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Neuankömmlinge in Nürnberg

Bild: schwarze und weiße Hand verschränkt

Über 8200 registrierte Flüchtlinge leben heute im Stadtgebiet Nürnberg in insgesamt 178 Unterkünften, von kleinen Wohneinheiten bis zu den über 300 Personen fassenden Gemeinschaftsunterkünften. Dazu kommen etwa 400 unbegleitete Minderjährige, die gesondert betreut werden. Zwar ist die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen, doch machen sich immer noch viele Menschen auf den langen Weg nach Europa. Derzeit geht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge davon aus, dass bis Jahresende noch rund 3000 Asylsuchende in Nürnberg ankommen werden.
Aus Kriegs- und Krisengebieten, vor allem aus Syrien, dem Irak, dem Iran und zunehmend aus afrikanischen Ländern wie Eritrea oder Äthiopien stammen die Flüchtlinge, die in Nürnberg stranden. Meist kommen junge Männer hier an, doch immer häufiger machen sich auch Frauen und Kinder auf den gefährlichen Weg übers Mittelmeer. Sie fliehen vor Zerstörung und Gewalt in den Heimatländern, vor Hunger und Perspektivlosigkeit in den Flüchtlingslagern.

Bild: Rettungswesten am Strand

Schreckliches erlebt

„Das Recht auf körperliche Unversehrtheit und ausreichende medizinische Behandlung muss für alle Menschen gelten, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrem rechtlichen Status und ihrer sozialen Lage“, betont Dr. Fred-Jürgen Beier, Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg.

Viele der Flüchtlinge, die hier ankommen, haben eine monate-, oft sogar jahrelange Flucht hinter sich. Viele haben Schreckliches erlebt, haben Freunde oder Angehörige verloren. Und viele Frauen berichten von Vergewaltigungen während der Flucht.
„Nach häufig traumatischen Erfahrungen im Heimatland und während der oft langen Flucht sind die meisten Flüchtenden körperlich und seelisch erschöpft wenn sie hier ankommen“, weiß Dr. Katja Günther, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg und zuständige Bereichsleitung für die medizinische Flüchtlingsversorgung. Zusammen mit einem schnell zusammengestellten , internationalen Team aus Kollegen und medizinischem Fachpersonal haben Ärzte des Gesundheitsamtes während der „Flüchtlingswelle“ im vergangenen Jahr die Ankommenden untersucht und geimpft, unterstützt von vielen ehrenamtlichen Helfern. Viele Flüchtlinge kamen mit Verletzungen, einige sogar mit nicht behandelten Schusswunden, mit Spuren von Folter oder Misshandlungen.

Chaotische Anfänge

Medizinisch untersucht werden müssen alle, die hier ankommen, so schreibt es §62 des Asylverfahrensgesetzes vor. Aus den chaotischen Anfängen ist inzwischen ein routinierter Praxisbetrieb entstanden. Im Stadionbad und in Zelten wie beispielsweise auf der Deutschherrenwiese wurden im vergangenen Sommer und Herbst manchmal 100 Menschen am Tag behandelt, erinnert sich Dr. Günther. Der nächste Schritt war dann eine kleine, provisorische medizinische „Praxis“ in der Notunterkunft in der Tillystraße. Heute gibt es in der Tillystraße moderne Praxisräume, in denen drei Ärzte, Krankenschwestern und medizinisches Fachpersonal die Flüchtlinge betreuen, von der Erstuntersuchung bis zur hausärztlichen Basisversorgung.

Erfolgsmodell mit Zukunft

Große Anerkennung gab es im Gesundheitsausschuss der Stadt Nürnberg für das Engagement dieses Teams und seine interkulturelle Arbeit. Dieses Erfolgsmodell soll nun zu einer festen Einrichtung für alle Flüchtlinge in der Stadt Nürnberg werden: Der Gesundheitsausschuss sprach sich positiv für das Modell einer „Schwerpunktpraxis Asyl“ unter der Federführung des Gesundheitsamtes Nürnberg aus – die Möglichkeiten der Umsetzung werden gerade mit dem Sozialamt und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns geklärt. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge sicher zu stellen. Doch es gibt weitere Ziele: Viele der Menschen, die bei uns ankommen, sind schwer traumatisiert, fasst Dr. Günther ihre Erfahrungen zusammen. Daher hat das Gesundheitsamt Nürnberg inzwischen begonnen, bei der Erstuntersuchung auch ein psychiatrisches Screening durchzuführen. Menschen, die hier auffällig sind, sollen in die fachärztliche Behandlung vermittelt werden. Mittelfristig, so ist die Planung, soll eine Traumafachstelle etabliert werden. Das Team im Gesundheitsamt hat also noch einiges vor, zum Wohle der Menschen, die bei uns Schutz suchen. Und dabei gilt für alle die klare Prämisse, dass ein Urteil über die Rechtmäßigkeit des Aufenthaltes im jeweiligen Land nicht von Ärzten getroffen werden kann.

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