Nachrichten aus dem Rathaus

Nr. 610 / 14.06.2023

Bürgermedaillen der Stadt Nürnberg 2023

Der Nürnberger Stadtrat hat in seiner nichtöffentlichen Sitzung am heutigen Mittwoch, 14. Juli 2023, über die diesjährigen Trägerinnen und Träger der Bürgermedaille 2023 der Stadt Nürnberg entschieden. Folgende Personen werden auf Vorschlag des Oberbürgermeisters und der Fraktionen mit der zweithöchsten Auszeichnung der Stadt geehrt:

Ismail Baloglu
Susanne Kentner-Hofmann
Elisabeth Most
Ilse Weiß


Die Verleihung der Bürgermedaille findet in einer festlichen Sondersitzung des Ältestenrats am Stadtgründungstag, Sonntag, 16. Juli, statt. Mit der Bürgermedaille der Stadt Nürnberg werden seit 1960 Nürnberger Bürgerinnen und Bürger geehrt, die sich besondere Verdienste um die Stadt Nürnberg erworben haben. Die Bürgermedaille ist aus Gold und hat die Form einer Münze. Auf der Vorderseite ist das große Stadtwappen mit der Umschrift „Stadt Nürnberg“ eingeprägt, auf der Rückseite der Name der oder des Geehrten mit den Worten „Für hervorragende Verdienste“. Bislang wurden 219 Personen mit der Bürgermedaille ausgezeichnet. Im Folgenden redaktionell bearbeitete Auszüge aus den Begründungen der Vorschläge:

Ismail Baloglu

Ismail Baloglu ist seit über 30 Jahren als Orthopäde und Sportmediziner in Nürnberg tätig. Er ist beliebter Netzwerker in ärztlichen wie gesellschaftlichen Verbänden, als Betreuer und Berater mehrerer Fußballmannschaften in Deutschland wie in der Türkei, ein bekannter wie gesuchter Mediziner in der gesamten Region und darüber hinaus. Sowohl in seiner Tätigkeit als Mediziner wie auch privat und im Ehrenamt hat Dr. Baloglu unermüdlich Kontakte zwischen Nürnberger Bürgerinnen und Bürgern und Migrantinnen und Migranten aus der Türkei hergestellt. Als „Mann der ersten Stunde“ in den Beziehungen zwischen Nürnberg und Antalya gilt Dr. Ismail Baloglu als einer der maßgeblichen Gestalter dieser Städtepartnerschaft.

Ismail Baloglu wurde am 12. Dezember 1953 im türkischen Nazilli geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung absolvierte er an der Ägäischen Universität Izmir von 1970 bis 1976 erfolgreich sein Medizinstudium. Bereits ein Jahr später nahm Dr. Ismail Baloglu seine erste Stelle in Deutschland an, in der Anästhesie im Krankenhaus Bad Nauheim. Anschließend ließ er sich im Krankenhaus Rummelsberg zum Facharzt für Orthopädie ausbilden.

Währenddessen machte er 1980 erstmals beruflich Station in Nürnberg, im Rahmen einer Chirurgie-Rotation am städtischen Klinikum. Nach seiner Tätigkeit als niedergelassener Mediziner von 1989 bis 2016 folgten mehrere Stellen in leitender ärztlicher Funktion in Orthopädie wie Sportmedizin. Von 2004 bis 2022 engagierte sich Dr. Baloglu 18 Jahre lang als Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Medizinergesellschaft Bayern und war vier Jahre lang stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Medizinergesellschaft Deutschland. Heute ist er Ehrenvorsitzender der DTM Bayern e. V.

Dabei war und ist das Ziel – neben dem Erwerb und der Verbreitung medizinischen Fachwissens – vor allem die Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen türkisch- und deutschstämmigen Vertreterinnen und Vertretern der Gesellschaft. Die Förderung der Integration der hier lebenden türkischen Bevölkerung und die Mithilfe beim Abbau soziokultureller Barrieren und Vorurteile war neben seinen Aufgaben als Mediziner wesentlicher Teil seines Engagements.

