Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 1166 / 16.10.2015

Ausstellung zum NS-Reichsparteitagsgelände

Die Ausstellung „Das Gelände – Dokumentation. Perspektiven. Diskussion.“ widmet sich der Geschichte des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg nach 1945. Beispiele zum Umgang mit NS-Großbauten andernorts in der Bundesrepublik sowie eine schlaglichtartige Betrachtung der öffentlichen Diskussion bieten einen erweiterten Blick auf den historischen Ort und eröffnen so neue Denkräume. „Das Gelände“ ist vom 19. Oktober 2015 bis 13. März 2016 im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg zu sehen.

Von 1933 bis 1938 hielten die Nationalsozialisten auf einem eigens dafür angelegten Areal im Südosten Nürnbergs ihre Reichsparteitage ab – die Höhepunkte der NS-Propaganda. Mit der größten noch existierenden architektonischen Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten ist das Reichsparteitagsgelände mit dem Zeppelinfeld und der Zeppelintribüne bis heute kein gewöhnlicher Ort. Ab 1945 hat „Das Gelände“ eine zweite Geschichte: Das Areal mit verlassenen Aufmarschflächen und großen Baustellen bietet für unterschiedlichste Vorhaben Raum, widersetzt sich aber gleichzeitig einer einfachen Aneignung. Die nationalsozialistische Vergangenheit steht vielen Nutzungswünschen diametral entgegen. Es gibt in Deutschland keinen Stadtraum, bei dem man in so spannender Weise beobachten kann, wie Geschichtskultur und kommerzielle Interessen, Naturschutz und Verkehr, Politik, Sport und Kunst interagieren. Der Umgang mit den Bauten auf dem Gelände wird von jeder Generation neu diskutiert.

Die Ausstellung dokumentiert anhand zahlreicher Objekte diese zweite Geschichte des Geländes nach 1945. Das Areal als Austragungsort des Norisringrennens mit dem einzigen Stadtkurs der DTM bilden Rennsportplakate und ein Seitenwagengespann aus dem Jahr 1954 ab.

Ein als Schwan gestaltetes Tretboot, das während der Sommermonate auf dem Dutzendteich im Einsatz ist, symbolisiert die große Bedeutung des Geländes für Naherholung und Freizeitgestaltung. American Football wird heute dort gespielt, wo einst Massen stramm standen. 1978 gibt Bob Dylan auf dem Zeppelinfeld ein Konzert und spricht vor dem Stück „Masters of War“ die Worte „What a pleasure to play it in this place“, in der Ausstellung nach zu verfolgen an einer Hörstation.

Wie konträr der Umgang mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände etwa Anfang der 1960er Jahre diskutiert wurde, zeigen drei Beispiele: Der 1960 gedrehte Dokumentarfilm „Brutalität in Stein“ von Alexander Kluge und Peter Schamoni greift dem Grundgedanken der später von der Stadt Nürnberg realisierten Ausstellung „Faszination und Gewalt“ vor und thematisiert das Monströse der keineswegs harmlosen NS-Architektur. Als eine Gruppe junger Architekten den Vorschlag macht, das dem römischen Kolosseum nachempfundene Bauwerk einzureißen und mit einem Hügel zu überwölben, stellt das städtische Hochbauamt zur gleichen Zeit Überlegungen an, den Torso der Kongresshalle zu vollenden.

Ein Steinbrocken aus dem Schutt der 1967 gesprengten Säulenhalle der Zeppelintribüne und jüngst entnommene Bohrkerne demonstrieren den schlechten baulichen Zustand der nationalsozialistischen Hinterlassenschaften und führen zur Sicherung des Bestands, die die Stadt derzeit an einigen Musterflächen vornimmt.

„Das Gelände ist seit über 50 Jahren Heimat für viele verschiedene Nutzungen. Diese ganz eigene Qualität sollten wir erhalten“, sagt Ausstellungskurator Dr. Alexander Schmidt. Ein raumhohes, als Kubus gestaltetes Baugerüst bildet den Ausstellungsraum. Es steht für den Baustellencharakter der Thematik und soll die Offenheit und Transparenz verdeutlichen, mit der sich der Denkprozess über die unterschiedlichen Lösungen für das Gelände entwickeln kann. Auch die Besucherinnen und Besucher können das Meinungsbild interaktiv mitgestalten. Eine mediale Projektion zeigt Perspektiven zum künftigen „ErfahrungsRaum“ auf. alf

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Stadt Nürnberg

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Leitung: Dr. Siegfried Zelnhefer

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