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Kunstwettbewerb Nelson-Mandela-Platz

Im August 2015 wurde der internationale öffentliche Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Nelson-Mandela-Platzes ausgeschrieben und hatte zum Ziel, eine Nelson Mandela gewidmete künstlerische Arbeit zu realisieren.
Da zum ursprünglichen Abgabetermin im September 2015 nur 20 Kunstprojekte eingereicht wurden, entschied sich die mit externen Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichtern besetzte Jury, die Abgabefrist bis zum 13. Januar 2016 zu verlängern.

Die Arbeit wird im Bereich des von der Stadt Nürnberg nach den Plänen des Landschaftsarchitekten Prof. Rainer Schmidt neugestalteten Nelson-Mandela-Platzes installiert.

Der Nelson-Mandela-Platz hat in seiner Funktion als „Eingangstor zur Südstadt“ einen herausragenden Stellenwert im Stadtgefüge. Eine Neugestaltung trägt darüber hinaus in hohem Maße zur Attraktivität des Bahnhofsumfeldes bei. Täglich kreuzen 25.000 Zugfahrer und Bahnhofsbesucher diesen Platz, um zum Süd-West-Ausgang des Bahnhofs zu gelangen. Im Rahmen der Neugestaltung des Areals will die Deutsche Bahn einen weiteren Ausgang im Süd-Osten schaffen.

Das Preisgericht hatte sich daraufhin am 25. Januar 2016 bei der Beurteilung der nun 127 eingereichten Arbeiten für vier Kunstprojekte entschieden, die zur zweiten Phase zugelassen wurden. Das Preisgericht hat in mehreren Wertungsrundgängen die Arbeiten diskutiert. In der zweiten Runde standen 44 Arbeiten, in der letzten Runde noch 19 Arbeiten zur Abstimmung.

Das Niveau der eingereichten Arbeiten war außerordentlich hoch. Die vier Künstler bzw. Künstlergruppen, die im ersten Wertungsrundgang ausgelobt wurden, wurden neben den vier gesetzten Künstlern beauftragt, ihre Entwürfe am 7. März der Jury vorzustellen.
Das Preisgericht zum Kunstwettbewerb Nelson-Mandela-Platz hatte in seiner Sitzung am 07. März 2016 sieben der acht zugelassenen Arbeiten zu begutachten, aus denen das Projekt „Rolihlahla" vom Künstlerduo missing icons als Gewinner hervor ging.

Rolihlahla = pulling the branch of a tree = troublemaker = Unruhestifter war der erste Vorname Nelson Mandelas. Das gleichnamige Kunstprojekt beginnt mit der Suche nach einer besonderen Mikroskulptur: In Südafrika wird ein wertvoller, klarer Diamant mit Einschlüssen angekauft, die für die Verarbeitung in lupenreine Brillanten störend und wertmindernd wären. Sie sind Spuren von Jahrmillionen Erdgeschichte, in denen er adamantem (gr. unbezwingbar) verdichtet entstanden ist.

Für seine öffentliche Präsentation auf dem Nelson-Mandela-Platz wird der ca. 1,5 cm messende Diamant in einen h 183 x b 62 x 28 cm großen, optisch klaren Acrylglasblock eingegossen. Das Glas umfasst den Luftraum einer an Nelson Mandelas Körpermaßen orientierten, hochkant stehenden Box. Der atomare Aufbau von Acrylglas entspricht, wie der von Glas, vereinfachend gesagt, dem einer Flüssigkeit, so dass der Diamantkristall in einer vor der Kristallisation erstarrten Flüssigkeit schwimmt und von allen Seiten ansichtig ist.

Die Wahl des Aufstellungsorts bildet den Anfang eines mikropolitischen Prozesses, welcher mit dem Landschaftsarchitekten Rainer Schmidt gesucht wird. Dabei sollen die künftig entstehenden Trampelpfade in Richtung des Kunstwerkes quer durch die Rasenflächen mit berücksichtigt werden. Mit der Aufstellung des 500 kg schweren, makellosen Acrylglasquaders auf dem Platz wird der Diamant dann in die Verantwortung der Nürnberger Stadtgesellschaft und in die Hand der Bürger/innen übergeben.

Er wird zum einen Kunstinteressierte und Schaulustige an den Galgenhof in die Südstadt ziehen, zum anderen Menschen, die ihn besitzen oder die Präsentation zerstören wollen. Der Diamant im Acrylblock provoziert ein Wechselspiel von respektvoller Annäherung und Begehren, zerstörerischem Angriff und der Abwehr der Angriffe. Es ist aufwändig, aber möglich, die durch Kratzen, Schaben oder Hämmern entstandenen Schäden an der Acrylglasummantelung auszubessern.

Der Diamant auf dem Platz ist ein Rolihlahla, ein produktiver Unruhestifter: Die sich auf dem Acrylglasblock abzeichnenden Spuren spiegeln die Konflikte bei der Formulierung, Auslegung und Durchsetzung universeller Menschenrechte und Werte wider. Sie sind nie final gegeben. Auch der Diamant ist als Wert abstrakt und zugleich einmalig und real. Er erscheint greifbar nah und bleibt doch unerreichbar. Sein Schutz ebenso wie der Erhalt seiner Sichtbarkeit und Wirksamkeit ist aufwändig und endet nie.

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