Nr. 152 / 11.02.2026
Die Trägerinnen und Träger des „Mosaik-Jugendpreises – Mit Vielfalt gegen Rassismus“ 2026 stehen fest: Das Nürnberger Schultheaterprojekt „Das was fehlt – Eine Übung im gemeinsamen Erinnern“ der Scharrer-Mittelschule ist eines der insgesamt vier ausgezeichneten Projekte. Im Gedenken an die Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund („NSU“) in Bayern vergeben die Städte Nürnberg und München die mit insgesamt 9 000 Euro dotierte Auszeichnung seit 2025. Die Verleihung findet am Mittwoch, 18. März, um 17 Uhr im NS-Dokumentationszentrum München statt und ist Teil des Programms der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“.
„Die drei grausamen Morde an Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru und Ismail Yaşar sowie der hinterhältige Bombenanschlag 1999 auf Serkan Yildirim, den er zum Glück überlebte, werden in Nürnberg nie vergessen werden“, so Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König. „Der Mosaik-Jugendpreis lässt uns einerseits der Opfer gedenken und gleichzeitig deutlich machen: Jede und jeder ist aufgerufen, dafür zu sorgen, dass Rassismus, Rechtsextremismus und Menschenverachtung in unserer Stadt keinen Platz haben. Besonders beeindruckend ist daher auch das Engagement der jungen Menschen, die sich mit kreativen Projekten gegen Rassismus und für ein respektvolles Miteinander einsetzen.“
Von März bis Oktober 2025 konnten sich Initiativen, Organisationen und Schulen bewerben. Insgesamt gingen 18 Bewerbungen ein, davon sechs aus Nürnberg und zwölf aus München. Die Jury entschied, das Preisgeld auf vier Projekte aufzuteilen: einen ersten Preis, einen zweiten Preis sowie zwei dritte Preise. Die Jury setzt sich aus Angehörigen der Opfer aus Nürnberg und München, Vertreterinnen und Vertretern des Nürnberger Rats für Integration und Zuwanderung sowie des Migrationsbeirats München sowie jeweils drei engagierten Jugendlichen aus beiden Städten zusammen. Das Preisgeld finanzieren beide Kommunen zu gleichen Teilen.
Prämiert werden Projekte, die sich gegen (Alltags-) Rassismus einsetzen, Dialog und Begegnung fördern und maßgeblich von Jugendlichen und jungen Erwachsenen initiiert, gestaltet oder getragen werden. „Junge Menschen spielen eine weit größere Rolle im Kampf gegen Rassismus, als ihnen oft bewusst ist. Sie stellen Denkmuster in Frage und fordern Veränderungen ein. Die meisten Jugendlichen leben Vielfalt als etwas Selbstverständliches und zeigen damit auch, wie eine Gesellschaft aussehen kann, die nicht von Angst und Vorurteilen geprägt ist, sondern von Respekt und Neugier“, so die Leiterin des Menschenrechtsbüros, Martina Mittenhuber.
Der erste Preis geht an das Ausstellungsprojekt „Doppelt Unsichtbar“, das von Mädchen* und jungen Frauen* im Alter von 9 bis 17 Jahren entwickelt wurde. Das Projekt beschäftigt sich mit der Überschneidung von Rassismus und Sexismus im Alltag und macht Erfahrungen sichtbar, die häufig übersehen werden. Ausgehend von persönlichen Erlebnissen setzten sich die Teilnehmerinnen* mit Themen wie Intersektionalität, Kolonialismus, Raubkunst sowie antirassistischen Vorbildern auseinander. In einem generationenübergreifenden Austausch entstand eine Ausstellung mit sechs künstlerischen Arbeiten, darunter Collagen, Graffiti, Stickerkunst und gemeinschaftliche Installationen. Die Ausstellung wird 2026 im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus im Guardini90 in München präsentiert.
Der zweite Preis geht an ein Theaterprojekt der Theater-AG der Scharrer-Mittelschule Nürnberg. Über acht Monate entwickelten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften und Studierenden der Akademie für Darstellende Kunst Bayern ein Theaterstück, das sich mit der NSU-Mordserie auseinandersetzt. Ausgangspunkt war die Geschichte von Ismail Yaşar, der 2005 in Nürnberg ermordet wurde. Das Stück entstand auf Grundlage persönlicher Biografien, historischer Fakten und klassischer Theaterliteratur. Das Projekt verbindet Erinnerungskultur mit künstlerischer Auseinandersetzung und ermöglicht Jugendlichen, eigene Ausdrucksformen zu entwickeln. Neben der Premiere in den Kammerspielen des Staatstheaters Nürnberg wurde das Stück auch im Stadtteil am Ismail-Yaşar-Platz aufgeführt.
Die DeinLife-Jugendredaktion entwickelte gemeinsam mit dem Medienzentrum München einen Podcast, der sich mit der Wirkung rechter Hetze auf gesellschaftliche Debatten beschäftigt. Neben journalistischer Recherche und Interviews kommen insbesondere geflüchtete junge Menschen zu Wort. Das Projekt richtet sich bewusst an junge Zielgruppen und nutzt Formate und Plattformen aus deren Medienalltag, um faktenbasierte Informationen bereitzustellen und junge Perspektiven sichtbar zu machen.
Das Kollektiv „The Sisterhood Munich“ organisiert seit mehreren Jahren Treffen und Veranstaltungen für schwarze Frauen* und Mädchen* im Alter von 14 bis 27 Jahren. Ziel ist es, geschützte Räume für Austausch, Empowerment und Gemeinschaft zu schaffen. Neben Freizeit- und Bildungsangeboten organisiert das Kollektiv Workshops, kulturelle Veranstaltungen und Projekte zur Förderung der mentalen und körperlichen Gesundheit. Die Initiative leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von Selbstbewusstsein, gesellschaftlicher Teilhabe und gegenseitiger Unterstützung innerhalb der Community. maj
Weitere Informationen zum „Mosaik-Jugendpreis – Mit Vielfalt gegen Rassismus“ online unter
www.nuernberg.de/internet/menschenrechte/mosaik_jugendpreis.html