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Handgemacht: Hildes Backwut und die Schaffensschwestern

Text: Christina Bleisteiner, Fotos: Christina Bleisteiner, Tina Langheinrich

"Der Laden ist einfach Kult!" So beschreibt ein Kunde die kleine Bäckerei in der Schloßstraße 48. Er sitzt auf dem gemütlichen Sofa, das seitlich im Laden steht. Hinter der Theke steht Johannes Schwarz, Eigentümer von Hildes Backwut. Viele seiner Kunden kennt er beim Namen. "Ein kleines Gespräch über tagesaktuelle Themen oder den Club gehört zum Einkauf dazu", sagt er.

In seiner Bäckerei gibt es neben Brot und 23 verschiedenen Käsestangen auch leckere Kuchen und belegte Focaccias. Schwarz selbst mag am liebsten seinen Frankenlaib: "Das ist einfach ein gutes Brot." Mittags bietet er jeden Tag eine Suppe an und zweimal wöchentlich gibt es Leberkäse. "Wir versuchen immer ein vegetarisches und ein Gericht mit Fleisch anzubieten. Das wird von den Kunden gut angenommen."

Der Name Hilde geht auf seine Mutter zurück, die oft mitten in der Nacht noch in der Küche stand und gebacken hat. "Da kam sie dann immer ins Zimmer und meinte, jetzt habe sie mal wieder die Backwut gepackt", erzählt Schwarz. "Backwut – da steckt a bissl Wahnsinn drin, unbezwingbare Leidenschaft und ganz viel Liebe" – und genau das macht eine gute Bäckerei seiner Meinung nach aus.

Hier wird mit Hand und Herz gebacken

Der ehemalige Diakon backt seit 2008 in seinem Laden im Stadtteil Ludwigsfeld im Südosten Nürnbergs. Jeden Tag wird bei Hildes Backwut alles frisch und von Hand gemacht. Tiefgefrorene Teiglinge gibt es dort nicht. Das ist zwar oft eine Herausforderung, hat aber einen Vorteil: "Bei Stromausfall können wir immer noch backen, wir verwenden sowieso kaum Maschinen", witzelt Schwarz.

Wenn Backwaren am Ende des Tages übrig bleiben, verkauft er diese am nächsten Tag zum halben Preis. Oder er bietet sie auf einer Foodsharing-Plattform im Internet an. Dort können sich Interessenten melden und nicht verkauftes Gebäck gegen eine kleine Spende oder sogar kostenlos abholen. Alles, was dann noch übrig bleibt, wird zu Semmelbröseln verarbeitet. "Wir schmeißen so gut wie nichts weg", betont Schwarz.

"Veganes Backen ist ja kein Hexenwerk"

Seit September 2014 ergänzen die Schaffensschwestern das Angebot in Hildes Backwut. Vegane Cookies, Marmeladen und Muffins liegen in der Auslage. Hinter den Schaffensschwestern steht Tina Langheinrich, die bis vor kurzem in ihrem eigenen Laden am Kirchenweg in St. Johannis vegane Köstlichkeiten verkauft hat: "Dann kam das Angebot von Johannes, dass ich hier mit einsteigen könnte."

In ihrem alten Laden hatte sie nur zwei haushaltsübliche Öfen. Bei Hildes Backwut kann sie nun mit einem großen Etagenbackofen arbeiten. Ihre veganen Cookies findet man nicht nur bei Hildes Backwut, sondern zum Beispiel auch in der Rösttrommel. Langheinrich selbst mag am liebsten ihre Nussecken: "Das ist ein ganz konventionelles Rezept, das ich einfach vegan umgebaut habe."

Vegane Angebote gab es kaum in Nürnberg und so gründete die ehemalige Dolmetscherin 2012 die Schaffensschwestern. "Veganes Backen ist ja kein Hexenwerk. Butter lässt sich zum Beispiel ganz einfach durch Margarine ersetzen. Es geht vielmehr um das bewusste Genießen", erklärt sie. Gerne probiert sie auch immer wieder neue Sachen aus: "An Weihnachten wird es auf jeden Fall vegane Plätzchen geben!" Außerdem verkauft Langheinrich Backmischungen. Damit kann man die leckeren Muffins ganz einfach zu Hause backen.

Das Angebot der Schaffensschwestern ergänzt das Sortiment von Hildes Backwut ideal. Beide betonen: "Wir machen uns keine Konkurrenz." Und der Erfolg gibt ihnen recht: Der kleine Laden ist selten leer – der Terminkalender für den Lieferservice dafür umso voller.

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