Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 1196 / 20.11.2018

Informationssystem zur Rathausgeschichte in der umgebauten Ehrenhalle

Das Nürnberger Rathaus wird zum modernen Veranstaltungsort und bietet erstmals historische Informationen. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich und Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner eröffneten am Dienstag, 20. November 2018, in der Ehrenhalle des Rathauses Wolffscher Bau Hands-on-Informationsinseln, die die Geschichte des Nürnberger Rathauses erlebbar machen. Zugleich übergaben sie die neu gestaltete Ehrenhalle sowie den technisch modernisierten und nun barrierefrei zugänglichen Historischen Rathaussaal der Öffentlichkeit. Das historische Informationssystem kann ab sofort kostenfrei während der Öffnungszeiten des Rathauses am Rathausplatz 2 besucht werden. Neu ist auch eine mehrsprachige Audio-Guide-Führung durch die Historischen Lochgefängnisse.

Da Ehrenhalle und Historischer Rathaussaal weiterhin in vollem Umfang für Veranstaltungen genutzt und vermietet werden, wurde die Information zur Rathausgeschichte mobil gestaltet. Das Gestaltungsbüro Space4 Architekten GmbH, Stuttgart, schuf eine dreidimensionale Zeitreise in drei Stationen, die Besucherinnen und Besucher mit und ohne Vorkenntnisse selber entdecken können. Versteckt hinter Schubladen, aufklappbaren Elementen und drehbaren Kurbeln erfährt der Gast spannende Geschichten über Nürnbergs große wechselvolle Vergangenheit, erzählt durch kurze Texte in Deutsch und Englisch sowie historisches Bildmaterial.

Zwei Stationen sind dabei als große Modelle gestaltet. Die erste Station visualisiert die Einbettung des Rathauses in die sogenannte „via triumphalis“, der einstigen Prachtstraße der Kaisereinzüge und heutigen Touristenmeile vom Hauptmarkt über Sebalduskirche und Fembo-Haus hinauf zur Kaiserburg. Verbindendes Element sind biographische Eckdaten des bedeutendsten Künstlers der Stadt, Albrecht Dürer, etwa wie und wo er getauft wurde und wo sich seine erste Lehrstelle befand.

Die zweite Station stellt das Rathaus in den Fokus. Im Historischen Rathaussaal, diesem größten Saal nördlich der Alpen, tagte der Rat der Stadt, hielt Gericht und huldigte dem kaiserlichen Stadtherrn. Hier fand auch das weltgeschichtlich bedeutende Friedensmahl statt, mit dem 1649 der Abschluss der Friedensverhandlungen nach dem Dreißigjährigen Krieg gefeiert wurden. Die Gewölbe unter dem Rathaussaal waren im Spätmittelalter ein Einkaufparadies für jene, die sich Luxus leisten konnten. Agnes und Albrecht Dürer sowie Dürers Vater, der Goldschmied war, boten Grafiken und Goldschmuck an.

Die dritte Station widmet sich der Bemalung und Ausstattung des Historischen Rathaussaals durch Albrecht Dürer. In fünf Kurzfilmen wird leicht augenzwinkernd die komplizierte Thematik der originalen Bemalung aus Dürers Werkstatt, deren nachfolgender Veränderungen, Ergänzungen und Übermalungen sowie diskutierter möglicher Neuausmalungen vermittelt.

Hintergrund dieser Maßnahmen ist der Bürgerentscheid zur Ausmalung des Rathaussaals, der der Veranstaltung „Dürers Triumphzug“ des Kulturreferats folgte. Die Projektion erzählte 2012 die Geschichte der Wandmalereien auf der Nordwand des Rathaussaals und löste eine Diskussion darüber aus, ob eine Neuausmalung im Sinne Dürers machbar und wünschenswert wäre. In der Abstimmung am 25. Mai 2014 votierten 68 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gegen eine Ausmalung und damit für den Einbau einer historischen Informationseinheit.

Der Eintritt zum Informationssystem ist frei und während der Öffnungszeiten des Rathauses möglich: Samstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr (Einschränkungen bei Veranstaltungen).

Neue Audioführung durch die Lochgefängnisse
Ein von den Museen der Stadt Nürnberg erarbeiteter und von Die Informationsgesellschaft mbH/Bremen produzierter Medienguide führt die Besucherinnen und Besucher in den ältesten Teil des Rathauses aus dem 14. Jahrhundert: in das sogernannte Loch, das vor allem Untersuchungsgefangenen und Todeskandidaten vorbehalten war. Die Rundgänge beginnen täglich (außer Januar und Februar) um 11, 12, 13, 14 und 15 Uhr und dauern etwa 30 Minuten. Der Medienguide ist verfügbar in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch sowie in Leichter Sprache. Der Eingang zu den Lochgefängnissen erfolgt über die Ehrenhalle des Rathauses, Rathausplatz 2. Der Eintritt kostet 4 Euro. Für Gruppen können weiterhin 60-minütige Sonderführungen beim Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg, Telefon 09 11 / 13 31-2 41, E-Mail schulen@kpz-nuernberg.de, gebucht werden.
Baulich-technische Modernisierung

Das städtische Hochbauamt hat im Rathaus Wolffscher Bau die Modernisierung der Ehrenhalle mit Teilen des Historischen Rathaussaales, insbesondere mit der Errichtung eines neuen Cateringbereichs und dem Abbau baulicher Barrieren, nach 18-monatiger Bauzeit im Juli 2018 abgeschlossen. Planung und Objektüberwachung lagen bei Space4 Architekten GmbH, Stuttgart, und b3 architekten, Nürnberg. Die Maßnahmen kosteten die Stadt Nürnberg rund 3 Millionen Euro, wobei die Regierung von Mittelfranken für den Abbau baulicher Barrieren Fördermittel des Bundes in Höhe von rund 300 000 Euro bewilligte.

Um in der Ehrenhalle ein zeitgemäßes und besucherorientiertes Ausstellungskonzept zu schaffen, modernisierte das Hochbauamt die technische Infrastruktur und schuf zudem einen neuen Cateringbereich. Darüber hinaus wurde ein Informationstresen mit einer Umbauung aus einer Stahl-Glas-Konstruktion eingebaut. Im angegliederten Nebenraum der Ehrenhalle ist eine Garderobe für Besucherinnen und Besucher aus faltbaren Trennelementen eingerichtet. Der Historische Rathaussaal wurde barrierefrei zugänglich gemacht. Teile des Saals wurden technisch auf den aktuellen Stand gebracht. Für Saalnutzungen mit Netzwerkanbindungen und WLAN wurden verschiedene Zugangspunkte eingebaut. Moderne LED-Leuchtmittel reduzieren den Energieverbrauch und leuchten den historischen Saal optimal aus. Dies erfolgte sehr eng in Abstimmung mit den Belangen des Denkmalschutzes. alf

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