Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 788 / 17.07.2015

Erneuerung der Hafenbrücken

Drei korrosionsgefährdete Spannbetonbrücken im Nürnberger Hafengebiet müssen abgerissen und neu gebaut werden. Das ist das Ergebnis einer gutachterlichen Prüfung, die den drei sogenannten spannungsriss-korrosionsgefährdeten Spannbetonbrücken nur noch eine zeitlich begrenzte Nutzungsperspektive einräumt. Sie stellen ein verkehrstechnisches und wirtschaftliches Gefahrenpotenzial dar und müssen schnellstmöglich ersetzt werden, da Einschränkungen des Verkehrs bei einer weiteren Verschlechterung des Bauwerkszustands nicht ausgeschlossen werden können.

Die drei betroffenen Brücken:

·         Frankenschnellweg (FSW) über den Main-Donau-Kanal und die Südwesttangente

·         Hafenstraße über die Südwesttangente (SWT)

·         Hafenstraße über den Main-Donau-Kanal (MDK)

„Die Brücken haben für die Nürnberger Infrastruktur, die gesamte Metropolregion und insbesondere den Hafen eine hohe Bedeutung. Ein zügiges und geordnetes Vorgehen zum Ersatz dieser Bauwerke zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit und der Bewältigung des Verkehrsaufkommens im Nürnberger Süden ist daher notwendig“, sagte Bürgermeister Christian Vogel am Freitag, 17. Juli 2015, auf einer Pressekonferenz.

Gemäß der vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (Sör) in Auftrag gegebenen Gutachten ist die Instandsetzung der Bestandsbrücken aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht zielführend. Somit sind Ersatzneubauten erforderlich.

Die bis dahin vom Gutachter empfohlenen Sofortmaßnahmen wurden bereits umgesetzt. Dabei handelt es sich um eine Sperrung der Brücken für den genehmigungspflichtigen Schwerverkehr, die intensive Risskontrolle mit jährlicher Wiederholung sowie eine Beschränkung der zulässigen Geschwindigkeit auf maximal 60 Kilometer pro Stunde.

Bei einer zweistufigen Projektstudie sollten von einem extern beauftragten Fachbüro verschiedene Lösungswege untersucht und aufgezeigt werden, wie ein Ersatzneubau dieser Bauwerke unter Berücksichtigung der aktuellen und zukünftigen Verkehrssituation bedarfsgerecht, wirtschaftlich und terminsicher umgesetzt werden kann.

Das Hauptziel der Projektstudie war die systematische Erarbeitung einer Vorzugsvariante zur Erneuerung der drei rissgefährdeten Brücken im Hafengebiet in bautechnischer und organisatorischer Hinsicht unter Berücksichtigung folgender Hauptkriterien:

·         Minimierung des Risikopotenzials durch möglichst schnellen Rückbau der Brücken,

·         Ausarbeitung von möglichst verkehrs- und umweltverträglichen Lösungen während der Bauzeit und im Endausbauzustand sowie

·         Optimierung der erforderlichen Investitionskosten.

In einer freien Herangehensweise wurden unter Berücksichtigung verschiedener Einflussgrößen und Rahmenbedingungen (verkehrlich, baulich/technisch und wirtschaftlich) Varianten für den Rück- und Neubau der Hafenbrücken entwickelt. Diese wurden nach ingenieurmäßigem Ermessen der beteiligten Fachexperten weiterverfolgt und tiefergehend untersucht. Dabei wurden mehr als 20 Varianten betrachtet.

Für die einzelnen Varianten wurden individuelle Bauabläufe für den Rückbau, den Ersatzneubau sowie gegebenenfalls für temporäre Bauwerke (wie Behelfsbrücken) in unterschiedlicher Bearbeitungstiefe konzipiert. Die Untersuchungen waren nicht auf die Einzelbauwerke beschränkt, sondern umfassten einen erweiterten Planungsumgriff. Es wurden neben einem Verkehrsmodell (Projektname DIVAN, „Datenbasis für Intermodale Verkehrsuntersuchungen und Auswertungen im Großraum Nürnberg“) die geplanten und bereits beschlossenen Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen der Stadt Nürnberg und die anderer Baulastträger zugrunde gelegt.

