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Reflexionsveranstaltung zum Projektende von IKÖK

Interkulturelle Schulungen für Abteilungen der Kommunalverwaltung gehörten ebenso dazu wie Workshops, in denen aus verschiedenen Perspektiven auf die Stadtverwaltung und deren Bedarfe an interkultureller Öffnung geblickt wurde, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen zu formulieren. In einer Informations- und Reflexionsveranstaltung am 3. Juni im Caritas-Pirckheimer-Haus bot sich die Möglichkeit, gemeinsam Resümee zu ziehen über Prozess und Ergebnisse des Projekts.

„Dass Rassismus kein individuelles Fehlverhalten ist, sondern als gesellschaftliches System von Diskursen und Praxen die Machtverhältnisse produziert und reproduziert“, das war einer der zentralen Erkenntnis, mit denen Andrea Rumpel vom Institut Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen zu Beginn das Diskursfeld absteckte. Am Beispiel von Polizei, Gesundheitswesen und Arbeitsverwaltung zeigte sie auf, welche Formen von Diskriminierung Menschen in Behörden begegnen, die als zugewandert gelesen werden. Sie machte außerdem deutlich, dass rassistisches Verhalten oftmals nicht als solches beabsichtigt ist, sondern eine Funktion erfüllt; nämlich Unsicherheit zu reduzieren und damit zwischenmenschliche Situationen wieder einschätzbar und beherrschbar zu machen – wenn auch leider eben nur aus einer der beiden Perspektiven.

Während der regen Diskussion unter den rund 70 Teilnehmenden, die sich an Rumpels Vortrag anschloss, schilderten zahlreiche Personen ihre eigenen Erfahrungen mit strukturellem und institutionellem Rassismus. So erschütternd jedes einzelne dieser Beispiele für sich genommen war, so sehr ergab sich aus der Gesamtschau der Erzählungen die dingende Mahnung, dass struktureller Rassismus in Behörden nach wie vor alltägliche Realität und in unterschiedlichsten Situationen zu finden ist.

Im Sinne dieser Mahnung stellte Cornelia Stenzel vom Projektteam eine Auswahl an Handlungsempfehlungen dar, die sich aus dem Prozess ergeben haben und die in einer Print-Publikation vollständig und detailliert aufgeführt sind. Zum einen verfolgen die Empfehlungen das Ziel, den Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in der städtischen Belegschaft zu erhöhen, sodass diese Belegschaft die Vielfalt der Stadtbevölkerung besser widerspiegelt. Zum anderen steht die Stadt als Dienstleisterin für alle Bürgerinnen und Bürger im Fokus.

Um Problembeschreibungen, Wünsche und Handlungsempfehlungen ging es auch in der abschließenden Podiumsdiskussion. Die Podiumsgäste vertraten die Akteursgruppen aus den Workshop-Reihen sowie den Bereich der interkulturellen Schulungen.

IKÖK Reflexionsveranstaltung Podium

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Zühre Özdemir-Hohn ist Geschäftsführerin des Dachverbands Migrantenorganisationen in Nürnberg, kurz: MOiN e.V. Sie berichtete aus dem Workshop der Migrantenorganisationen, dass das Fehlen von Wertschätzung das beherrschende Thema dieser Runde war.

Martina Perkovic hatte sich im Workshop von städtischen Beschäftigten mit Zuwanderungsgeschichte engagiert, in dem die Stadt vor allem als Arbeitgeberin betrachtet worden war. Sie arbeitet in der ZAMberatung der Zentralen Anlaufstelle Migration. Dort berät sie Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu verschiedensten Themen. Mit diesem persönlichen Hintergrund konnte sie gleich Erfahrungen aus mehreren Blickwinkeln in den Prozess einbringen. Perkovic und Özdemir-Hohn benannten beide als ganz aktuelles Problem, dass durch bestimmte gesetzliche Regelungen, aber auch konkrete Praxis eine deutliche Ungleichbehandlung zwischen Geflüchteten aus der Ukraine und solchen aus anderen Fluchtherkunftsländern erkennbar sei.

Martin Witte kennt die Stadt als wichtige Kooperationspartnerin aus seiner Tätigkeit als Jobbegleiter. Dabei sieht er sich regelmäßig in der Situation, gegenüber Arbeitgebern das Verwaltungshandeln und die daraus resultierenden Unsicherheiten und Wartezeiten für Betriebe sowie für Bewerberinnen und Bewerber erklären zu müssen.

Gisela Woitzik-Karamizadeh mahnte angesichts des Projektendes von IKÖK alle Beteiligten, mit Nachdruck bei der Sache zu bleiben und plädierte in diesem Zusammenhang für verpflichtende interkulturelle Schulungen in der Stadtverwaltung. „Ich möchte nicht mehr von einem zarten Pflänzchen reden.“, so Woitzik-Karamizadeh, „Wir arbeiten bei der AWO seit 20 Jahren am Prozess der interkulturellen Öffnung. Das sollte eigentlich schon eine Eiche sein.“

Interkulturelle Öffnung in Kommunen

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