Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 695 / 21.06.2022

Gutachterverfahren zur Standortbestimmung für eine Ausweichspielstätte der Musik- und Tanztheatersparten des Staatstheaters Nürnberg

Die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände wird Standort für eine Interimsspielstätte des Nürnberger Staatstheaters. Hierfür soll ein ergänzender Aufführungsraum auf dem Areal der Kongresshalle verortet werden. Zur Beantwortung dieser komplexen Frage hat die Stadt Nürnberg mit dem 3. Mai 2022 ein Gutachterverfahren etabliert, zu dem acht nationale und internationale Architekturbüros eingeladen wurden. Am 30. Juni 2022 tagt ein Fachgremium, das aus hochrangigen Persönlichkeiten aus Architektur, Geschichtswissenschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft zusammengesetzt ist, und dessen Aufgabe es ist, auf Basis der eingegangenen Ideen eine Empfehlung für den Standort des Ergänzungsbaus zu formulieren.

Der Rat der Stadt Nürnberg votierte am 15. Dezember 2021 mit großer Mehrheit für die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände als Standort einer Ausweichspielstätte für die Musik- und Tanztheatersparten des Staatstheaters Nürnberg. Betriebs- und Produktionsräume sollen im Bestand des Bauwerks Platz finden; in Anbindung an die Kongresshalle soll zudem ein Ergänzungsbau mit Bühne, Orchestergraben und Zuschauerraum errichtet werden. Notwendig wurde der Beschluss einer Ausweichspielstätte, da im Jahr 2025 die Betriebserlaubnis für das Opernhaus am Richard-Wagner-Platz ausläuft und hier dringend notwendige Sanierungsarbeiten beginnen sollen.

Offen gelassen wurde im Beschluss des Stadtrats die Frage nach einem geeigneten Standort für den Bau eines ergänzenden Aufführungsraums auf dem Areal der Kongresshalle. Aspekte der Nachhaltigkeit, Zugänglichkeit und Barrierefreiheit, der Wirtschaftlichkeit, des Umwelt- und Naturschutzes, des Naherholungscharakters des gesamten Geländes sowie insbesondere der Erinnerungskultur und der Etablierung von Ermöglichungsräumen für Kunst und Kultur sollen hierbei berücksichtigt werden.

Zur Beantwortung dieser komplexen Frage hat die Stadt Nürnberg mit dem 3. Mai 2022 ein Gutachterverfahren etabliert. Betreut wird das Verfahren vom renommierten Büro C4C competence for competitions, Berlin. Nationale und internationale Architekturbüros sind dabei aufgefordert worden, Ideen zu einem möglichen Standort zu entwickeln und entsprechende Vorlagen einzureichen. Am 30. Juni 2022 tagt ein Fachgremium, das aus hochrangigen Persönlichkeiten aus Architektur, Geschichtswissenschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft zusammengesetzt ist und dessen Aufgabe es ist, eine Empfehlung für den Standort des Ergänzungsbaus zu formulieren.

Die Jury

Prof. Dr. Norbert Frei, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Prof. Nadja Letzel, Architektin und Studiendekanin; Professorin für Entwerfen und Bauen im Bestand an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Dr. Birgit Meyer, Intendantin Oper Köln

Prof. Dip.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, Generalkonservator, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Birgit Rapp, Architektin, Amsterdam, Mitglied der Stadtgestaltungskommission der Stadt München

Dr. Rachel Salamander, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Prof. Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter KZ-Gedenkstätte Flossenbürg; Honorarprofessor an der Universität Regensburg; Direktor Zentrum Erinnerungskultur

Prof. Dr. Stephan Trüby, Leiter des Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart

In beratender Funktion nehmen weitere Expertinnen und Experten, Fachleute und Vertreterinnen und Vertreter der Stadtspitze an der Jurysitzung teil.

Beratung:

Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer, Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Vorsitzende Wissenschaftlicher Beirat für den Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände Nürnberg

Dr. Axel Drecoll, Direktor Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; Wissenschaftlicher Beirat für den Erinnerungsort ehemaliges Reichsparteitagsgelände Nürnberg

Prof. Jens-Daniel Herzog, Intendant Staatstheater Nürnberg

Werner Karg, Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Marcus König, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg

Prof. Dr. Julia Lehner, Bürgermeisterin der Stadt Nürnberg

N.N., Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

N.N., Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien BKM

Dr. Oscar Schneider, Bundesminister a.D., Kuratorium Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Ehrenbürger der Stadt Nürnberg

Daniel F. Ulrich, Planungs- und Baureferent der Stadt Nürnberg

In beobachtender Funktion sind zudem Vertreterinnen und Vertreter der Stadtratsfraktionen und Ausschussgemeinschaften im Stadtrat zur Jurysitzung anwesend.

Der weitere Prozess wird durch zwei Termine markiert: Am Freitag, 8. Juli 2022, berät die Opernhauskommission des Stadtrats die Empfehlung des Fachgremiums.

Final obliegt es dem Stadtrat mit Sitzung vom Mittwoch, 20. Juli 2022, über den exakten Standort des Ergänzungsbaus zu befinden.

Eingeladene Architekturbüros

Acht renommierte nationale und internationale Architekturbüros folgten der Einladung der Stadt Nürnberg, sich an dem Verfahren zu beteiligen. Deutlich wurde hierbei die internationale Relevanz, die dem Gesamtvorhaben zugeschrieben wird. Die eingeladenen Büros besitzen fundierte Expertise bei der Errichtung von großen, emblematischen und repräsentativen Kulturbauten. Weltweit waren und sind sie beteiligt an Planung und Errichtung großer Opern- und Konzerthäuser und weiterer Kultureinrichtungen.

bez + kock architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

BIG Bjarke Ingels Group, Copenhagen, New York, London, Barcelona, Shenzhen

Glöckner Architekten GmbH, Nürnberg

gmp International GmbH, Hamburg, Berlin, Aachen, Shanghai, Peking, Shenzhen, Hanoi

Hilmer Sattler Ahlers Albrecht Gesellschaft von Architekten mbH, München, Berlin

LRO GmbH & Co. KG, Stuttgart

Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

Snøhetta AS, Oslo, New York, Innsbruck, San Francisco, Paris, Hong Kong, Adelaide

Die genannten Büros sind seit dem 3. Mai 2022 aufgefordert, Ideen zur Standortfrage eines für ein Operninterim notwendigen Ergänzungsbaus auf dem Areal um die Kongresshalle zu entwickeln und zu hinterlegen.

Zur Kongresshalle

Die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände ist eine der bundesweit größten noch existierenden baulichen Hinterlassenschaften der NS-Diktatur. Der 1935 begonnene Bau wurde nie vollendet und nie im ursprünglichen Sinne als Ort der Parteikongresse der NSDAP genutzt. Die Nutzungsgeschichte seit 1945 ist divers und reicht von profanem Gebrauch als Lager eines Großversands oder Kfz-Sammelstelle bis hin zu kultureller Nutzung – seit 1962 spielen vor Ort die Nürnberger Symphoniker, seit 2001 befindet sich hier das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Die Frage nach einer erweiterten kulturellen Nutzung des Bauwerks schließt nicht nur die Interimsspielstätte für das Nürnberger Staatstheater ein, sondern weiterhin auch die zusätzliche Etablierung von kulturellem Ermöglichungsraum für Kunstschaffende und kulturelle Institutionen.

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