Die möglichen Varianten wurden anhand einer Wertungsmatrix beurteilt. Die Bewertungskriterien (Risiken, Verkehr, Umwelt und Dritte, Kostenprognose) einschließlich deren Gewichtung auf Grundlage der Zielsetzungen wurden mit allen Beteiligten abgestimmt und einvernehmlich festgelegt. Eine Variante stellte sich als die zielführendste Lösung heraus. Diese Variante sieht einen parallelen Rück- und Neubau der drei schadhaften Brückenbauwerke mit Nutzung von Behelfsbrücken vor. Die Bauablauffolge umfasst grundsätzlich die Errichtung von Behelfsbrücken neben den Bestandsbrücken, den anschließenden Rückbau der Bestandsbrücken und den nachfolgenden Neubau.

Bei den Behelfsbrücken handelt es sich um zeitlich begrenzt genutzte und in modulbauweise hergestellte Brückenbauwerke zur Aufrechthaltung von Verkehrsverbindungen während bestimmter Bauphasen. Sie werden, sobald der Verkehr über die neuen Brücken abgewickelt werden kann, wieder zurückgebaut. Diese Variante ermöglicht den Abriss der schadhaften Brückenbauwerke. Zudem ist dies die zeitlich schnellste und volkswirtschaftlich günstigste Variante. Aufgrund der Nutzung der Behelfsbrücken sind die verkehrstechnischen Auswirkungen und die Beeinträchtigungen auf das Umfeld am Verträglichsten.

Umweltbelange und Belange Dritter (zum Beispiel des Hafens Nürnberg, der Feuerwache 4, der Autobahndirektion Nordbayern, des Staatlichen Bauamts sowie des Wasser- und Schifffahrtsamts Nürnberg) wurden der Variantenentwicklung und -bewertung zu Grunde gelegt. Auch die verkehrstechnischen Wechselwirkungen mit dem Großprojekt Frankenschnellweg wurden berücksichtigt.

Für die Auslegung des Endzustands können gemäß den bisherigen Ergebnissen der Projektarbeit nachhaltige verkehrliche Verbesserungen erzielt werden. So kann das Brückenbauwerk FSW künftig von sechs auf vier Fahrstreifen reduziert werden, was die Projekt- und Folgekosten für Erhaltung und Betrieb erheblich reduziert. Die neue Bauwerksdimensionierung der Hafenstraßenbrücke über die Südwesttangente ermöglicht zudem die optionale Integration einer künftigen Straßenbahntrasse nach Kornburg. Darüber hinaus werden die Brückenbauwerke über die Südwesttangente so dimensioniert, dass ein optionaler sechsspuriger Ausbau der A73 zu einem späteren Zeitpunkt ohne nachträgliche Anpassungen realisiert werden könnte.

Gemäß den bisherigen Untersuchungen könnte mit der Errichtung der Behelfsbrücken 2019 begonnen werden. Bis voraussichtlich Ende 2020 wäre gemäß dem derzeitigen Konzept der Rückbau aller schadhaften Bestandsbrücken abgeschlossen. Aufgrund der unterschiedlichen Brückengrößen sind die Bauwerke der Hafenstraße über die Südwesttangente und den Main-Donau-Kanal vor dem Brückenbauwerk des Frankenschnellwegs fertiggestellt. Der endgültige Abschluss der Arbeiten wird für das Jahr 2023 prognostiziert.

„Die innerstädtische Lage und die große Bedeutung dieser Brücken für den Verkehr erfordern sehr gut ausgearbeitete und abgestimmte Umleitungs- und Bauablaufkonzepte. Im Hinblick auf die dann verlagerten Lkw- und Pkw-Verkehre sind Anpassungen von Kreuzungen und Ampelanlagen im weiteren Umgriff der bestehenden Brückenbauwerke erforderlich“, betonte Baureferent Daniel F. Ulrich auf der Pressekonferenz. Die große Spannweite der Brücken und die Besonderheiten im Zusammenhang mit dem Main-Donau-Kanal erfordern zudem eine gut ausgearbeitete Planung und Ausführungsvorbereitung.

Die Projektkosten wurden auf Grundlage der bisherigen Untersuchungen mit rund 137 Millionen Euro prognostiziert. Etwaige Folgekosten für Lärmschutz, Ausgleichsflächen sowie stadtinterne Projektkosten und der Baupreisindex bis Baubeginn sind hierbei noch nicht berücksichtigt.

Nach der anstehenden Entscheidung durch den Nürnberger Stadtrat über die verschiedenen Varianten am Mittwoch, 29. Juli 2015, werden mögliche Modelle der Projektorganisation mit fachlichen Beratern und dem Organisationsamt der Stadt Nürnberg diskutiert und bewertet. Ziel ist ein schnellstmöglicher Projektbeginn mit der Ausschreibung von Planer- und Gutachterleistungen ab Anfang 2016.    tom

 

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