Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 640 / 24.06.2019

Wasserrad-Werkstatt auf dem Erfahrungsfeld

Am Samstag, 29. Juni, von 14 bis 17 Uhr und Sonntag, 30. Juni, von 12 bis 17 Uhr begeben sich Gäste des Erfahrungsfelds zur Entfaltung der Sinne in Nürnberg auf die Spuren einer alten Handwerkskunst – dem Wasserradbau. Der Eintritt ist im Preis des Erfahrungsfelds inbegriffen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In der Wasserrad-Werkstatt stellen zwei Wasserbauer der Nürnberger Flussmeisterstelle alte Handwerkszeuge zur Holzbearbeitung vor. Sie zeigen Arbeitsschritte, die zum Bau eines aus über 800 Einzelteilen bestehenden Schöpfrades nötig sind. Zudem beantworten sie alle Fragen rund um die Geschichte, die Bedeutung und die Technik historischer Wasserschöpfräder in der Region. Besucherinnen und Besucher probieren sich im Schnitzen von Holznägeln, Zusammenstecken eines „Kumpfs“ (Schöpfgefäß) oder Zusammenbauen eines Schöpfrads in Originalgröße aus. Jüngere Teilnehmerinnen und Teilnehmer fertigen kleine Holzschiffchen und Rindenboote mit Segeln.

Auch heute drehen sich an Pegnitz und Regnitz noch einige der gänzlich aus Holz gefertigten Wasserschöpfräder. Im Gebiet der heutigen Metropolregion Nürnberg wurden sie vor über 600 Jahren das erste Mal urkundlich erwähnt. In der Blütezeit dieser Technik, im 17. und 18. Jahrhundert, waren zur Sommerzeit bis zu 250 Schöpfräder an den hiesigen Flüssen im Einsatz. Das geförderte Wasser diente der Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen und war unverzichtbar, um die Ernährung der rasch wachsenden Bevölkerung in den Städten zu sichern. Jedes Rad hatte einen eigenen Namen, der sich auf den jeweiligen Betreiber, dessen Hausnamen oder das räumliche Umfeld der Radstatt bezog.

Im Zeitalter der Industrialisierung und mit dem daraus folgenden Einsatz moderner Pump- und Wasserkraftanlagen begann der Niedergang der Bewässerungskultur mit hölzernen Schöpfrädern, da sie ihre Wirtschaftlichkeit verloren. Der handwerkliche Auf- und Abbau und die aufwendigen Unterhaltungsarbeiten während der „Wässerzeit“ wurden zu teuer.

Seit über 30 Jahren engagiert sich das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg für den Erhalt der uralten Handwerkskunst und den Weiterbetrieb der verbliebenen 13 Schöpfräder an Pegnitz und Regnitz durch finanzielle, materielle und personelle Unterstützung. Zudem betreut es vier Wasserschöpfräder, die durch die Mitarbeiter der Flussmeisterstelle Nürnberg gebaut, unterhalten und jeweils im Frühjahr und Herbst jedes Jahres ein- und ausgehängt werden, darunter das Wasserschöpfrad bei der Satzingermühle in Nürnberg Mögeldorf und das Wasserschöpfrad am Lederersteg am Nürnberger Westbad.

So ist es möglich, das nur mündlich überlieferte handwerkliche Wissen und Können um die Kunst des Schöpfradbaus zu erhalten und an künftige Generationen weiterzugeben. maj

Stadt Nürnberg

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