- und Energieverbrauch.

Beim federführenden Umweltreferat gingen 24 Bewerbungen ein. Die Bewerbungen wurden von der Preisjury ausführlich diskutiert und bewertet. Das Preisgeld von 9 000 Euro wird an ehrenamtlich arbeitende Organisationen vergeben; die Unternehmen erhalten Anerkennungsurkunden. Ergebnis der Jury-Sitzung war ein einstimmiger Vorschlag, der am Mittwoch, 23. Mai 2012, vom Stadtrat ebenfalls einstimmig beschlossen wurde.

Die Preisträger sind:
Energiewendebündnis Nürnberg: 3 000 Euro
Projektgruppe „Erneuerbare Energien und Kraftwärmekopplung“: 2 000 Euro
Michael Vogtmann: 2 000 Euro
Altstadtfreunde Nürnberg e.V.: 1 000 Euro
Club am Marienberg e.V.: 1 000 Euro

Mit Anerkennungsurkunden ausgezeichnet werden folgende Betriebe:
Robert Bosch GmbH
Partyservice Wahler GmbH

Architekt Dr. Burkhard Schulze-Darup
Alle Bewerber und Vorschläge für den Umweltpreis 2012 erfüllen die Voraussetzung der Ausschreibung und wären damit preiswürdig. Der Preis wurde aber bewusst nicht weiter aufgeteilt, um die Bedeutung nicht zu mindern. Es wurden sowohl Einzelpersonen als auch Vereine berücksichtigt.

Würdigung der Preisträger

Energiewendebündnis Nürnberg
Das Nürnberger Energiewendebündnis (EWB) ist ein unabhängiger Zusammenschluss verschiedener Umweltgruppen Nürnbergs und seit 1993, also seit fast 20 Jahren, aktiv. Das EWB setzt sich für die Beendigung der Nutzung der Atomkraft und für den Ausbau der Erneuerbaren Energien ein. Unter anderem wurden vom EWB folgende Maßnahmen mit angestoßen:
- Einführung der kostendeckenden Vergütung für Solarstrom in Nürnberg
- Einführung des CO2-Minderungsprogramms bei der N-Ergie
- Einführung des Kommunalen Energie- und Wassersparmanagements
 

In den letzten Jahren warb das EWB verstärkt für Ökostrom (zum Beispiel mit Stromwechselpartys), nahm an unterschiedlichsten Anti-Atomkraft-Aktivitäten teil, konzipierte Unterrichtseinheiten für Schulen und organisierte Informations- und Diskussionsveranstaltungen zur Energiewende. Außerdem setzte sich das EWB auch intensiv für die Errichtung von Gebäuden in Niedrigenergiebauweise und für eine Passivhaussiedlung in Nürnberg ein.

Projektgruppe „Erneuerbare Energien und KWK“
Die Projektgruppe besteht aus fünf Personen (Erich Wirth, Dieter Grimm, Wolfgang Brummer, Markus Fischer und Bernd Scherer), die sich seit 14 Jahren für die Förderung der Solarenergie und Wasserkraft, der Energieeffizienz und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) engagiert. 1997 wurde die erste Bürgersolarstromanlage in Nürnberg errichtet. Inzwischen konnten zahlreiche Bürgersolarstromanlagen auf städtischen und kirchlichen Dächern realisiert werden. Die Projektgruppe bietet Informationen zu Energieeffizienz, Solaranlagen und Wasserkraft in Form von Flyern und ehrenamtlicher Telefonberatung an. Die Projektgruppe ist in den letzten Jahren in Verhandlungen mit dem Betreiber der Gaststätte „Bar Celona“, dem Liegenschaftsamt und dem staatlichen Wasserwirtschaftsamt mit dem Ziel, das ehemals vorhandene Wasserrad auf der Insel Schütt wieder aufzubauen.

Michael Vogtmann
Michael Vogtmann setzt sich seit 20 Jahren ehrenamtlichund beruflich unermüdlich für die Energiewende, besonders für die Nutzung der Solarenergie, ein. Immer offen und bereit für die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und städtischen Einrichtungen ist er einer der Pioniere für die Sonnenenergie. In den letzten Jahren ist besonders sein Engagement zur Einführung der solaren Velotaxis in Nürnberg hervorzuheben. Mit hohem persönlichem Einsatz machte er es möglich, ressourcenschonende Mobilität für Bürgerinnen und Bürger nutzbar zu machen und ein innovatives touristisches Angebot zu schaffen. Michael Vogtmann ist seit vielen Jahren in der Nürnberger Agenda 21 aktiv und Mitglied im Runden Tisch „Energie & Klima“. 2008 war er Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie Franken e.V. und ist seitdem 1. Vorsitzender.