Auch außerhalb seines Wirkungskreises rund um Orthopädie und Sport standen der Kontakt und die Freundschaft zwischen der Metropolregion und der Türkei immer ganz oben auf dem Rezept aus der Praxis Baloglu. Bereits 1992 begann er, sich im Freundeskreis Filmfestival Türkei Deutschland zu engagieren und den wichtigen Beitrag, den dieses Festival für die gesamtgesellschaftliche Integration in Deutschland leistet, zu unterstützen. Er ist bis heute im Vorstand des Freundeskreises aktiv und wurde 2022 mit einem Sonderpreis für sein langjähriges Engagement ausgezeichnet.

Eine seiner wichtigsten Herzensangelegenheiten war es, die freundschaftlichen Verbindungen der Städte in der Metropolregion mit der Türkei in echte Partnerschaften zu gießen. Dies gelang ihm nicht nur als Tourismusbeauftragter der Türkei in Form der Zusammenarbeit der Region Antalya mit der Nürnberger Freizeitmesse, sondern vor allem in seinem Bemühen und seinen Vermittlungen beim Entstehen gleich dreier Städtepartnerschaften: Antalya – Nürnberg 1997, Kemer – Schwabach 1998 und schließlich Besiktas, Istanbul – Erlangen im Jahr 2003. Als Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Antalya in Nürnberg ist Dr. Baloglu bis heute aktiver Mittler zwischen den Partnerstädten und hat in zahlreichen Delegationsreisen die Entstehung von fruchtbaren Kooperationen zwischen den Kommunen und ihren Einrichtungen begleitet – so zum Beispiel zwischen der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm und der Akdeniz-Universität in Antalya, bei der Ausrichtung von gemeinsamen Kulturtagen der Städte oder zwischen dem Presseclub Nürnberg und dem Journalistenverein Antalya.

Wie kein Zweiter verkörpert Ismail Baloglu die gelungene Integration der türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in unserer Region. Für sein Engagement wurde Dr. Baloglu 2003 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen und im Jahr 2010 erhielt er die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste. „Für hervorragende Dienste“ – so steht es eingeprägt auf der Rückseite der Bürgermedaille. Diese hervorragenden Dienste hat Dr. Ismail Baloglu sowohl seiner Wahlheimat Nürnberg erwiesen, als auch den drei Städten in der Türkei, die unter seiner Mitwirkung schließlich die Partnerstädte von Nürnberg, Erlangen und Schwabach wurden.

Die Stadt Nürnberg verleiht ihm in Würdigung seiner Verdienste daher die Bürgermedaille.


Susanne Kentner-Hofmann

Susanne Kentner-Hofmann (geboren am 23. September 1952) engagiert sich seit Jahrzehnten in herausragender und vorbildlicher Weise für die solidarische Stadtgesellschaft in Nürnberg und darüber hinaus. Durch ihren Einsatz, ihr umfangreiches ehrenamtliches Engagement und ihre gelebte Solidarität ist Susanne Kentner-Hofmann ein gesellschaftliches Vorbild.

In ihrer Wirkungszeit transformierte sich das Zentrum Kobergerstraße durch eine Vielzahl zusätzlicher Angebote von einer Beratungsstelle für schwangere Frauen hin zu einem Familienzentrum und einem echten sozialen Treffpunkt im Stadtteil. Über 25 Jahre begleitete Frau KentnerHofmann als Mitglied des Vorstands und später auch als 1. Vorsitzende die Geschicke des Vereins und konnte erreichen, den Fortbestand des Zentrums Kobergerstraße durch institutionalisierte Förderung zu sichern.

