Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 901 / 15.09.2020

Das „Reichsparteitagsgelände“ geht online

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände arbeitete bereits vor Beginn der Corona-Krise daran, sein Online-Angebot beständig zu erweitern. Zwar ist das Dokumentationszentrum aktuell wieder geöffnet, wenn auch unter Auflagen. Ab dem heutigen Dienstag, 15. September 2020, laden zusätzlich gleich zwei digitale Ausstellungen auf dem innovativen Kulturportal Google Arts & Culture interessierte Nutzerinnen und Nutzer zum virtuellen Besuch ein: Die Ausstellungen beschäftigen sich mit der Historie des Reichsparteitagsgeländes und erzählen Geschichten zur Entstehung des Dokumentationszentrums. 
 
Die Veröffentlichung der digitalen Ausstellungen findet zum 85. Jahrestag der Verkündigung der Nürnberger Gesetze am 15. September 1935 statt. Die Dauerausstellung des Dokumentationszentrums informiert über deren Inhalt und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben haben.  
 
Mit zahlreichen Bildern und Dokumenten vermittelt die virtuelle Ausstellung „Das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg“ über die Jahrzehnte hinweg bis in die Gegenwart einen vertieften Einblick in die Geschichte des Geländes. Bevor die Nationalsozialisten mit den Bauarbeiten für das Reichsparteitagsgelände begannen, war das Areal rund um den Dutzendteich ein beliebtes Naherholungsgebiet. Ab 1933 wurde diese Idylle zunehmend zerstört: Nach den Plänen des Architekten Albert Speer sollten auf einer Fläche von rund elf Quadratkilometern imposante Monumentalbauten für die Inszenierung der Reichsparteitage entstehen. Zwischen 1933 und 1938 fanden dort jährlich einwöchige Propagandaveranstaltungen mit bis zu einer Million Menschen statt. Während des Kriegs gab es auf dem Areal Lager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, Tausende kamen dort ums Leben. Nach 1945 ist der Umgang mit dem Gelände exemplarisch für die bundesdeutsche Erinnerungskultur.  
 
Die zweite Online-Ausstellung, „Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“, stellt das Dokumentationszentrum als einen etablierten Ort der Erinnerungslandschaft vor: Sie beginnt bei den Anfängen der Erinnerungsarbeit auf dem Gelände in den 1960er und 1980er Jahren, als ein Filmprojekt von Alexander Kluge sowie erste Ausstellungsversuche in der Zeppelintribüne erstmals den historischen Ort in den Fokus nahmen, und führt bis hin zur Eröffnung des Dokumentationszentrums im Jahr 2001. Bilder und Modelle verdeutlichen das architektonische und inhaltliche Konzept des Hauses und rufen vergangene Ausstellungsprojekte in Erinnerung. 
 
In Corona-Zeiten sowie angesichts der anstehenden großen Umbaumaßnahmen des Dokumentationszentrums ermöglichen die digitalen Ausstellungen des Dokumentationszentrums zumindest virtuell die Beschäftigung mit der Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Aufarbeitung in Nürnberg. Zeitnah wird es zudem möglich sein, sich mit Google Street View durch die Dauerausstellung des Dokumentationszentrums zu bewegen und so Menschen, die das Haus nicht selbst besuchen können, einen Eindruck der besonderen Architektur und Atmosphäre der Einrichtung zu geben. 
 
Die digitalen Ausstellungen des auch international renommierten Dokumentationszentrums sind ein wichtiger Baustein, der den Gesamtauftritt der Museen der Stadt Nürnberg auf der weltweit von vielen Museen und Kultureinrichtungen genutzten Plattform Google Arts & Culture ergänzt. Die Arbeiten zu den beiden Online-Ausstellungen begannen bereits Mitte des vergangenen Jahres. Neben der Erstellung einer inhaltlichen Struktur sowie der Formulierung von zielgenauen Texten ist insbesondere die Auswahl von hochauflösenden historischen Bildern sowie die Klärung der Bildrechte extrem zeitaufwendig. 
 
Mit Google Arts & Culture stellt Google eine professionell gemachte, hochattraktive Plattform für Kultureinrichtungen kostenfrei zur Verfügung und unterstützt sie darin, für ein internationales Publikum sichtbarer zu werden. Wer möchte, kann hier einen täglich neuen digitalen Spaziergang durch die Kulturen der Welt unternehmen, entweder über die Webseite oder über die kostenlose App (iOS oder Android). Aus dem Verbund der Museen der Stadt Nürnberg sind neben dem Dokumentationszentrum das Museum Industriekultur, die Kunstsammlungen sowie das Deutsche Spielearchiv zu finden. Das Portfolio wird auch künftig laufend erweitert. 
 
Unter nachstehendem Link sind die Ausstellungen des Dokumentationszentrums bei Google Arts & Culture zu finden: https://artsandculture.google.com/partner/documentation-center-nazi-party-rally-grounds 
 
Eine Übersicht zu weiteren Online-Angeboten der Museen der Stadt Nürnberg gibt es unter:  https://museen.nuernberg.de/angebote/digitales-angebot/ 

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