Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 1162 / 07.11.2019

Sozialreferent Reiner Prölß fordert Drogenkonsumraum

Mit großer Sorge beobachtet Sozialreferent Prölß die Entwicklung der Drogentoten in Nürnberg in diesem Jahr. Er fordert die Staatsregierung auf, ihre ablehnende Haltung zu Drogenkonsumräumen aufzugeben. „Sicherlich ist es eine schwierige Abwägung von Rechtsgütern. Aber wenn es durch eine solche Einrichtung gelingen sollte, die Zahl der Drogentoten deutlich zu reduzieren, dann muss das höher gewichtet werden als ordnungspolitische Vorstellungen“, meint Prölß.

Bislang gab es in diesem Jahr 23 Drogentote in Nürnberg. Nach einem Rückgang in den letzten beiden Jahren ist damit für 2019 eine Steigerung festzustellen. Zehn Menschen sind im öffentlichen Raum verstorben, also auf einer öffentlichen Toilette, in einem Park oder auf einem Spielplatz. Eine Befragung von Konsumentinnen und Konsumenten von Drogen im Jahr 2017 durch die Drogenhilfe mudra ergab, dass etwa zwei Drittel des Konsums in der Öffentlichkeit stattfindet. Ein Drogenkonsumraum könnte laut Prölß nicht nur die Sicherheit für Abhängige erhöhen, sondern auch das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger im öffentlichen Raum steigern.

Nürnberg besitzt ein gut ausgebautes Drogenhilfesystem von Notschlafstelle, Beratungsstellen, Streetwork, Arbeitsprojekten, betreutem Wohnen, Substitutionspraxen, klinischen Entzugsstationen. Ein Drogenkonsumraum als weiterer Baustein im Suchthilfesystem fehlt bislang. „Wir wissen, dass der Drogenkonsumraum nicht das Allheilmittel ist für eine wirksame Drogenprävention und Drogenhilfe. Er ist aber ein Bestandteil für den sicheren Konsum außerhalb des öffentlichen Raums“, findet Prölß.

Die Stadtpolitik, Verwaltung und Drogenhilfe haben sich durch Anhörungen im Stadtrat, Berichte in den Fachausschüssen und diverse Runde Tische mit dem Thema ausführlich auseinandergesetzt. Drogenkonsumräume zählen in sieben Bundesländern zum Regelangebot der Drogenhilfe. „Es liegen Erfahrungen vor, die positiv zu bewerten sind, gestützt durch verschiedene wissenschaftliche Studien“, sagt Sozialreferent Prölß. Im Jahr 2015 sprach sich der Hauptausschuss der Bayerischen Bezirke für die Einrichtung von Drogenkonsumräumen in Bayern aus, Anfang Oktober 2019 folgte die Bayerische Ärztekammer. Auf kommunaler Ebene wird diese Forderung seit Jahren durch den Arbeitskreis Sucht wiederholt.

Für Nürnberg liegt ein gemeinsam beschlossenes Konzept aller lokalen Einrichtungen der Drogenhilfe vor, das sich noch in Feinabstimmung befindet. Ungeklärt ist bislang die Frage der Finanzierung. Den Vorschlag der bayerischen Ärztekammer, den Personalaufwand durch das Land zu fördern, befürwortet Prölß. boe

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