So umfasst das Angebot des Zentrums Kobergerstraße heute eine breite Palette aus Schwangerschafts-, Elterngeld- und finanzieller Beratung. Auch nach der Geburt stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums den jungen Familien mit Beratungsangeboten rund um die Kinderbetreuung und Paarberatung zur Seite. Der gemeinnützige Verein besteht seit 1981 und betrieb über mehrere Jahre eine staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen. Nachdem Frau Kentner-Hofmann die Angebote des Zentrums Kobergerstraße selbst als sehr positiv empfand, entschied sie sich, etwas weitergeben zu wollen.

Für sie steht außer Frage, dass zu Beruf und Familie auch ein Ehrenamt gehört. Auf dieser solidarischen Entscheidung fußt Frau KentnerHofmanns jahrzehntelanges soziales Engagement. Sie erkannte in ihrer täglichen ehrenamtlichen Arbeit schnell, dass sich die Bedürfnisse von Frauen und Familien wandeln und wagte sich dabei stets auch auf bisher ungewohntes Terrain. So wirkte sie ebenfalls maßgeblich bei der Gründung einer eigenen Kinderkrippe mit 15 Betreuungsplätzen im Jahr 2009 mit. In ihrer Verantwortung lagen die Organisation, die Verhandlungen mit Behörden, die Erarbeitung eines pädagogischen Konzepts und letztlich auch die Gewinnung von Fachpersonal.

Als ehrenamtlich aktive Person und ohne gesonderte Trägerschaft ein solches Unterfangen auf die Beine zu stellen, ist beispielhaft und muss besonders gewürdigt werden. Gegen Ende ihrer Vorstandsarbeit realisierte Frau Kentner-Hofmann den Bewegungsraum im Zentrum Kobergerstraße. Dieser Raum kann von verschiedensten Kindergruppen zum freien Spielen und Toben genutzt werden. Als besondere integrative Maßnahme finden im Bewegungsraum Deutschkurse für geflüchtete Familien statt, während die Kleinsten an den Geräten spielen. Mittlerweile ist der Bewegungsraum ein festes Freizeitangebot für Kinder aus dem Stadtteil und wird auch von den Eltern als Möglichkeit zur Vernetzung, zum Austausch und als sozialer Treffpunkt genutzt.

Auch außerhalb des Zentrums Kobergerstraße ist Frau Kentner-Hofmann sozial engagiert. Beispielhaft für ihr Engagement steht die Mitarbeit am Projekt „Nordstadt teilt“. Einmal wöchentlich wird liegengebliebenes Brot aus einer örtlichen Bäckerei-Filiale verteilt. Nicht nur der soziale Aspekt, nämlich die Hilfe für Menschen mit geringem Einkommen, sondern auch die Nachhaltigkeit sind für die Organisatorinnen und Organisatoren rund um Frau Kentner-Hofmann von zentraler Bedeutung. Frau Susanne Kentner-Hofmann hat sich mit ihrem jahrzehntelangen und ehrenamtlichen Engagement insbesondere für Frauen und Familien in besonderem Maße um die Nürnberger Stadtgesellschaft verdient gemacht. Sie hat mit ihrer ehrenamtlichen Lebensleistung nicht nur ihren Stadtteil, sondern ganz Nürnberg positiv beeinflusst.

Die Stadt Nürnberg verleiht ihr in Würdigung ihrer Verdienste daher die Bürgermedaille.


Elisabeth Most

„Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen.“ Dieses Zitat von Max Frisch hat sich Elisabeth Most zum Leitbild gemacht. Sie ist seit einem Jahrzehnt das Gesicht der Bürger- und Vorstadtvereine in Nürnberg. Im Juli 2013 übernahm Elisabeth Most die Leitung der Arbeitsgemeinschaft der Bürger- und Vorstadtvereine, kurz: AGBV. Bereits anderthalb Jahre zuvor gründete sie mit 31 Mitstreiterinnen und Mitstreitern den Bürgerverein Altstadt. Ein letzter weißer Fleck auf der Landkarte der Bürger- und Vorstadtvereine in Nürnberg war getilgt.

