Phosphor
Phosphor ist für alle Organismen ein notwendiger Nährstoff. Er ist wesentlicher Bestandteil zellulärer Strukturen und ist für zahlreiche lebenswichtige Stoffwechselreaktionen, insbesondere für den intrazellulären Energiehaushalt, unentbehrlich. In der Natur tritt Phosphor jedoch aufgrund seiner großen Reaktionsfähigkeit niemals elementar auf. Phosphor liegt entweder in anorganischen Verbindungen oder in organischer Bindung vor. Wichtige anorganische Verbindungen sind die Phosphate sowie kondensierte Polyphosphorsäuren und Polyphosphate. Zu den organischen Verbindungen des Phosphors zählen neben den vielfältigen natürlichen auch die zahlreichen synthetisch hergestellten Phosphorverbindungen. Die einzelnen Fraktionen stehen untereinander durch chemische, physikalische und stoffwechseldynamische Prozesse kreislaufartig in Verbindung und engem Austausch.
Die gelösten Phosphorverbindungen umfassen das unmittelbar pflanzenverfügbare Orthophosphat, verschiedene Polyphosphate und lösliche, phosphorhaltige organische Verbindungen. Ungelösten Phosphor findet man vor allem in phosphathaltigem Gestein und unter aeroben Bedingungen im Sediment.
In Oberflächengewässer gelangt Phosphor über verschiedene punktförmige und diffuse, natürliche, in erster Linie aber anthropogene Quellen. Phosphor ist in Exkrementen enthalten und wird in Form anorganischer Verbindungen in Düngemitteln und in Form phosphororganischer Verbindungen in Schädlingsbekämpfungsmitteln verwendet. Häusliche, landwirtschaftliche, aber auch industrielle Abwässer sind daher Haupteintragsquellen für Phosphor. Desweiteren gelangt durch Erosion ein beträchtlicher Anteil von Phosphorverbindungen diffus mit den abgeschwemmten, teilweise überdüngten Böden in die Gewässer. Nicht zu vernachlässigen sind Phophoreinträge über die Niederschläge.
In nicht verunreinigten Gewässern ist Phosphor natürlicherweise in sehr geringen Konzentrationen vorhanden und begrenzt als Minimumfaktor das Wachstum der Pflanzen. Durch anthropogene Zufuhr wird Phosphor zum Haupt-Eutrophierungsfaktor. Folgeerscheinungen bei ausreichender Lichtzufuhr sind starke Verkrautungen durch höhere submerse und emerse Wasserpflanzen sowie Fadenalgen oder eine massenhafte Vermehrung des Phytoplanktons (Algenblüten). Das übermäßige Pflanzenwachstum zieht vor allem tagesperiodische Schwankungen des Sauerstoffgehaltes mit Übersättigungen, sowie pH-Wert-Anstiege tagsüber und deutliche Sauerstoffdefizite in den frühen Morgenstunden nach sich. Absterbende Pflanzenmassen führen zu einer Sekundärbelastung durch Schlammbildung und Sauerstoffzehrung.
Während natürliche Phosphorverbindungen nicht toxisch wirken, sind manche synthetisch hergestellten Verbindungen, die z.B. als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, hochtoxisch.
In nicht verunreinigten Gewässern wird Orthophosphat nur in sehr geringen Konzentrationen zwischen 0,01 und 0,05 mg/L P vorgefunden. Andere Phosphorfraktionen dominieren. Der Gesamtphosphorgehalt beträgt jedoch häufig nur um 0,1 mg/L P. In abwasserbelasteten Gewässern nimmt der Gesamtphosphorgehalt deutlich zu, wobei Orthophosphat häufig vorherrscht. Die Konzentration kann bis auf mehrere mg/L ansteigen.
In eutrophierten Gewässern kann dagegen zur Zeit des Pflanzenwachstums der Orthophosphatgehalt deutlich vermindert sein, da der Phosphor in pflanzlicher Biomasse gebunden vorliegt. Als kritische Phosphorkonzentration für Eutrophierungsprozesse können für langsam fließende oder gestaute Gewässer Gehalte von 0,1 – 0,2 mg/L Gesamtphosphor gelten. Erhöhte Abflüsse bewirken zumeist eine Zunahme der ungelösten Phosphorverbindungen durch Bodenabschwemmung und Sedimentaufwirbelung und eine Abnahme der Orthophosphatkonzentration durch Verdünnung.