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Empfehlung für Standort der Ausweichspielstätte

Aussenansicht der Kongresshalle

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Die Kongresshalle wird Standort für die Ausweichspielstätte des Staatstheaters. Hierfür soll ein Ergänzungsbau mit Bühne, Orchestergraben und Zuschauerraum auf dem Areal der Kongresshalle errichtet werden. Wo genau, dafür hat ein Fachgremium nun eine Empfehlung ausgesprochen.


Die Empfehlung des Auswahlgremiums im Wortlaut:

„Das Entscheidungsgremium im Gutachterverfahren ‚Ausweichspielstätte für die Musik- und Tanztheatersparten des Staatstheaters Nürnberg‘ hat in nichtöffentlicher Sitzung am 30. Juni 2022 die Empfehlung ausgesprochen, den Ergänzungsbau für das Interim von Oper und Tanz des Staatstheaters Nürnberg im sogenannten Innenhof der Kongresshalle zu platzieren. Das Gremium empfiehlt weiterhin, den Ergänzungsbau – der Bühnenraum, Orchestergraben, Zuschauerraum und Nebenräume umfasst – an der nordwestlichen Innenseite des Kongresshallen-Torsos zu verorten. Die Funktionsräume des Theaterbetriebs sollen sich im Bestand der Kongresshalle in Anbindung an den Ergänzungsbau befinden.

Das Gremium ist mit großer Mehrheit überzeugt, dass die Gesamtwirkung des Innenhofs unwesentlich beeinträchtigt und insbesondere die architektonische Intervention von Günther Domenig aus dem Jahre 2001 in ihrer Wirkung nicht geschmälert wird. Der Relevanz der Kongresshalle für die Erinnerungskultur und die Bildungsarbeit wird umfassend Rechnung getragen. Darüber hinaus werden die bisherigen Nutzungen in und im Umgriff der Kongresshalle nicht beeinträchtigt. Sie prägen weiterhin ohne Einschränkung die vielfältige demokratische Nutzung und Aneignung des Geländes.

Eine Positionierung des Ergänzungsbaus im Innenhof berücksichtigt zentrale ökologische Aspekte und ist Kriterien der Nachhaltigkeit verpflichtet: der Gewässerschutz bleibt gewährleistet; Eingriffe in den Baumbestand im Umgriff der Kongresshalle sind nicht notwendig; Ersatz-Habitate sind zu schaffen.

Ein Ergänzungsbau an der nordwestlichen Seite des Innenhofs garantiert schließlich eine zwingende funktionale und architektonische Verschränkung mit dem Bestand der Kongresshalle, in dem die verbleibenden Funktionsräume für das Interim untergebracht werden sollen. Diese Verschränkung verringert den Flächenbedarf für den Ergänzungsbau und scheint insofern wirtschaftlich.

Die Entscheidung für den Standort stärkt die Perspektiven zukünftiger Auseinandersetzungen und Nutzungen. Der Ergänzungsbau im Innenhof hat das Potential, dazu beizutragen, diesen historisch kontaminierten Ort wahrzunehmen und im demokratisch künstlerischen Sinn zu nutzen.“


Jury:

  • Prof. Dr. Norbert Frei, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Prof. Nadja Letzel, Architektin und Studiendekanin; Professorin für Entwerfen und Bauen im Bestand an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm
  • Dr. Birgit Meyer, Intendantin Oper Köln
  • Prof. Dip.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, Generalkonservator, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
  • Birgit Rapp, Architektin, Amsterdam, Mitglied der Stadtgestaltungskommission der Stadt München
  • Dr. Rachel Salamander, Literaturwissenschaftlerin und Publizistin
  • Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
  • Prof. Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter KZ-Gedenkstätte Flossenbürg; Honorarprofessor an der Universität Regensburg; Direktor Zentrum Erinnerungskultur
  • Prof. Dr. Stephan Trüby, Leiter des Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen an der Universität Stuttgart

Architekturbüros:

Zur Ermittlung eines geeigneten Standorts für einen Ergänzungsbau im Areal der Kongresshalle hatte die Stadt im Mai ein Gutachterverfahren angestoßen. Acht nationale und internationale Architekturbüros hatten sich auf Einladung der Stadt beteiligt.

