Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 1004 / 09.10.2020

650 Jahre Stadtbibliothek: Projekte für die literarische Roadshow ausgewählt

Im Sommer hatten Nürnberger Kreative die Möglichkeit, sich an einem Open Call der Nürnberger Koordinierungsstelle für Literatur zu beteiligen. Für die literarische Roadshow „Worte. Leben. Stadtgesellschaft.“, die ab November 2020 zum 650-jährigen Jubiläum der Stadtbibliothek stattfindet, wurden vielfältige Veranstaltungsideen gesucht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie ihre Formate und Aktionen wurden nun von einer Jury ausgewählt. Die Roadshow wird aktuell in Absprache mit den Akteurinnen und Akteuren zusammengestellt und startet voraussichtlich Anfang November 2020. Alle Informationen sind anschließend unter www.650jahre-stadtbibliothek.nuernberg.de zu finden. Die Veranstaltungen finden an unterschiedlichen Orten bei freiem Eintritt zu den jeweils geltenden Hygienebestimmungen statt.  
 
Die ausgewählten Projekte der literarischen Roadshow 
• Oliver Heß: „Typografisches Fundbüro“ Der Künstler Oliver Heß setzt sich mit einzelnen Buchstaben auseinander, von denen jeder bis vor der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert ein Unikat war. Er sammelt gefundene Buchstaben und gibt ihnen in seinem „Typografischen Fundbüro“ ihr Eigenleben zurück. Besucherinnen und Besucher können sich bei der Buchstabensuche im urbanen Raum beteiligen und gefundene Stücke abgeben, archivieren und ausstellen lassen.  
 
• Dr. Norbert Autenrieth und Michael Lösel: „Das entwendete Buch – im Labyrinth der Literatur“ Die beiden Autoren laden zu einer poetisch-theatralischen Lesung rund um den bibliophilen Büchersammler Norbert Martin ein. Dieser wird aus Versehen nachts in der Stadtbibliothek eingesperrt, wo ihm der ehemalige Bibliotheksdirektor Friedrich Bock und der frühere Archivdirektor Ernst Mummenhoff begegnen und über den Sinn und Zweck einer Stadtbibliothek in heftigen Streit geraten.
 
• Karl-Bröger-Gesellschaft / Heinz Haffki / Rote Galerie: „Abdruck des Koberger-Denkmals – Schedelsche Weltchronik zum Mitnehmen“ Um Nürnbergs Geschichte als Bücherstadt geht es bei einer Tagesaktion des Druckers Heinz Haffiki. Dieser wird am Kobergerplatz Unikate des dortigen Denkmals der Schedelschen Weltchronik drucken, die die Besucherinnen und Besucher direkt mitnehmen können. Begleitend dazu zeigt die Rote Galerie, Kobergerstraße 57, die Exlibris-Ausstellung „Drucker, Gutenberg, Koberger, Setzer, Buchbinder, Druckmaschinen“.
 
• Barbara Engelhard und Stephan Schwarzmann: „Play with Words“ An den „Play with Words“-Stationen des Künstlerduos werden Besucherinnen und Besucher zum Spielen mit Wörtern eingeladen. Hier kann man sich eine eigene, neue „Wortwelt“ erspielen und anschließend gemeinsam Erzählungen auf kooperativer Basis entwickeln und miteinander ins Gespräch kommen.
 
• Mathias Otto: „Corona-Dauerregen“ Die jüngste Vergangenheit fasst der Künstler Mathias Otto ins Auge: Im Rahmen seines „Corona-Dauerregens“ hat er die CoronaBerichterstattung auf Titelblättern von Tageszeitungen zu einem ästhetischen wie sinnlichen Wörterregen verarbeitet und wird diesen in Form von Collagen ausstellen.   
 
• Felix Kaden und Philip Krömer: „Local Pop-up-Store“ Ein Pop-up-Store lädt zum Entdecken fränkischer Buchkultur ein: Hier werden ausschließlich außergewöhnliche Bücher und Themen der vielfältigen kleinen und unabhängigen regionalen Verlage präsentiert.  
 
• „curt-Schreibkrise“ Das Stadtmagazin curt rief regionale Autorinnen und Autoren dazu auf, Texte, die in der Lockdown-Zeit entstanden sind, einzusenden, um sie als Abbild dieser besonderen Zeit in Buchform zu veröffentlichen. An mehreren Orten in Nürnberg werden die Texte im Rahmen von „Worte. Leben. Stadtgesellschaft“ vorgestellt.  

• Pauline Füg und Michael Malcherek: U20-Poetry-Slam Workshop und Präsentation  Hier können sich Nachwuchspoetinnen und -poeten Nürnbergs mit der Geschichte der Stadtbibliothek auseinandersetzen und unter Bezugnahme ihres großen literarischen Schatzes eigene Lyrikcollagen, Nachrufe und Texte schreiben, die in einem Slam und/oder digital veröffentlicht werden.  
 
• Christian Schloyer/Michael Ammann: „Magazin reloaded“ Mithilfe eines Computerprogramms montieren der Lyriker Christian Schloyer und der Musiker Michael Ammann live Vers- und Satzstücke aus historischen Originalquellen aus den Sammlungen im Magazin der Stadtbibliothek zu einem poetischen Textgebilde. Dieses Textgebilde wird per Beamer projiziert und dient dem Künstlerduo als Grundlage für ihre Performance zwischen lyrischem Vortrag und Sound-Wort-Collage.  
 
20 Projekte von kreativen Personen oder Kollektiven aus den Bereichen Literatur, Bildender Kunst, Musik und Theater wurden anlässlich des Wettbewerbs eingereicht und neun Projekte daraus am 2. Oktober 2020 von einer Jury final ausgewählt. Die Auseinandersetzung mit dem Sammeln oder Vermitteln von Wort, Schrift, Buchstaben, Druckkunst oder Text – Kernaufgaben der Historisch-Wissenschaftlichen Stadtbibliothek – war eine der Vorgaben für den Veranstaltungswettbewerb der Koordinierungsstelle für Literatur im Bildungscampus Nürnberg. Die Geschichte der Stadtbibliothek, ihre wertvollen Sammlungen oder Nürnbergs Tradition als Drucker- und Verlegerstadt konnten in diesem Kontext miteinbezogen, neu betrachtet und genreübergreifend neu inszeniert werden.   jos

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