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Gemessene Klimaveränderungen in Nürnberg

Insgesamt 19 Messstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der Stadt Nürnberg und des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) erfassen im Stadtgebiet eine Vielzahl an meteorologischen Daten, wie Temperatur, Niederschlag oder Windrichtung und Windgeschwindigkeit. Der Vergleich langjähriger (über 30-jähriger) historischer Messdaten erlaubt dabei Aussagen zu den bereits stattgefundenen Klimaveränderungen in Nürnberg. Die DWD-Station Nürnberg-Flughafen bietet mit durchgängigen Temperaturmessungen seit 1934 und Niederschlagsmessungen seit 1956 dabei die beste Datengrundlage.

Temperaturentwicklung

Jahres- und Monatsmitteltemperaturen

Der allgemeine Trend zur Erwärmung in Nürnberg ist deutlich erkennbar. Insbesondere seit den 1990er Jahren sind die Jahresdurchschnittstemperaturen signifikant gestiegen. So waren in den letzten 30 Jahren in Nürnberg nur zwei Jahre nicht wärmer als der langjährige Mittelwert der aktuellen Klimareferenzperiode 1961-1990.
Neun der zehn wärmsten Jahre seit Wetteraufzeichnungen in Nürnberg sind im 21. Jahrhundert gemessen worden. Darunter befinden sich die letzten sechs Jahre. Das Jahr 2018 ist als bislang wärmstes Jahr in die über 80-jährige Statistik eingegangen.
Insgesamt verzeichnet Nürnberg seit 1934 eine Temperaturzunahme von 1,5°C, die so bayernweit auch seit Beginn flächendeckender Wettermessungen in 1881 gemessen wird.

Die Erwärmung vollzieht sich in allen Monaten, wobei die höchsten Zuwächse derzeit im meteorologischen Winter (Dezember-Februar) zu verzeichnen sind. Der meteorologische Herbst (September-November) verzeichnet dagegen die geringsten Zuwächse.

Klimatische Kenngrößen

Neben den Jahres- und Monatsmitteltemperaturen ist an den Messstationen im Stadtgebiet von Nürnberg auch ein deutlicher Anstieg der „Sommertage“ (Tagesmaximum der Lufttemperatur ≥ 25°C) und „heißen Tage“ (Tagesmaximum der Lufttemperatur ≥ 30°C) zu verzeichnen, die als Indikatoren für die Hitzebelastung dienen. Zwischen den Jahren 1956 und 2019 gab es bislang nahezu eine Verdoppelung der Sommertage von durchschnittlich 34 auf 57 Tage pro Jahr und eine Verdreifachung der heißen Tage von durchschnittlich 5 auf 16 Tage pro Jahr.

Im Sommer 2018 wurden an der Station Nürnberg-Flughafen 98 Sommertage und 31 heiße Tage registriert. Dies stellt fast eine Verdoppelung bis Vervierfachung der langjährigen Durchschnittswerte dar und löst alte Rekorde aus den Jahren 2003 und 2015 z.T. ab. Der Sommer 2018 gilt damit als einer der heißesten Sommer seit Wetteraufzeichnung in Nürnberg.

Dagegen nehmen die sog. „Eistage“ (Tagesmaximum der Lufttemperatur < 0°C) und „Frosttage“ (Tagesminimum der Lufttemperatur < 0°C) stetig ab. Zwischen 1956 und 2019 ist eine Verringerung der Eistage von ca. 26 Tagen auf ca. 14 Tagen pro Jahr und eine Verringerung der Frosttage von ca. 111 Tagen auf 84 Tagen pro Jahr zu verzeichnen.

Hitzewellen

Als besonders belastend für die menschliche Gesundheit gelten Hitzewellen. Der Vergleich langjähriger Messreihen der Station Nürnberg-Flughafen zeigt eine deutliche Zunahme von Hitzewellenereignissen in Nürnberg. Seit den 1990er Jahren kam es fast jedes Jahr mindestens zu einer Hitzewelle – oft waren mehrere Hitzewellenereignisse pro Sommer zu verzeichnen. Auch die Dauer der Hitzewellen nimmt zu. Der lineare Trend stellt dabei im Zeitraum 1955-2019 einen Zuwachs von 8 „Hitzewellentagen“ dar.

Als Jahre mit besonders markanten Hitzewellen in Nürnberg gelten die Jahre 1964, 1969, 1976, 1994, 2003, 2015 und 2018. Die Hitzewelle vom 24. Juli bis 09. August 2018 stellt hinsichtlich der Dauer einen neuen Rekordwert dar: Es blieb insgesamt 17 Tage in Folge über 30°C. Dies übertrifft die bisherigen Rekorde von 2003 (13 heiße Tage in Folge) und 2015 (12 heiße Tage in Folge), die allerdings hinsichtlich der Intensität stärker waren.

Die Bewohner der Innenstadtbereiche müssen dabei mit einer ungleich höheren Hitzebelastung leben, als Bewohner der Stadtrandlagen. Hier wird der sog. Wärmeinseleffekt sichtbar. So liegen im Sommer die Temperaturen an Wetterstationen in der Innenstadt im Mittel 2-3°C über den Stadtrand-Stationen. Allerdings können die Temperaturunterschiede im Tagesverlauf bis zu 10°C betragen, da sich die Luft nachts in der Stadt aufgrund der dichten Bebauung im Sommer nur sehr langsam abkühlt. So treten in der Innenstadt weitaus öfter Tropennächte (die Nachttemperaturen fallen nicht unter 20°C) auf, als beispielsweise in Stadtrandlagen. Während der 17-tägigen Hitzewelle vom 24. Juli bis 09. August 2018 kam es am Jakobsplatz z.B. insgesamt zu 13 Tropennächten, am Flughafen dagegen nur zu einer Tropennacht. Tropennächte werden für die Stadtbevölkerung als sehr belastend empfunden, da die körperliche Regeneration über Nacht erschwert wird.

Niederschlagsentwicklung

Jahres- und Monatssummen

Anders als bei der Temperatur lässt sich beim Niederschlag bislang kein klarer Trend einer Klimaveränderung feststellen. Das Jahr 2018 war zwar extrem trocken, dennoch ergaben die langjährigen Trendanalysen der Messstationen Flughafen, Netzstall und Krottenbach keine einheitlichen und signifikanten Veränderungen der Jahresniederschlagssumme (Flughafen leichter Rückgang, Netzstall und Krottenbach leichter Zuwachs).

Auch hinsichtlich der einzelnen Monate und Jahreszeiten lassen sich keine eindeutigen Trends feststellen. Die von den Klimamodellen prognostizierten trockneren Sommer und feuchteren Winter sind in den Messdaten bislang nur ansatzweise zu erkennen (leichte Zunahme im Januar, leichte Abnahme im Juni und August).

Starkregenereignisse

Ebenso ist bislang kein signifikanter Trend einer Zunahme von Starkregenereignissen in Nürnberg zu erkennen. Die Analyse historischer Messdaten ergab, dass es im Schnitt zu weniger als einem Starkregenereignis (>15mm Niederschlag pro Stunde) pro Jahr kommt. Dennoch muss beachtet werden, dass für Nürnberg noch keine 30-jährigen Zeitreihen zu Starkregen vorliegen. Somit lassen sich noch keine Aussagen zu klimatischen Veränderungen treffen. Hinzu kommt, dass Starkregenereignisse lokal sehr begrenzt auftreten, was bezüglich der Auswertung einzelner Messstationen immer beachtet werden muss.

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