Nr. 604 / 30.05.2022
Seit Mittwoch, 25. Mai 2022, besucht eine internationale Delegation von Forschenden des Projekts „Integrated Study on Urban Agriculture as Heritage” (INSUAH) die Metropolregion Nürnberg. Unter dem Titel: „Kulturelles Erbe: Was das Gestern uns für morgen lehrt“ kombiniert das auf vier Jahre angelegte Projekt historische Untersuchungen, räumliche Analysen und Living-Lab-Methoden. So sollen das Erbe urbaner Landwirtschaft und die darin enthaltenen Werte und deren Bedrohungen aufgespürt, kartiert und definiert, das Bewusstsein für dieses Erbe geschärft und gezielte Planungs- und Politikagenden erarbeitet werden. Letztendlich sind die Ziele, gemeinsam mit den vor Ort Beteiligten herauszufinden, wie das Kulturerbe die lokale urbane Landwirtschaft stärken kann, und gemeinsam gezielte Planungs- und Politikagenden zu erarbeiten.
Dafür werden Fallstudien aus verschiedenen städtischen Regionen auf der ganzen Welt untersucht und verglichen: Sao Paulo (Brasilien), Havanna (Kuba), Bandung (Indonesien), Tokio (Japan) und in Deutschland die Metropolregion Nürnberg. Die Metropolregion Nürnberg wurde für die Auftaktveranstaltung wie auch als Untersuchungsregion ausgewählt. Das Nürnberger Knoblauchsland und die Gärtnerstadt Bamberg wurden als sogenannte Zoom-in-Regionen definiert.
Britta Walthelm, Nürnbergs Umweltreferentin konstatiert: „Wir stehen heute vor großen globalen Herausforderungen wie der zunehmenden Verstädterung, knapper werdenden Ressourcen und der Sicherung der Ernährung. So rückt in unserer Zeit die bislang eher unbedeutende, urbane Landwirtschaft als ein Instrument für nachhaltige Entwicklung in den Fokus.“
Obwohl die Berücksichtigung von Stadtentwicklung und Kulturerbe in der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung stark empfohlen wird, waren bislang die Qualitäten geerbter und lokaler Systeme der urbanen landwirtschaftlichen Produktion und die damit verbundenen Vorteile für die Nahrungsmittelversorgung, die Einkommensgenerierung, die soziale und biologische Vielfalt und den Ressourcenverbrauch der Stadt (urbaner Metabolismus) kein Gegenstand der Forschung.
Das Thema des INSUAH-Projekts passt bestens zu den derzeitigen Bemühungen der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN), sich als Welt-Agrarkulturerbe (Globally Important Agricultural Heritage System/GIAHS) bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu bewerben. Dabei handelt es sich um die erste Bewerbung aus Deutschland. Die Metropolregion Nürnberg hat als großräumige, widerstandsfähige (resiliente) Stadt-Land-Partnerschaft mit einer zukunftsfähigen Agrarproduktion und Ernährungswirtschaft gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung. Diese versteht sich als eine Antwort auf den Klimawandel und die Sicherung von Land- und Ernährungswirtschaft im sogenannten Globalen Norden. Zudem werden mit der Bewerbung die Leistung und Bedeutung der Landwirtinnen und Landwirte wie auch der Beschäftigten in der Ernährungswirtschaft anerkannt.
Die Zusammenarbeit mit dem INSUAH-Team kann die Bewerbung der EMN noch aufwerten. Deshalb soll die Zusammenarbeit während der vierjährigen Projektlaufzeit in sehr engem Austausch verlaufen und stetig vertieft werden. Eine Ernennung zum GIAHS würde internationale Aufmerksamkeit auf den Wert des kulturellen Erbes der Region ziehen und auf das Image als Region mit hoher Lebensqualität und Ort der Zukunft einzahlen. let
Weiterführende Informationen zum INSUAH-Projekt finden sind unter www.la.rwth-aachen.de/cms/LA/Das-Institut-und-der-Lehrstuhl/Aktuelle-Meldungen/~pjzyh/INSUAH-Integrated-Study-on-Urban-Agric/ zu finden
Leitung:
Andreas Franke
Fünferplatz 2
90403 Nürnberg
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