Die Altstadt ist das Herz Nürnbergs, lebendig, kein Museum. Dazu leisten die Bewohnerinnen und Bewohner einen wichtigen Beitrag“, betont Elisabeth Most immer wieder. Seit ihrem 19. Lebensjahr lebt sie in der Nürnberger Altstadt. Immer noch an derselben Adresse. Die 67-Jährige mischt sich – und das ist ganz positiv gemeint an dieser Stelle – gerne in die Angelegenheiten der Nürnbergerinnen und Nürnberger ein. Die Bürger- und Vorstadtvereine sind eine Herzkammer der Demokratie in unserer Stadt.

Elisabeth Most bezeichnet sich selbst als „Nürnbergerin mit Migrationshintergrund“. Sie kommt am 25. März 1956 zur Welt. In Fürth. Sie ist das Älteste von vier Kindern. Der Vater, er stammt aus dem Knoblauchsland, ist Maurermeister, arbeitet für das Tiefbauamt der Kleeblattstadt. Der Großvater betreibt einen Baustoffhandel. Das Thema Bau – und auch die Kommune als Arbeitgeberin – wird in der Vita von Elisabeth Most noch eine Rolle spielen. Ihre Mutter ist gelernte Weißnäherin.

Nach der Staatlichen Realschule in Fürth besucht Elisabeth Most von 1973 bis 1976 die damals noch neue Staatliche Fachoberschule. Sie macht dort ihr Fachabitur. Dann übertritt sie die Stadtgrenze und schreibt sich für das Studium der Architektur an der Fachhochschule Nürnberg (1976–1982) ein. Da ist sie wieder, die Anknüpfung an die Bauhistorie in der Familie. Thema ihrer Diplomarbeit: „Postdienstgebäude mit Wohngebäuden“.

Was folgt, sind für die Mutter einer kleinen Tochter zehn Jahre freie Mitarbeit für zwei Architekturbüros. Beruf und Familienleben müssen unter einen Hut gebracht werden. Schwerpunktthemen sind unter anderem: Altstadtsanierung und Denkmalpflege, Umbau und Modernisierung. 1992 zieht Elisabeth Most eine Festanstellung in einem der beiden Architekturbüros vor, ehe sie 1996 ihr eigenes Büro eröffnet. Zur Jahrtausendwende dann der Wechsel in die öffentliche Verwaltung. Das Bauordnungsamt der Stadt Schwabach stellt Elisabeth Most als Technische Angestellte ein. 2006 dann folgt der Wechsel zur Stadt Nürnberg. Im Rechnungsprüfungsamt begleitet die Architektin und Betriebswirtin das Baucontrolling und ÖPP-Projekte; also Projekte in öffentlich-privater Kooperation. Seit 2022 ist Elisabeth Most im Ruhestand – und hat nun noch mehr Zeit für die Bürgervereine.

„Nürnberg hat“, so betont Elisabeth Most immer, „im Vergleich zu anderen Städten eine hohe Beteiligungskultur der Bürgerschaft“. Sie ist überzeugt, dass es sehr wichtig ist, die Menschen frühzeitig mitzunehmen, wenn es um die Gestaltung ihres Umfelds und die Aufenthaltsqualität geht. Nicht, um prinzipiell zu verhindern oder Einzelinteressen wahrzunehmen, sondern oft, um zu vermitteln. Als Vorsitzende des Bürgervereins Altstadt gilt ihr Fokus natürlich den Belangen der Altstadtbewohnerinnen und -bewohner. Doch als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft aller 35 Bürger- und Vorstadtvereine, hat sie immer auch die Gesamtstadt im Blick. In ihrer Bewerbungsrede um den Vorsitz der AGBV betont sie 2013: „Unser bürgerschaftliches Engagement stellt ein unverzichtbares Element unseres Gemeinwesens dar. Die AGBV selbst hat dabei eine Bündelungsfunktion und nimmt sich Themen an, die über die einzelnen Stadtteile hinaus bedeutend sind.“

