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„Alles, was wir tun, machen wir für die Menschen“

Der Nürnberger Tiergarten ist eine weitläufige Waldparkanlage mit einem grandiosen alten Baumbestand. Eingebettet in den rund 24.000 Hektar großen Reichswald, ist er mit seinen 65 Hektar Fläche der zweitgrößte Zoo in Deutschland. Er gilt als einer der schönsten Landschaftszoos in Europa. Mehr als 300 Tierarten sind hier am Schmausenbuck, wo der Tiergarten seit 1939 beheimatet ist, zu Hause. Mit über einer Million Besuchern pro Jahr ist der Tiergarten ein Publikumsmagnet weit über Nürnberg und die Metropolregion hinaus.

Direktor des Nürnberger Tiergartens ist seit 2005 Dag Encke, pomovierter Biologe, Jahrgang 1965.
Zum Gespräch hat er uns in sein Büro im markanten Sandsteingebäude neben dem Eingang des Tiergartens eingeladen.

„Tiergartendirektor“ stand ursprünglich nicht auf dem Karriereplan von Dag Encke. Als junger Mensch hat er sich politisch stark engagiert. In den 80er Jahren waren der Ost-West-Konflikt und der „kalte Krieg“ bedrückende Themen.

Wie konnte man sich hier persönlich einbringen, um auf internationaler Ebene einen Beitrag zur Entspannung zu leisten? Die Konsequenz war ein naturwissenschaftliches Studium: Biologie, weil man ein solides fachliches Fundament benötigt, um wirkungsvoll auf der politischen Bühne mitspielen zu können. Nebenbei hat Dag Encke Russisch gelernt und auch einige Zeit in Russland verbracht - „Politiker sollten etwas von der Welt verstehen“.

Auch wenn es Dag Encke wohl noch nicht bewusst war, der berufliche Werdegang war eigentlich schon vorgezeichnet: Der Vater war Zoodirektor in Krefeld, der Urgroßvater war Gartenbaudirektor in Köln und ein Großonkel Direktor des Palmengartens in Frankfurt. Acht Jahre hat er nach dem Studium als Kurator im Zoo in Münster gearbeitet und dann das Angebot aus Nürnberg als Tiergartendirektor mit Begeisterung angenommen: Die ersten Kontakte mit den Verantwortlichen der Stadt, das Nürnberger Konzept, die Kompetenzen der Mitarbeiter, die fachlichen und wissenschaftlichen Herausforderungen und nicht zuletzt die Managementaufgaben in dem Unternehmen Tiergarten gaben den Ausschlag für seine Entscheidung für Nürnberg.

Ein Zoo ist heute nicht mehr „Hagenbecks Tierpark“ (im vorletzten Jahrhundert!), in dem zur Erbauung des Publikums exotische Tiere zur Schau gestellt werden.
Dag Encke versteht seine Aufgabe als „hochpolitschen Job“, bei dem auch „Fingerspitzengefühl“ gefragt ist. Der Tiergarten ist international vernetzt, beteiligt sich an Projekten von Kasachstan bis Südamerika. Biodiversität, Artenschutz, nachhaltige Entwicklung auf lokaler und internationaler Ebene sind die Bereiche, in denen sich der Nürnberger Tiergarten heute stark engagiert. Kulturelle und ethische Aspekte der Zootierhaltung spielen eine wichtige Rolle und die Zoopädagogik ist deshalb ein wichtiges Aufgabenfeld des Tiergartens.

Im Interview erleben wir Dag Encke als beeindruckend engagierten, inspirierenden Diskussionspartner und „Streiter“ für die Belange des Tiergartens, dem es mühelos gelingt, philosophische Gedanken, umweltpolitische Einsichten und Forderungen mit pragmatischen Ansätzen für die Entwicklung des Tiergartens in Einklang zu bringen.
Sein Credo ist schlicht und überzeugend:
„Alles was wir tun, machen wir für die Menschen“.

Nachhaltigkeit international, aber auch auf lokaler Ebene, ist für Dag Encke das entscheidende Zukunftsthema. Mit Sorge beobachtet er deshalb auch, dass dem Umweltschutz und dem Klimaschutz in der praktischen Politik der Stadt Nürnberg nicht die notwendige Bedeutung beigemessen wird.
Leidenschaftlich plädiert er dafür, dass die Stadt den Umweltschutz bei der Bewerbung um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2025 als ein wichtiges Thema aufnimmt. Hier könnten Visionen für die Lebensqualität in einer Großstadt in der Zukunft entwickelt werden.

Auch die Pflanzung von mehr und mehr Straßenbäumen gehört nach Enckes Meinung zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Stadtpolitik. Zu Bäumen hat Dag Encke schon seit seiner Kindheit ein enges Verhältnis. Er ist mit seinen Geschwistern zusammen im Zoo in Krefeld aufgewachsen. Sowohl dort wie auch im elterlichen Garten gab es natürlich jede Menge Bäume , welche ein natürlicher Abenteuerspielplatz für die Kinder waren: Klettergarten und auch Rückzugsgebiet im Baumhaus.

In seinen Ferien hat Dag Encke zehn Jahre lang in Baumschulen gearbeitet und ganz praktisch ein Gefühl für die Bedeutung der Erde und der Pflanzen entwickelt. „Man muß auf die Füße der Bäume achten“ hat er damals gelernt. Gemeint ist damit, dass man den Bäumen das ungestörte und möglichst unbegrenzte Wachstum in einem nährstoffreichen Boden ermöglichen soll, in dem sich die Wurzeln ausbreiten können. Das ist auch heute, in einer zunehmend versiegelten Stadt ein entscheidender Punkt für das Überleben der Stadtbäume.

Seinen Feierabend verbringt Dag Encke häufig mit Spaziergängen mit seinem Hund im Wald rund um den Tiergarten. Dabei hat er auch seinen Lieblingsbaum entdeckt. Über verschlungene Pfade, vorbei an einem kleinen malerischen Steinbruch, führt er uns zu einer mächtigen Eiche – vielleicht 200 Jahre alt. An diesem abgeschiedenen Ort, in Sichtweite des „Gipfels“ des Schmausenbucks, kann man ungestört Rehe beobachten. Auch allerlei Arten von Spechten sind hier heimisch. Es ist ein romantischer und zugleich auch ein „magischer“ Ort. Denn in den Stamm ist ein Teil einer schmiedeeisernen Sitzbank eingewachsen. Die Geschichte dieses geheimnisvollen Platzes ist nicht bekannt und die Zukunft dieser durch ein großes Krebsgeschwür gezeichneten Eiche auch nicht. Ein perfekter Platz für Dag Encke, um über die Wirklichkeit und über die Zukunft nachzudenken.

Interview: Mathias Schmidt und Lorenz Grund
Fotos: Giulia Iannicelli

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