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Corona: Containment-Strategie


So setzt die Stadt die Eindämmung um

Ziel der deutschlandweiten Containment-Strategie – oder auch der Eindämmungs-Strategie – ist es, die Ausbreitung von COVID-19 einzugrenzen, damit das Gesundheitssystem die Situation bewältigen kann und ausreichend Kapazitäten verfügbar sind. Dazu eignen sich verschiedene Maßnahmen. Beispiele sind Ausgangsbeschränkungen oder das Isolieren von Infizierten und ihren Kontaktpersonen. Jeder Bürger Nürnbergs leistet durch das Einhalten der aktuellen Verhaltensregeln einen Beitrag zur Eindämmung des Coronavirus. Doch wie genau wird bei der Stadt Nürnberg die Containment-Strategie umgesetzt?


Mehr Kapazitäten im Gesundheitsamt

Beim Gesundheitsamt arbeiten Fallteams mit rund 15 Mitgliedern, zu denen jeweils zwei Ärzte, weitere medizinische Experten und Mitarbeiter im Telefondienst gehören. Sie führen die Containment-Strategie fort, indem sie die einzelnen Coronafälle verfolgen, Kontaktpersonen ermitteln und anordnen, dass diese sich in Quarantäne begeben. Die Kontaktpersonen werden täglich angerufen und zu ihrem aktuellen Gesundheitszustand befragt. Dies dient der Unterbrechung von Infektionsketten und damit der Bekämpfung der Verbreitung des Coronavirus.

„Wir mussten zunächst eine passende Struktur finden, wie die Fälle am besten zu bearbeiten sind. Es ist notwendig, jede Funktion doppelt zu besetzen, da wir sieben Tage die Woche im Vollbetrieb arbeiten“, so Gesundheitsamtsleiterin Dr. Katja Günther.


Contact-Tracing: Bilanz nach drei Monaten

Eine erste Bilanz drei Monate nach Bekanntwerden der ersten Infektionen mit dem Coronavirus in Nürnberg zeigt, dass die Gesundheitsverwaltung ihre Leistungsfähigkeit bewiesen hat. Das Gesundheitsamt hatte schnell seine gesamte Organisation und alle Kapazitäten auf das Management der Pandemielage umgestellt und arbeitete sieben Tage in der Woche im Vollbetrieb. Neben dem Stammpersonal von 150 Personen waren zeitweise mehr als 100 zusätzliche Mitarbeiter aus anderen Teilen der Stadtverwaltung, freiwillige Ärzte sowie Studierende der Medizin und Beamtenanwärter im Einsatz für das „Contact-Tracing“.

Die Mitarbeiter führten von Anfang März bis Mitte Mai rund 43.000 Telefonate, in denen der tägliche Gesundheitszustand von Infizierten und Kontaktpersonen erhoben wurde. Dabei mussten Informationen über 5.000 Testergebnisse erfasst und 4.500 Quarantänemaßnahmen angeordnet werden. Um dieses Aufkommen zu bewältigen, haben das Gesundheitsamt und das Amt für Digitalisierung, IT und Prozessorganisation in Kooperation mit der Technischen Hochschule kurzfristig ein Corona-Contact-Management-System entwickelt. Das Gesundheitsamt ist dadurch in der Lage, auch kurzfristig die Kontaktmanagement-Kapazitäten deutlich zu erhöhen. So können bei Bedarf auch zusätzliche Mitarbeiter schnell angelernt werden und in einem städtischen Call-Center das Kontaktmanagement unterstützen. Das Gesundheitsamt fühlt sich damit gut gewappnet für eine etwaige zweite Infektionswelle.


Städtische Dienststellen

Damit die Stadt weiterhin alle wichtigen Aufgaben für die Bürger erfüllen kann bieten die Bürgerdienststellen für äußerst dringliche Dienstleistungen Termine an. Die Dienststellen sind zudem per E-Mail, über das Service-Center unter der Rufnummer 09 11 / 23 1-0 oder auf schriftlichem Weg zu erreichen. In Nürnberg müssen Bürger bei Behördengängen in den Dienststellen der Stadtverwaltung ab 27. April einen Mund-Nasen-Schutz tragen.


Städtische Arbeitsgruppen

Die aktuelle Situation verlangt intensive Abstimmungen. Dies passiert in mehreren Krisenstäben der Stadt. Im Rathaus tagt täglich morgens eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus allen Bereichen der Stadtverwaltung. Sie berät die aktuelle Lage, klärt organisatorische Fragen in der Verwaltung und schafft Entscheidungsgrundlagen für eine erweiterte Referentenrunde.