Dies sei ein wichtiger Aspekt, betonte sie weiter, „ist doch die Gesellschaft heterogener und vielschichtiger geworden“. Sie sieht in diesen Prozessen die Stadtverwaltung als wichtigen Partner. Die ursprünglichste Aufgabe der Bürger- und Vorstadtvereine ist es, so Elisabeth Most 2017 beim Jahresempfang der AGBV, „sich einzumischen und die Anliegen des Stadtteils zu vertreten. Sich kümmern um die Dinge in der Nachbarschaft … Und natürlich auch mitreden und mitbestimmen, was sich auf das eigene (direkte) Leben der Bürger auswirkt. Unser Engagement eröffnet kreative und gemeinsame Lösungen in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, in der Stadtplanung ebenso wie in der Sozialarbeit, im Umweltsektor, in der Grünflächenfrage und der Kultur … Bürgerbeteiligung ist ein unerlässlicher Pfeiler unserer Stadtgesellschaft.“ Dass es dabei auch immer wieder viel Fingerspitzengefühl und Diplomatie braucht, weiß sie. Elisabeth Most vertritt diese Ideen für ein Miteinander in der Stadtgesellschaft auf vorbildliche Weise. Ihr ehrenamtliches Engagement gilt der Beteiligung der Bürgerschaft. Hierzu passt ein weiteres Zitat, das Elisabeth Most gerne erwähnt: „Wenn Du schnell gehen willst, gehe allein. Wenn Du weit gehen willst, gehe zusammen mit anderen.“

Die Stadt Nürnberg verleiht Elisabeth Most in Würdigung ihrer Verdienste die Bürgermedaille.


Ilse Weiß

Geboren am 13. Juni 1960 in Erlangen als zweites von fünf Kindern, engagiert sich Ilse Weiß bereits früh und sehr umfassend für die Katholische Junge Gemeinde (KJG). Nach ihrem Studium der Sozialwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg hat sie die Deutsche Journalistenschule in München absolviert. Im Jahr 1994 kam ihre Tochter zur Welt und nach zehnjähriger Tätigkeit bei der „Nürnberger Abendzeitung“ hat sie 1999 gekündigt, um mit ihrem Mann und ihrer Tochter neun Monate zu reisen.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland war sie als freie Mitarbeiterin für Agenturen, Zeitungen und Zeitschriften tätig. Als Anfang 2002 der Anruf kam, ob sie den „Straßenkreuzer“ – bei dem sie bereits während ihrer Tätigkeit bei der Abendzeitung ehrenamtlich gearbeitet hat – journalistisch aufbauen möchte, zögerte sie keine Sekunde, sagte zu und hat diese für sie wichtigste Entscheidung bis heute nicht bereut. Dabei war es nicht nur die Verbindung von Journalismus, sorgfältiger Recherche und Sinnstiftung, sondern vor allem die Idee, dass der Straßenkreuzer eine Möglichkeit der Öffentlichkeitsarbeit für Obdachlose und Menschen in Not als Hilfe zur Selbsthilfe leisten kann. Schließlich sei Obdachlosigkeit keine Berufsbezeichnung, so Ilse Weiß.

Im Fokus ihrer Arbeit und der ihres Teams stand und steht dabei stets die gleichbleibend hohe Qualität des Magazins – denn der Kauf einer Ausgabe des Straßenkreuzers soll nicht aus Mitleid erfolgen, sondern auf beiden Seiten ein gutes Gefühl vermitteln. Über die Jahre haben Ilse Weiß und das Straßenkreuzer-Team vielfältige Projekte auf die Beine gestellt: 2002 wurde die Straßenkreuzer-CD ins Leben gerufen und bis heute hat sich an dem Konzept, das einen „Überblick über die fränkische Musikszene jenseits des Mainstreams“ gibt, nichts verändert.

