Wohnsituation einkommensarmer Haushalte

Wie leben Mieterhaushalte in Nürnberg, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind oder die nur ein geringes eigenes Einkommen haben? Dieser Frage ist die Technische Hochschule Georg Simon Ohm Nürnberg im Auftrag der Stadt Nürnberg nachgegangen.

Die nun vorliegende Studie, die Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Nürnberg und der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm am 2. Februar vorgestellt haben, vergleicht die Wohnverhältnisse zweier Gruppen: Haushalte, die staatliche Transferleistungen beziehen, stehen Haushalten ohne Bezug von Transferleistungen, aber mit geringen Einkommen gegenüber.

Erkenntnisse ergeben sich aus Befragungen, aus Gesprächsrunden mit Expertinnen und Experten sowie aus einer Auswertung von Erfassungsbögen des Energiesparprojekts der Stadt. Somit liegen umfangreiche Erkenntnisse über die Wohnsituation und Wohnqualität sowohl von Bezieherinnen und Beziehern von Transferleistungen als auch Geringverdienenden vor.


Zentrale Erkenntnisse der Studie sind:


  • Es besteht ein zu geringes Angebot an bezahlbarem Wohnraum im unteren Mietpreisbereich. In vielen Fällen gaben die Befragten an, einen Umzugswunsch zu haben, aufgrund der Wohnungsmarktsituation hier aber keine Perspektive zu sehen. Deshalb wird ein schlechter Wohnstandard eher akzeptiert.
  • Die untersuchten Haushalte wohnen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung in eher kleineren Wohnungen. Dies bedeutet, dass weniger Fläche pro Person zur Verfügung steht. Wohnungen sind dichter belegt als bei Haushalten mit höherem Einkommen.
  • Sowohl zwischen der Gruppe der befragten Leistungsbeziehenden und der Gruppe der Geringverdienenden einerseits als auch im Vergleich zur Gesamtbevölkerung andererseits wurde deutlich, dass sich kaum ein Unterschied beim Alter der Wohngebäude feststellen ließ.
  • Grundsätzlich brachte die Studie an einigen Stellen hervor, dass es keine großen Unterschiede in Bezug auf die Wohnqualität und die Wohnsituation der beiden untersuchten Gruppen gab.
  • Bei den Ergebnissen zur energetischen Situation der Haushalte beider Gruppen wurde deutlich, dass im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich häufiger Strom zum Heizen und Aufbereiten von Warmwasser genutzt wird. Dies ist insofern relevant, da die Kosten für Strom deutlich höher sind als für Erdgas oder Fernwärme.
  • Der Sanierungszustand wurde auf Grundlage der Erfassungsbögen des Energiesparprojekts in nur vier Prozent der Fälle als umfassend energetisch saniert bewertet. Knapp 40 Prozent wurden als nicht saniert und knapp 58 Prozent als teilweise energetische saniert eingeordnet.

Was sind die Folgen von Sanierungsmaßnahmen?

Ein weiteres Feld, das sich durch die Erhebung herauskristallisiert hat und das es weiter zu analysieren gilt, ist die Frage, in welchem Umfang einerseits Mieterhöhungen bei verschiedenen Sanierungsmaßnahmen zu erwarten wären und welche Einsparungen sich beim Energieverbrauch (unter Abschätzung der Entwicklung der Energiepreise) durch die Sanierung ergeben würden.

Denn auch das hat die Studie gezeigt: Es gibt viele mögliche Sanierungsmaßnahmen, die von den Vermietern recht einfach umzusetzen wären, unter anderem der Austausch von nicht wärmeisolierten oder sogar undichten Fenstern, die Aufrüstung von ungedämmten Außenwänden und Geschossdecken oder die Ausstattung mit Thermostatventilen an Heizkörpern. Dabei ist in der Folge die Frage einer zusätzlichen finanziellen Belastung der Haushalte mit ohnehin geringen Einkommen zu beachten.



Elisabeth Ries, Referentin für Jugend, Familie und Soziales:

„Wohnen ist für die Menschen und damit auch für die Stadtverwaltung ein zentrales Thema der Daseinsvorsorge. Dabei gilt unsere besondere Aufmerksamkeit denjenigen Gruppen, die am Wohnungsmarkt aufgrund ihres geringen Einkommens oder von Vermittlungshemmnissen mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben – sowohl, wenn sie auf Transferleistungen angewiesen sind als auch, wenn sie ein eigenes, aber geringes Einkommen haben. Ich freue mich daher sehr, dass wir jetzt detaillierte Erkenntnisse zur Wohnsituation dieser Bevölkerungsgruppen haben, die für uns aus sozialpolitischer Sicht ganz besonders wichtig sind. Durch die Studie haben wir nun Einblicke in die Wohnsituation, die bundesweit ihresgleichen suchen.“



Präsentation der Ergebnisse im Sozialausschuss am 29. Februar

Mit den Ergebnissen der Studie möchte die Stadt Nürnberg im Gespräch mit Politik, Kostenträgern und Wohnungswirtschaft herausarbeiten, mit welchen Maßnahmen die Wohnsituation von Haushalten mit geringen Einkommen verbessert werden kann. Eine zusammenfassende Präsentation der Ergebnisse ist in der öffentlichen Sitzung des Sozialausschusses am 29. Februar geplant.

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