Nr. 917 / 13.09.2021
An den städtischen Berufsschulen ergeben sich zu Beginn des Schuljahres 2021/22 einige Neuerungen, etwa in Sachen Distanzunterricht. Zudem haben sich die Zahlen der Schülerinnen und Schüler, nicht zuletzt bedingt durch Corona, in einigen Ausbildungsberufen verändert. Diese Veränderungen spiegeln die Entwicklung der jeweiligen Berufsfelder wider. Die aktuelle Situation an den jeweiligen städtischen Berufsschulen stellt sich wie folgt dar:
Geförderte Ausbildung „Fit for Work – Chance Ausbildung“
Mit „Fit for Work – Chance Ausbildung“ fördert die Bayerische Staatsregierung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds die betriebliche Ausbildung von Jugendlichen, die einem besonderen Wettbewerb unterliegen. Gefördert werden Ausbildungsverhältnisse mit Jugendlichen aus verschiedenen Zielgruppen, die im Zeitraum vom 1. August bis spätestens zum 31. Dezember 2021 eine Ausbildung aufnehmen, mit einem Zuschuss in Höhe von aktuell 260 Euro monatlich (Förderdauer längstens bis 31. Dezember 2022, Auszahlung nach Ende des Förderzeitraums).
Zur Zielgruppe gehören insbesondere:
Teilzeitausbildung Kinderpfleger/in für Berufstätige
Die Berufliche Schule 10 nimmt mit der Berufsfachschule Kinderpflege am Modellversuch einer dreijährigen Teilzeitausbildung teil und hat ausgesprochen gute Erfahrungen mit dem Potential des angesprochenen Personenkreises gemacht. Die Klasse wird überwiegend von erziehenden Frauen mit Lebenserfahrung und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme besucht. Die Beschulung mit rund 20 Wochenstunden ermöglicht einen Schulbesuch während der Betreuungszeiten der Kinder und damit die Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung.
Aus dem gleichen Grund hat B10 deshalb einen Antrag an die Regierung von Mittelfranken gestellt, die dreijährige Teilzeitausbildung auch für die Fachakademie für Sozialpädagogik zu genehmigen. Über letzteren Antrag wurde noch nicht entschieden.
Berufsvorbereitung
Bei den Berufsintegrationsklassen – dabei handelt es sich um Klassen, die den Deutschspracherwerb in Verbindung mit den Inhalten der Berufsorientierung ermöglichen – sind sowohl im ersten als auch zweiten Jahr des zweijährigen Bildungsgangs leichte Rückgänge zu verzeichnen. Im Schuljahr 2021/22 sind in den Berufsintegrationsvorklassen im ersten Jahrgang elf Klassen geplant. Im zweiten Jahrgang sind es zwölf Klassen. Bei den Berufsvorbereitungsklassen wurde noch zu Beginn der Sommerferien im Vergleich zum Vorjahr mit insgesamt 18 Klassen geplant. Aus schulorganisatorischen und personellen Gründen wurde die an Berufsschule B14 geplante Klasse in Abstimmung mit dem Amt für Berufliche Schulen kurzfristig in der Woche vor Schulbeginn an die B3 verlegt, um eine bessere Schulplatzauslastung der geplanten Klassen zu erreichen. Die Versorgung berufsschulpflichtiger Absolventeninnen und Absolventen der Mittelschulen ist gewährleistet.
Der endgültige Wegfall der sogenannten JoA-Klassen (Jugendliche ohne Ausbildungsplatz) zum Schuljahr 2022/23 wirft bereits aktuell im Schuljahr 2021/22 seine Schatten voraus. Schülerinnen und Schüler dieser Klassen besuchen nur an einem Tag in der Woche oder alternativ neun Wochen lang im Blockmodell den Unterricht. Die Abschaffung dieser Klassenform bringt es mit sich, dass berufsschulpflichtige Abgängerinnen und Abgänger der Mittelschulen nun regelmäßig in einer der Klassenformen der Berufsvorbereitung eingeschult werden. Berufsschulpflichtige, die bereits ein Jahr an einer beruflichen Schule absolviert haben, sowie Ausbildungsabbrecherinnen und -abbrecher können nun leichter für den Besuch einer Maßnahme der Agentur für Arbeit von der Berufsschulpflicht befreit werden beziehungsweise besuchen gegebenenfalls eine Fachklasse. Die durch das bayerische Kultusministerium festgelegte Neuausrichtung der Berufsschulpflicht bedeutet eine Stärkung vollschulischer Beschulungsmodelle.