Im Jahr 2008 startete der Stadtrundgang SchichtWechsel, bei dem die Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit bekommen, ihren Blick auf soziale Schichten, Armut, Sucht und Ausgrenzung zu ändern. Dabei ist es auch möglich, ohne Scham Einrichtungen wie eine Notschlafstelle zu besuchen, sich selbst ein Bild zu machen. Je mehr wir voneinander wissen, desto weniger Einfluss haben Populisten und Demokratiefeinde, ist Ilse Weiß überzeugt.

Weiter ging es 2010 mit der Straßenkreuzer-Uni. Als „Uni für alle“ bezeichnet Ilse Weiß dieses Projekt, das in jedem Semester ein umfangreiches Programm bietet. Als großer Erfolg lässt sich zudem das Pfandprojekt nennen, das – 2019 gestartet – mittlerweile Arbeitsplätze für zwei Männer bietet. Als das aktuell wichtigste Projekt bezeichnet Ilse Weiß aber Housing First. Dabei beziehen Obdachlose zuerst eine Wohnung, und auf dieser stabilen Grundlage werden weitere Themen wie Arbeitssuche angegangen. Dieses Konzept ist unter anderem in Finnland seit Jahren sehr erfolgreich. In Nürnberg konnten dank Housing First bereits sechs Frauen und zwei Männer ein Zuhause beziehen.

Nicht immer, so Ilse Weiß, sei alles glattgelaufen, oftmals war und sei die Zeit beim Straßenkreuzer von „Versuch und Irrtum“ geprägt. Nach wie vor gibt es viele Herausforderungen: Corona war eine davon, die Printkrise ist es nach wie vor. Die Zeiten ändern sich, ebenso wie die Zusammensetzung der Verkäuferschaft, die Inhalte und das Konzept des Straßenkreuzers.

Ilse Weiß nimmt diese Herausforderungen stets und im Wohle aller Beteiligten an und ist dankbar für die Unterstützung seitens der Stadt und der Bevölkerung, insbesondere auch für den Einsatz von jungen Menschen. Obwohl Ilse Weiß viele Erfolge erzielt hat, bleibt sie bescheiden. Hätte sie einen Wunsch frei, würde sie sich jenem anschließen, den bereits Norbert Kays, damaliger Vorsitzender des Vereinsvorstands, bei der 10-Jahres-Feier geäußert hat: Dass der Straßenkreuzer überflüssig wird. Solange dies nicht der Fall ist, wird sie sich weiterhin für mehr kulturelle Teilhabe, weniger Klischees und mehr Begegnung einsetzen – aber auch dafür, „dass wir alle, unabhängig von Status und sozialer Schicht, mehr voneinander erfahren, mehr miteinander statt übereinander sprechen und uns alle auf Augenhöhe wahrnehmen“.

Ohne Ilse Weiß wären der Straßenkreuzer und viele Menschen nicht dort, wo sie heute sind. Auch weiterhin werden sie und der Straßenkreuzer Menschen dazu ermutigen, ihr Leben selbst zu gestalten und allen eine Lobby bieten, die oftmals weniger wahrgenommen werden. Nürnberg sei für diese Aufgabe auch genau richtig – „beweglich und gleichzeitig konservativ“ sei die Stadt, hier habe sich viel Gutes entwickelt.

Für die Zukunft wünscht sie sich, dass Themen, die schon lange im Argen liegen, Gehör finden und dass sie mit dem Straßenkreuzer immer dort ein Stachel sein werden, wo es vonnöten ist. Ilse Weiß ist in ihrer Rolle viel mehr als leitende Redakteurin. Mit ihrem Engagement, ihrem Veränderungswillen, ihrer Beharrlichkeit, aber auch ihrem Wissen um die Widrigkeiten des Lebens und ihrem Respekt den Menschen gegenüber ist sie ein wichtiger Faktor für die Nürnberger Zivilgesellschaft. Sie ist ein außerordentlicher Gewinn für die soziale Landschaft.

Die Stadt Nürnberg verleiht ihr in Würdigung ihrer Verdienste daher die Bürgermedaill

Stadt Nürnberg

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