Zum Kreis der erweiterten Referentenrunde gehören die Bürgermeister, alle Referenten der Stadt, ein Vertreter des Vorstands des Klinikums Nürnberg und der Chef der Feuerwehr. Die Referentenrunde unter der Leitung des Oberbürgermeisters Marcus König trifft alle grundsätzlichen Entscheidungen im Umgang mit der Corona-Krise.


Führungsgruppe Katastrophenschutz

Darüber hinaus wurde die sogenannte Führungsgruppe Katastrophenschutz (FügK) unter der Leitung der Feuerwehr installiert. Sie hat die Aufgabe, mögliche Anforderungen von staatlicher Seite vor Ort abzuarbeiten.

Die vom Oberbürgermeister geleitete FüGK – bestehend aus Feuerwehr, Polizei, Vertretern städtischer Geschäftsbereiche, Klinikum Nürnberg, Gesundheitsamt, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Bayern und Versorgungsärztin – koordiniert die medizinische Versorgung der Bevölkerung und organisiert die Beschaffung und Verteilung unter anderem von Schutzmaterialien für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Nach aktuellem Stand sind sowohl ausreichende Kapazitäten an Intensivbetten als auch an Schutzausrüstung für das medizinische und pflegerische Personal vorhanden. Die Häuser des Klinikums Nürnberg sind auf stark ansteigende Fälle von schwer an COVID-19-erkrankten Patienten mit zusätzlichen Aufnahmekapazitäten vorbereitet.


Grundlagen: Feststellung des Katastrophenfalls

Die bayerische Staatsregierung hat am 16. März den Katastrophenfall für Bayern festgestellt. Die Maßnahmen der Staatsregierung sollen dabei helfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Eine Katastrophe im Sinne des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes (BayKSG) ist „ein Geschehen, bei dem unter anderem Leben oder Gesundheit einer Vielzahl von Menschen (…) in ungewöhnlichem Ausmaß gefährdet oder geschädigt werden“. So steht es in Artikel 1 des BayKSG.

Die bayerischen Katastrophenschutzbehörden – das sind die Kreisverwaltungsbehörden (Landratsämter und kreisfreie Städte), die Regierungen und das Innenministerium – haben unter anderem die Aufgabe, eine Katastrophe abzuwehren. Mit der Ausrufung des Katastrophenfalls kann das Innenministerium den nachgeordneten Katastrophenschutzbehörden Weisungen erteilen. Die Regelungen des BayKSG erleichtern die Koordination der verschiedenen örtlichen Behörden und Hilfsorganisationen mit ihren Ehrenamtlichen.

Die Maßnahmen können so weit gehen, dass bestimmte Freiheitsrechte, zum Beispiel wie im aktuellen Fall unter anderem die Freiheit der Person, die Freizügigkeit und die Versammlungsfreiheit, eingeschränkt werden. Das Ordnungsrecht und auch der medizinische Bereich stehen in dieser Situation unter einer einheitlichen staatlichen Führung. Unter Berufung auf das BayKSG kann von jeder Person auch „die Erbringung von Dienst-, Sach- und Werkleistungen“ verlangt „sowie die Inanspruchnahme von Sachen“ angeordnet, also beschlagnahmt werden. Das BayKSG regelt zum Beispiel auch Entschädigungen durch den Staat für Arbeitgeber, wenn sie ehrenamtliche Helfer freistellen müssen.

Dass in Bayern der Katastrophenfall ausgerufen wird, ist nicht ungewöhnlich: Oft wird er bei Naturkatastrophen, wie zum Beispiel Überschwemmungen oder starkem Schneefall ausgerufen, um schnell handeln zu können. Katastrophenfälle sind meist lokal begrenzt. Im Zuge der Coronakrise hat der Ministerpräsident am 16. März jedoch zum ersten Mal die landesweite Feststellung des Katastrophenfalls verkündet.

Im Katastrophenfall arbeiten Feuerwehren, freiwillige Hilfsorganisationen, Technisches Hilfswerk, Polizei, Bundeswehr und Bundespolizei eng mit den Katastrophenschutzbehörden zusammen. Laut bayerischem Innenministerium verfügt Bayern über 470.000 Einsatzkräfte, die im Fall einer Katastrophe helfen können. Davon arbeiten 450.000 ehrenamtlich.

Grundlagen: Vorläufige Ausgangsbeschränkung

Neben der Feststellung des Katastrophenfalls ist eine Allgemeinverfügung des bayerischen Gesundheitsministeriums vom 20. März, die eine vorläufige Ausgangsbeschränkung in Bayern beinhaltet, die Grundlage für Einschränkungen und Maßnahmen in Nürnberg.


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Aktualisiert am 20.05.2020, 15:53 Uhr

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