Distanzunterricht an beruflichen Schulen
Bei einer Vielzahl an beruflichen Bildungsgängen fielen die Erfahrungen mit Distanzunterricht positiv aus. Das Kultusministerium hat festgelegt, dass im Schuljahr 2021/22 berufliche Schulen erstmals auf Antrag fünf bis zehn Prozent des Unterrichts regulär im Form von Distanzunterricht einplanen können. Voraussetzung ist eine pädagogische Begründung, die sowohl die Eignung der Unterrichtsinhalte als auch der Schülergruppe würdigt. Damit sendet der Freistaat klare Signale, dass die Unterrichtsform Distanzunterricht unabhängig von Corona im Rahmen des pädagogischen Handlungsspielraums der Schulen nun gedacht werden darf und soll. Das Kultusministerium lässt die Weiterentwicklung des Distanzunterrichts durch den Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung der FAU Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Karl Wilbers, wissenschaftlich begleiten. Zum wissenschaftlichen Team gehört auch eine Lehrkraft der Berufsschule 2.
Einige berufliche Schulen der Stadt Nürnberg haben bereits Anträge gestellt. Für Nürnberg zeigt sich, dass vor allem in Bildungsgängen der beruflichen Weiterbildung und in Ausbildungsberufen mit hoher schulischer Vorqualifikation der Auszubildenden, Distanzunterricht einerseits eine hohe Akzeptanz von Seiten der Schülerinnen und Schüler hat sowie andererseits aus Sicht der Lehrkräfte die Lehrplaninhalte gleichwertig zum Unterricht im Klassenzimmer vermittelt werden können.
Schlaglichter zum Start in dualen Ausbildungsberufen
An der Berufsschule 1 wird insgesamt von stabilen Schüler- und Klassenzahlen auf Vorjahresniveau ausgegangen.
An der Berufsschule 2 sind die Mechanikerberufe, insbesondere der Ausbildungsberuf Industriemechaniker, tendenziell abnehmend. Ursache ist der Globaltrend der Umverteilung von Mechanikerberufen hin zum Mechatroniker, Elektroniker und zu den IT-Berufen. Der Trend setzte bereits vor Corona ein und setzt sich auch in diesem Schuljahr fort. Die Gesamtschülerzahl an B2 ist insgesamt stabil.
An der Berufsschule 3 hat sich die die Situation in den Berufsfeldern Gastronomie / Hotellerie / Ernährung trotz eines rückläufigen, coronabedingten Trends in den Vorjahren stabilisiert.
An der Berufsschule 4 ist die duale Ausbildung in kaufmännischen Ausbildungsberufen wieder auf Vorjahresniveau, aber noch nicht auf VorCorona-Niveau.
An der Berufsschule 5 zeichnen sich in den Ausbildungsberufen im Bereich Floristik, Körperpflege und Mode stabile Klassenzahlen ab.
An der Berufsschule 6 steigen in den Ausbildungsrichtungen Druck / Foto / Medien die Schülerzahlen. Im Einzelhandel sind die Schülerzahlen stabil; es ist ein Trend zu volljährigen Schülern zu beobachten. Die berufliche Weiterbildung (FS Druck und FAK für Wirtschaft) verzeichnet ebenfalls eine stabile Klassenbildung. Insgesamt ist die Situation an der B6 stabil mit leicht steigender Tendenz, aber noch nicht auf Vor-CoronaNiveau.
An der Berufsschule 8 steigen in den Ausbildungsberufen Medizinische Fachangestellte und Zahnmedizinische Angestellte die Schülerzahlen. In den Berufsbildern Tiermedizin, Chemielaboranten, Zahntechnik, Augenoptik und pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte: Schülerzahlen stabil.
An der Berufsschule 9 ist in der dualen Ausbildung eine insgesamt stabile Entwicklung zu beobachten. Die Klassenzahlen bewegen sich auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr.
An der B11, Bau / Holz / Farbe zeigen sich leicht steigende Ausbildungszahlen. Diese werden im Wesentlichen getragen von Steigerungen der Schülerzahlen in den Ausbildungsberufen Rohrleitungsbauer und Bauzeichner und im Berufsgrundschuljahr Bau, als erstes Ausbildungsjahr im Baugewerbe.
An der Berufsschule 14 in der dualen Ausbildung Spedition und Logistikdienstleistungen sowie Lagerlogistik steigen die Schülerzahlen. Bei den Tourismuskaufleuten sind die Zahlen klar rückläufig. In den weiteren Berufsbildern sind die Klassenzahlen stabil. Insgesamt bewegt sich die Schule hinsichtlich der Schüler- und Klassenzahlen auf stabilem Niveau . tom
Leitung:
Andreas Franke
Fünferplatz 2
90403 Nürnberg
www.presse.nuernberg.de