Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 340 / 03.04.2018

Trauer um Erich Ude

Erich Ude, Schauspieler und Träger der Bürgermedaille der Stadt Nürnberg, ist am 25. März 2018 im Alter von 87 Jahren gestorben. „Erich Ude war nicht nur ein begnadeter Schauspieler und Sprecher, der mit seinem jahrzehntelangen Wirken am Schauspielhaus Nürnberger Kulturgeschichte mitschrieb, sondern auch einer der herausragenden Repräsentanten zivilgesellschaftlichen Engagements in unserer Stadt“, sagt Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. „Wir werden ihn als großartigen Künstler, engagierten Gewerkschafter und aufrechten Kämpfer gegen den Rechtsextremismus in ehrender Erinnerung behalten. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie.“

Erich Ude, geboren am 3. Januar 1931 in Hannover, war seit 1959 Mitglied des Nürnberger Schauspiels, an dem er 38 Jahre lang wirkte. Für ihn war das Theater eher moralische Anstalt als Musentempel, war die Arbeit mit dem Publikum eher Sendung als Selbstdarstellung. So ist es das Verdienst seiner darstellerischen Präsenz, dass den Nürnbergern auch selten gespielte Autoren wie Dieter Forte oder Franz Fühmann in guter Erinnerung geblieben sind. Gleichzeitig ließ sich an seinem Wirken am Nürnberger Schauspielhaus nachvollziehen, was den besonderen Charme eines Stadttheaters ausmacht: die große Treue von Ensemble und Publikum. Wer Erich Ude während der Schulplatzmiete als jungen Springinsfeld in Strumpfhose und Puffärmeln kennengelernt hatte, der konnte viele Jahre später einem gereiften Charakterdarsteller wiederbegegnen. In Erich Udes Entwicklung spiegelten sich immer auch die Biographien seiner Zuschauer wider. Auch deshalb wurde Erich Ude 1997 zum Ehrenmitglied der städtischen Bühnen ernannt.

Als langjähriger Personalratsvorsitzender der Städtischen Bühnen war Erich Ude auch mit den Sachzwängen hinter den Kulissen vertraut. Die Folgen so mancher Sparrunde hat er für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abfedern können. Erich Ude fiel dieser Einsatz leicht, weil er Gewerkschafter aus Leidenschaft war. Lange Jahre vertrat er die kleine Gewerkschaft Kunst im Kreisvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Später engagierte er sich bei der Integration der Künstler in die IG Medien, bis diese schließlich in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di aufging.

Unbeirrt ließ sich Erich Ude von der Überzeugung leiten, dass das Theater kein Reservat des Bildungsbürgertums bleiben, sondern sich immer auch den Bedürfnissen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer öffnen müsse. Ausdruck dieses Bemühens war die Gründung der Volksbühne Nürnberg e.V., die auf eine Initiative Erich Udes zurückgeht.

Erich Udes sonore Stimme gehört zum unverwechselbaren Sound dieser Stadt. So lieh er über 30 Jahre lang dem Krippenspiel beim Laternenumzug der Nürnberger Volksschulen seine Stimme. Sie ist in zahlreichen Tonbeispielen dokumentiert, die heute zum Sammlungsbestand der Nürnberger Museen gehören.

Darüber hinaus hat sich Erich Ude zahlreichen Initiativen, die sich für den sozialen Ausgleich, für eine gerechte Weltordnung oder für das friedliche Zusammenleben der Völker engagieren, als Sprecher und Rezitator zur Verfügung gestellt. Das gilt nicht zuletzt für die offensive Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus, die Erich Ude ein Herzensanliegen war. 2011 zeichnete die Stadt Nürnberg Erich Ude mit der Bürgermedaille aus. alf

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