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Der letzte seiner Art am Hauptmarkt: Samen Edler

Text: Annamaria Böckel (aus NH 93), Fotos: Christine Dierenbach

Der Mann im braunen Kittel ist der letzte seiner Art. Früher reihte sich ein halbes Dutzend Samenhandlungen rund um den Hauptmarkt. Heute ist es nur noch Helmut Edler, der zu Tütchen mit Blumensamen gleich noch ein paar Tipps zu Aussaat und Pflege über den Ladentisch reicht, für Papageien den perfekten Futtermix zusammenstellt oder den Kunden rät, wie sie Gartenschädlingen erfolgreich den Garaus machen. „Gott sei Dank, dass es Sie noch gibt!“, bekommt Helmut Edler regelmäßig zu hören von seinen Kunden, die teils von weit her kommen.

Persönliche Beratung und nostalgischer Charme

Flächenmäßig kann der alteingesessene Samen Edler mit den großen Gartencentern am Stadtrand nicht mithalten. Dafür punktet er mit persönlicher Beratung und nostalgischem Charme. Das von Helmut Edlers Eltern 1935 in der Hans-Sachs-Gasse 9 gegründete Geschäft, das nach Kriegszerstörung 1958 wieder eröffnete, hat sich im vergangenen halben Jahrhundert optisch kaum verändert.

Die maßangefertigte Massivholz-Einrichtung findet unter den Kunden immer wieder Bewunderer. Schildchen mit der Aufschrift „Wirsing“ oder „Blumenkohl“ erinnern an die Zeit, als das gesamte Saatgut noch offen verkauft wurde. Heute lagern in den Holzschubläden Futtermischungen für Vögel und Kleinnager oder Rasensamen, die Helmut Edler sorgfältig abwiegt. Sogar Hanfsamen, THC-arm, wie er im Hinblick auf möglichen Drogenmissbrauch betont, sind offen im Angebot.

"Vom Samenverkauf alleine könnte man heute nicht mehr leben"

Trotz aller Nostalgie ist der Kaufmann auf der Höhe der Zeit. Seit Kurzem verkauft er, dem Trend des Stadtgärtnerns folgend, Samen für Gemüse aus dem Blumentopf. „Vom Samenverkauf alleine könnte man heute aber nicht mehr leben“, sagt der Händler, „und ohne das Geschäft im eigenen Haus ginge es auch nicht.“ Und so reicht das Sortiment von gebrauchten und neuen Gartengeräten über Schädlingsbekämpfer bis zu Vogelkäfigen und Vitaminshampoo für Hunde. Seit einiger Zeit ist Edler in regem Austausch mit einigen jungen Leuten, die über das Internet Saatgut verkaufen. Die Online- und der Offline-Händler beliefern sich gegenseitig, möglicherweise übernehmen die Jungen eines Tages das Geschäft des 73-Jährigen. Ob er, wie einst seine Tante bis über die 90 hinter dem Ladentisch stehen möchte, weiß er nicht. Aber ans Aufhören denkt er zur Freude seiner Kunden noch lange nicht.

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