Altstadtfreunde Nürnberg e.V.
Die Altstadtfreunde haben zwischen 2009 und 2011 in Zusammenarbeit mit diversen Projektpartnern die komplette Sanierung des Baudenkmals Pfeifergasse 9 (historisches Fachwerkhaus) in der Altstadt vorgenommen. Dabei wurde auf eine modellhafte Sanierung mit energieeffizienter und ökologischer Zielsetzung Wert gelegt. Dazu wurde mit Material aus dem nachwachsenden Rohstoff Rohrkolbenpflanze (Typha) gearbeitet. Der innovative Wandaufbau wurde als Pilotprojekt der bundesdeutschen Stiftung Umwelt gefördert. Bei dieser Sanierung des Baudenkmals wurde nicht nur der maximale Erhalt originaler Bausubstanz gesichert, sondern auch der Nachweis erbracht, dass Denkmalschutz und energetische Nachrüstung gut vereinbar sind.

Club am Marienberg e.V.
2006 wurde dem Club am Marienberg die Vermietung der Tennishalle für eine Photovoltaikanlage angeboten. Leider war der Aufbau aufgrund der Statik zunächst nicht möglich. Da im Laufe der Jahre die Solarmodule leichter wurden, entschlosssich der Club 2007/2008 zum Bau einer eigenen Anlage. Die Hausbank konnte überzeugt werden, die PV-Anlage zu 100 Prozent fremd zu finanzieren. Da die Halle durch öffentliche Zuschüsse einer zweckgebundenen Nutzung unterlag, musste eine Baugenehmigung beim Bayerischen Staatsministerium eingeholt werden. Daraus ist eine generelle Verordnung entstanden.

Anerkennungsurkunden

Robert Bosch GmbH
Die Firma Bosch hat durch die Projekte „Optimierung der Energiebereitstellung“ und „Reduzierung des Energiebedarfs“ ein ganzheitliches Energiemanagementsystem im Werk Zweibrückener Straße geschaffen.
Durch die Nutzung der Abwärme aus Kühlung, Lüftung, Produktionsmaschinen oder Kompressoren konnte der Verbrauch an fossilen Brennstoffen gesenkt werden und führte zu einer CO2-Reduzierung von circa 1 835 Tonnen pro Jahr. Durch die Optimierung der vorhandenen Maschinen mit neuen Pumpen konnten 1 085 Tonnen CO2 eingespart werden.

Partyservice Wahler GmbH
Das Unternehmen Wahler betreibt seit dem Umbau und der Erweiterung des Betriebsgebäudes in der Leyherstraße zwei Block-Heizkraftwerke. Seit der Inbetriebnahme 2007 wurden hiermit 156 762 Kilowattstunden Strom und 445 613 Kilowattstunden Wärme erzeugt. Daneben wurde die bestehende Beleuchtung im Februar 2012 auf LED-Technik umgestellt. Hierdurch ergibt sich eine Stromeinsparung von 40 292 Kilowattstunden.

Dr. Burkhard Schulze Darup (Architekt)
Burkhard Schulze Darup ist der Passivhaus-Architekt in Nürnberg und der Region und hat zahlreiche Neubauten, energetische Gutachten und Projektbegleitungen realisiert. Bereits seit 1987 führt Schulze Darup Sanierungs- und Neubauprojekte im Bereich des umweltverträglichen und energiesparenden Bauens durch, ausgehend von der Niedrigenergiebauweise mit zunehmender Entwicklung zur Passivbauweise. Zudem erstellt er Energiekonzepte und Energiegut-achten, konzipiert Fortbildungen, hält Vorträge zum umweltverträglichen und energiesparenden Bauen und war viele Jahre im Projekt „Passivhaus“ der Nürnberger Agenda 21 aktiv. Außerdem wirkt er bei der EnergieRegion Nürnberg, im Bereich Bauen und Energie, mit. let

 

 

 

 

 

 

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