Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 998 / 08.10.2020

75. Jahrestag des Beginns der Nürnberger Prozesse

Am 20. November 2020 jährt sich der Beginn der Nürnberger Prozesse zum 75. Mal. Zeitgleich feiert das Memorium Nürnberger Prozesse der Stadt Nürnberg sein zehnjähriges Bestehen. Anlässlich der beiden Jahrestage nähern sich mehrere Projekte und Veranstaltungen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln dem historischen Ereignis. Aufgrund der Corona-Pandemie finden sie hauptsächlich im digitalen Raum statt.
 
Am 20. November 1945 mussten sich erstmals in der Weltgeschichte führende Repräsentanten eines Staats für ihre Verbrechen vor einem internationalen Gericht verantworten. An diesem Tag eröffnete der „Hauptkriegsverbrecherprozess“ gegen 24 ranghohe Vertreter des NSStaats im Saal 600 des Nürnberger Justizpalasts. Das Militärgericht setzte sich aus Vertretern der vier alliierten Mächte – USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich – zusammen. Der „Jahrhundertprozess“ dauerte ein knappes Jahr bis zum 1. Oktober 1946 und endete mit zwölf Todesurteilen, drei lebenslangen sowie vier langjährigen Freiheitsstrafen und drei Freisprüchen.
 
Das Memorium Nürnberger Prozesse, eine Einrichtung der Museen der Stadt Nürnberg, informiert am historischen Ort über das Gerichtsverfahren, erweitert seinen Fokus aber auch auf die 1946 bis 1949 durchgeführten „Nürnberger Nachfolgeprozesse“ sowie deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Völkerstrafrechts bis heute. Im Frühjahr 2020 wurde der historische Schwurgerichtssaal, in dem der Prozess stattfand, von der Nürnberger Justiz als Verhandlungsort aufgegeben. Dies gewährleistet eine bessere Zugänglichkeit für die internationalen Besucherinnen und Besucher, heißt aber auch, dass dem Saal 600 noch weit mehr Bedeutung als Erinnerungsort zukommt. Er ist zum ersten Mal von seinem ursprünglichen Zweck entkoppelt und gewissermaßen als Erinnerungsort neu eröffnet.

 
Festakt im historischen Saal 600 Freitag,
20. November 2020, 19 Uhr


Mit einem Festakt im Schwurgerichtssaal, dem historischen Ort der Nürnberger Prozesse, begeht die Stadt Nürnberg den 75. Jahrestag des Beginns der Nürnberger Prozesse. Ehrengast des Abends ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
 
Aufgrund der aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln kann die Veranstaltung nicht öffentlich stattfinden. Sie wird jedoch durch den Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix via Livestream übertragen und anschließend auch im Fernsehen auf Phoenix ausgestrahlt.


Festschrift „‘That four great nations …‘ 75 Jahre Nürnberger Prozess –
75 years Nuremberg Trial“


Zum Jahrestag gibt das Memorium Nürnberger Prozesse eine Festschrift heraus: Autorinnen und Autoren aus den vier alliierten Staaten und Deutschland nähern sich mit verschiedenen Interessenschwerpunkten und aus unterschiedlicher fachlicher Richtung dem historischen Ereignis. Der Sammelband versteht sich nicht als wissenschaftliche Publikation, gleichwohl regen die Beiträge vor dem Hintergrund langwieriger Beschäftigung mit dem Thema neue Sichtweisen und Erkenntnisse an: Im Fokus stehen der Nürnberger „Hauptkriegsverbrecherprozess“ als bedeutende Leistung des Multilateralismus sowie als Ort der internationalen Begegnung und das Potential der historischen Stätte als weltweit bedeutender Erinnerungs- und Lernort. Die reich bebilderte Publikation erscheint zweisprachig in Deutsch und Englisch im November 2020 im Michael Imhof Verlag.
 

Ausstellungsprojekt im Cube 600
„Gesprayt! Ein Projekt von Schülerinnen und Schülern zum
75. Jahrestag der Nürnberger Prozesse“
25. November bis 31. Dezember 2020


Schülerinnen und Schüler der Scharrer-Mittelschule beschäftigen sich mit den Fragen, wie aktuell die Nürnberger Prozesse 75 Jahre nach ihrer Eröffnung heute noch sind und welche Bedeutung sie für sie persönlich haben. In einem Workshop mit Carlos Lorente von der Graffiti Akademie Style Scouts werden die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen in Graffitis „übersetzt“ und auf Leinwände gesprüht.
 
Im Cube 600, einer ehemaligen Werkshalle gegenüber des Memoriums Nürnberger Prozesse, werden zukünftig Wechsel- und Wanderausstellungen gezeigt. Die Graffitis sind vom 25. bis 29. November 2020 täglich von 10 bis 18 Uhr, im Dezember donnerstags und samstags von 10 bis 18 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist frei.


Digitaler Poetry Slam
„Wortstark – Ein Poetry Slam zum 75. Jahrestag der
Nürnberger Prozesse“
Donnerstag, 26. November 2020, 19.30 Uhr


Fünf Künstlerinnen und Künstler tragen nach den Regeln eines Poetry Slams ihre Gedanken und Gedichte zum Thema „75 Jahre Nürnberger Prozesse“ vor. Die Texte behandeln historische Themen bis hin zu aktuellen Fragen und beschäftigen sich auch damit, welche Bedeutung und Aktualität die Nürnberger Prozesse heute noch haben. Es moderiert Michael Jakob, Stamm-Moderator der Poetry Slams in Ansbach, Bayreuth, Fürth und Nürnberg.
 
Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen findet die Veranstaltung rein digital statt und wird live auf Youtube gestreamt. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Der Poetry Slam ist kostenfrei.


Digitale Buchvorstellung und Lesung mit Philippe Sands
„Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht“
Donnerstag, 3. Dezember 2020, 19 Uhr


In einer digitalen Buchvorstellung präsentiert der britische Jurist und Autor Philippe Sands seine neue Publikation. In „Die Rattenlinie“ erzählt der praktizierende Völkerrechtler und Rechtswissenschaftler die Geschichte des SS-Offiziers Otto Wächter. Wächter war ab 1939 NS-Gouverneur von Krakau und ab 1942 von Galizien. Nach 1945 wurde er von den Alliierten  Seite 4 von 4
 
 
als mutmaßlicher Kriegsverbrecher gesucht, ihm gelang jedoch die Flucht. Die Geschichte ist eng mit den Nürnberger Prozessen verbunden: Im Vorfeld der Prozesse musste man sich auf die Angeklagten verständigen – viele Gesuchte konnten aber weder ausfindig gemacht noch vor Gericht gestellt werden. Gerade die „Nichtangeklagten“ von Nürnberg sind bis heute ein wenig beleuchteter Aspekt.
 
Die Buchvorstellung erfolgt in englischer Sprache, ausgewählte Passagen werden auf Deutsch vorgetragen. Sie findet ausschließlich digital über den Besprechungsdienst „Zoom“ statt. Eine Registrierung bei „Zoom“ oder ein Herunterladen der App sind nicht nötig. Zur Teilnahme ist eine EMail-Adresse erforderlich sowie eine Anmeldung per E-Mail an memorium@stadt.nuernberg.de. Die Teilnehmenden erhalten einen Link, um der Veranstaltung beizutreten. Die Buchvorstellung ist kostenfrei.    alf

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