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Gesicherte medizinische Versorgung

Bild: schwarze und weiße Hand verschränkt

Neu in unserer Stadt

Aus Kriegs- und Krisengebieten, vor allem aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und zunehmend aus afrikanischen Ländern wie Eritrea, Nigeria oder Äthiopien stammen die Flüchtlinge, die in Nürnberg ankommen. Über 9500 registrierte Personen mit Fluchtmigration leben innerstädtischen Schätzungen zufolge heute in Nürnberg. Etwa 600 davon sind unbegleitete Minderjährige. Bisher waren die Mehrheit der Flüchtlinge junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren, doch inzwischen kommen durch den Familiennachzug auch zunehmend Frauen und Kinder zu uns.

Zwar ist die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen, doch nach wie vor machen sich viele Menschen auf den langen Weg nach Europa. Sie fliehen vor Zerstörung und Gewalt in ihren Heimatländern, vor Hunger und Perspektivlosigkeit in den überfüllten Flüchtlingslagern. Und so geht auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge davon aus, dass der Zustrom nicht abreissen wird. Alle Flüchtlinge, die in der Stadt ankommen, müssen sich beim zuständigen Gesundheitsamt einer Erstuntersuchung unterziehen. So schreibt es § 62 des Asylverfahrensgesetzes vor. Angesichts der vielen Verletzten und gesundheitlich Angegriffenen entschieden die Verantwortlichen des Gesundheitsamtes sehr schnell, zusätzlich eine medizinische Basisversorgung anzubieten. Daraus ist inzwischen ein ehrgeiziges Projekt entstanden, das die ärztliche Versorgung für alle Flüchtlinge sicher stellen will.
„Das Recht auf körperliche Unversehrtheit und ausreichende medizinische Behandlung muss für alle Menschen gelten, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrem rechtlichen Status und ihrer sozialen Lage“, erklärt denn auch Dr. Fred-Jürgen Beier, Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg die klare Entscheidung. Viele der Flüchtlinge, die hier ankommen, haben eine monate-, oft sogar jahrelange Flucht hinter sich. Viele haben Gräueltaten überlebt, Gewalt erlebt und Freunde oder Angehörige verloren. Und viele, Frauen wie Männer, berichten von systematischer sexualisierter Gewalt in den Kriegsgebieten und Vergewaltigungen während der Flucht. Häufig sehen die Ärzte schreckliche Verletzungen, unversorgte Schusswunden oder Spuren von Folter und Misshandlungen.

Bild: Kind auf der Flucht

Schreckliches erlebt

„Nach häufig traumatischen Erfahrungen im Heimatland und während der oft langen Flucht sind die meisten Flüchtenden körperlich und seelisch erschöpft, wenn sie hier ankommen“, verweist Dr. Katja Günther, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg und zuständige Bereichsleitung für die medizinische Flüchtlingsversorgung, auf die klare Aufgabe der medizinischen Versorgung. Aus den teils noch chaotischen Anfängen, als im Stadionbad oder auf der Deutschherrenwiese täglich Hunderte von Flüchtlingen auch unter freiem Himmel medizinisch versorgt wurden, ist inzwischen ein geregelter Praxisbetrieb entstanden. Heute versorgt ein interkulturelles vielsprachiges Team aus Ärzten und medizinischen Fachangestellten die Flüchtlinge in Nürnberg, berät und vermittelt in das Regelsystem. Im April diesen Jahres ist die „Flüchtlingspraxis“ von der Tillystraße in die Dianastraße umgezogen. Und nach wie vor ist sie sichere Anlaufstelle für Flüchtlinge, die schon wegen der Sprachbarriere den Weg zum Arzt sonst nicht finden würden.
Große Anerkennung gab es im Gesundheitsausschuss der Stadt Nürnberg für das Engagement dieses Teams und seine interkulturelle Arbeit. Die Verantwortlichen hoffen, dass sie auch künftig mit ihrer etwas anderen „Praxis“ die medizinische Versorgung der Flüchtlinge sicher stellen können. Inzwischen sind die Aufgaben des Teams gewachsen. Unterm gleichen Dach hat im April die Fachstelle Trauma für Flüchtlinge eröffnet. Für die hier arbeitenden Psychotherapeuten und Psychiater sind die interkulturellen Erfahrungen der Ärzte wertvolle Grundlage der Arbeit, der permanente Austausch wichtiger Garant des Erfolgs beider Fachstellen. Die beiden Fachstellen unter einem Dach sind in Deutschland ein einmaliges Projekt zur medizinischen und psychiatrischen Versorgung von Flüchtlingen. In den Augen vieler ein Leuchtturmprojekt mit Zukunft.

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