  • bez + kock architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart
  • BIG Bjarke Ingels Group, Copenhagen, New York, London, Barcelona, Shenzhen
  • Glöckner Architekten GmbH, Nürnberg
  • gmp International GmbH, Hamburg, Berlin, Aachen, Shanghai, Peking, Shenzhen, Hanoi
  • Hilmer Sattler Ahlers Albrecht Gesellschaft von Architekten mbH, München, Berlin
  • LRO GmbH & Co. KG, Stuttgart
  • Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
  • Snøhetta AS, Oslo, New York, Innsbruck, San Francisco, Paris, Hong Kong, Adelaide

Kriterien:

Die Kriterien wurden zuvor in einer Aufgabenbeschreibung klar hinterlegt und betrafen Aspekte aus Städtebau, Architektur, Funktionalität, Umweltschutz, Naturschutz, Gewässerschutz, Bodenschutz, Wirtschaftlichkeit und den Zeitpunkt der Umsetzbarkeit.

Darunter fielen etwa geltendes Planungsrecht nach Paragraph 34 oder 35 Baugesetzbuch, die architektonische Einbindung in das Gesamtensemble, der Umgang mit den erinnerungskulturellen Dimensionen des Gebäudes beziehungsweise des Geländes, die Einbindung in die Bedarfe der unmittelbar betroffenen Nutzer, die Einbindung in die übergreifende Entwicklung des Kulturstandorts Kongresshalle mit Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberger Symphoniker, Ermöglichungsräumen und Depots sowie eine verkehrs- und stadtplanerische Lösung mit Blick auf Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und Parkraummanagement.

Außerdem waren die Unterbringung aller erforderlichen Funktionen im Interimsbau, die funktionale und architektonische Anbindung des Interimsbaus an den Bestand, die funktionale Verschränkung von Operninterim und Ermöglichungsräumen, die Andienung und die Erreichbarkeit des öffentlichen Nahverkehrs gefordert.

Zudem galt es, das ökologische Gesamtkonzept, den Schutz von Flora und Fauna, den Gewässerschutz und Fragen der Flächenversiegelung zu berücksichtigen sowie geschätzte Baukosten unter Berücksichtigung von Gründungsaufwand, bauphysikalischem Aufwand, Verdrängung bereits vorhandener Nutzungen und der ökologischen Gesamtsituation, Nachnutzbarkeit und Nachhaltigkeit mit einzubeziehen. Terminliche Vorgaben umfassten eine mögliche Umsetzung bis zum Jahr 2025 sowie die Beachtung diverser Erlaubnis- und Genehmigungsverfahren.


Entwürfe

Alle Entwürfe und Texte zu den eingereichten Vorschlägen der acht Architekturbüros können Sie sich auf den Seiten der Bürgermeisterin Geschäftsbereich Kultur ansehen.


Nächste Termine:

Die Empfehlung bildet die Grundlage für die kommunalpolitischen Debatten und Entscheidungsprozesse. Zunächst berät am 8. Juli die Opernhauskommission die Empfehlung. Die finale Entscheidung über den Standort trifft der Stadtrat am 20. Juli.


Zur Kongresshalle

Die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände ist eine der bundesweit größten noch existierenden baulichen Hinterlassenschaften der NS-Diktatur. Der 1935 begonnene Bau wurde nie vollendet und nie im ursprünglichen Sinne als Ort der Parteikongresse der NSDAP genutzt. Die Nutzungsgeschichte seit 1945 ist divers und reicht von profanem Gebrauch als Lager eines Großversands oder Kfz-Sammelstelle bis hin zu kultureller Nutzung – seit 1962 spielen vor Ort die Nürnberger Symphoniker, seit 2001 befindet sich hier das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Die Frage nach einer erweiterten kulturellen Nutzung des Bauwerks schließt nicht nur die Interimsspielstätte für das Nürnberger Staatstheater ein, sondern weiterhin auch die zusätzliche Etablierung von kulturellem Ermöglichungsraum für Kunstschaffende und kulturelle Institutionen.


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