Kontrast Hilfe zur Nutzung dieser Seite

Erste Polio-Impfungen vor 60 Jahren. Bitte dranbleiben!

Was ist Kinderlähmung -Polio ?

Poliomyelitis, kurz Polio ( Kinderlähmung) ist eine hochansteckende Infektionskrankheit. Sie tritt hauptsächlich bei Kindern unter fünf Jahren auf. Der Erreger, das Poliovirus, vermehrt sich vorwiegend im Darm, wird von dort ausgeschieden und dann über Trinkwasser und Nahrung aufgenommen. Nach der Infektion vermehrt sich das Poliovirus im Rachen und kann auch über Husten und Niesen übertragen werden. Zumeist verläuft die Erkrankung symptomlos oder mit leichten Beschwerden wie Schnupfen, Fieber, Halsschmerzen, Muskelschmerzen,Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Übelkeit. Bei 0,1-1% 1 der Fälle dringt das Virus in das Nervensystem ein und verursacht Lähmungen, die sich nur teilweise, aber nicht vollständig zurückbilden.

Bis heute ist Polio nicht heilbar. Allein eine Impfung schützt. Die Schutzimpfung gegen Polio wird von Kinderärzten im Zuge der gut verträglichen, regulären Sechsfach-Impfung (Diphtherie, Hepatitis B, Hib - Haemophilus influenzae Typ b-, Keuchhusten, Wundstarrkrampf- Tetanus und Kinderlähmung - Poliomyelitis) ab dem 2. Lebensmonat verabreicht. Damit wirkt ein einziger Impfstoff gegen sechs verschiedene Infektionskrankheiten gleichzeitig. Das Gesundheitsamt rät anläßlich des heutigen Welt- Polio-Tags dringend dazu, diese kostenlosen Impf-Angebote beim Kinderarzt oder bei der Kinderärztin wahrzunehmen. Geimpfte sind immun und können nicht an Kinderlähmung erkranken.

1962 - Im Freistaat Bayern bundesweit die ersten Polio-Impfung!

Zuletzt im Jahr 1961 hatte in der Bundesrepublik Deutschland eine schwere Polio-Epidemie zu 4 600 Erkrankten, über 3 300 Gelähmten und zu 272 Toten geführt. Auch 1953 und 1954 hatte es Tausende Polio-Fälle gegeben. Stark ausgepägt war Polio einst in den USA, die jährlich rund 35.000 Neuerkrankungen verzeichneten.

Ein Jahr später stand erstmals eine Impfstoff gegen Polio zu Verfügung. Für ihn wurde mit der eingängigen Warnung „Schluckimpfung ist süss, Kinderlähmung ist bitter!“ auf Plakaten, Werbeträgern und in Zeitungen geworben.

Vor exakt 60 Jahren sind die ersten Polio-Schluckimpfungen in der Bundesrepublik Deutschland verabreicht worden. Mitglieder des Nürnberger Stadtrats waren seinerzeit mit gutem Beispiel vorangegangen. Dieser Moment wurde fotografisch festgehalten. Der damalige Leiter des Nürnberger Gesundheitsamtes Dr. Eduard David hatte für den Impfstoff geworben: Er habe eine zwanzigfach stärkere Immunität gegenüber den früheren Impfungen, die vor allem in den USA per Spritzen verabreicht worden waren.

Der Freistaat Bayerm war seinerzeit das erste Bundesland, das im Februar 1962 eine flächendeckende Impfung eingeführt hatte.

Die Polio-Impfung erwies sich als Erfolgsgeschichte: Die Inzidenz, das heißt dieZahl der Neuerkrankungen, sank binnen eines Jahres um über 90 %. In Deutschland gilt das Virus seit der flächendeckenden Impfungen in den 60er-Jahren als ausgerottet.

Polio - aktuelle Lage

Im Juni 2022 wurde in London das Polio-Virus im Abwasser und damit erstmals seit den 80er-Jahren nachgewiesen. Im Sommer 2022 waren in 4 Stadtbezirken von New York, im Abwasser Polio-Erreger gefunden worden; es gab erstmals wieder einen mit Polio infizierten Ungeimpften mit den typischen Lähmungserscheinungen. Die Gouverneurin im US-Bundesstaat New York rief daraufhin den Katastrophenfall aus und forderte Ungeimpfte auf, sich gegen Polio impfen zu lassen. 14 % der Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren sind in New York nicht oder nur unvollständig dagegen geimpft.

Auch in Jesusalem und der Ukraine vereinzelt Polio-Viren gemeldet. In den Ländern Pakistan und Afghanistan sind bis heute größere Polio-Infektionszahlen zu verzeichnen. Generell werden Impflücken und Migrationsbewegungen von Ungeimpften als Ursache für das Wiederauftreten von Polio-Viren weltweit ausgemacht.

Deshalb gilt: Je mehr Personen sich gegen Polio impfen lassen, desto weniger hoch sind die Chancen des Virus, sich zu verbreiten.

Auch in Deutschland sank zuletzt die Impfquote gegen Polio: "Die Impfquoten sind zu niedrig", sagt Sabine Diedrich, Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für Poliomyelitis und Enteroviren am RKI dem Ersten Deutschen Fernsehen. In den vergangenen drei Jahren wurde in Deutschland ein leichter, aber deutlicher Abfall der Polio-Impfraten registriert. Ein Prozent weniger geimpfte Kinder im Jahr klinge nicht viel, ergänzte Diedrich. "Ein Geburtsjahrgang umfasst in Deutschland aber rund 700.000 Kinder. Wenn sieben Prozent nicht geimpft sind, heißt das, dass pro Jahr fast 50.000 Kinder nicht mehr gegen Polio geschützt sind". Und die Zahl der nicht-geimpften Kinder steige von Jahr zu Jahr an.

Aus diesem Grund rät das Gesundheitsamt Nürnberg dringend dazu, beim Impfschutz nicht nachzulassen.

Hilfe bei Poliogruppe Franken

Die lebensfrohe Nürnbergerin Angelika Behrenhoff leitet die Poliogruppe Franken. Sie und ihr Bruder hatten sich an ihrem damaligen Wohnort am Niederrhein infiziert. Ihr ist eine Beeinträchtigung in einem Bein verblieben. Insgesamt ist sie sehr positiv gestimmt: „Ich bin eine der Jüngsten in unserer Selbsthilfegruppe. Wir haben Nachwuchsprobleme. Das ist eigentlich ein optimistisches Zeichen dafür, dass Polio seinen Schrecken verloren hat.

Zurück zum Seitenanfang URL dieser Seite
<http://www.nuernberg.de/internet/gesundheitsamt/aktuell_81733.html>