Wenn ein Stadion neu oder umgebaut wird, stellt sich immer eine zentrale organisatorische Frage: Wie und wo können Fußballspiele, Konzerte und andere Veranstaltungen während der Bauzeit stattfinden?
Diese Fragestellung ist nicht für die Stadt und den Verein relevant, sondern insbesondere für die Fans und anderen Nutzer des Stadions. Grundsätzlich gibt es drei mögliche Varianten:
1. Nutzung eines anderen bestehenden Stadions
Eine Möglichkeit ist die vorübergehende Nutzung eines bestehenden Stadions an einem anderen Standort.
Diese Variante hat den Vorteil, dass man das eigene Stadion umbauen kann, ohne Rücksicht auf Fußballspiele nehmen zu müssen. Sie wäre aber auch mit Herausforderungen verbunden. In erster Linie müssen Anreise und Zuschauerkapazität passen und der andere Verein bzw. das andere Stadion überhaupt Interesse daran haben, ihr Stadion an den Club zu vermieten und es mit ihm für mehrere Jahre zu teilen. Zudem müsste der 1. FCN für jedes Spiel das andere Stadion an seine Fans und Partner anpassen, also zum Beispiel die Werbeflächen umrüsten und die VIP-Logen individuell ausstatten. Auch das Sicherheitskonzept wäre eine Herausforderung.
Gegen diese Variante spricht zudem, dass sie keine Lösung für sogenannte Drittveranstaltungen bietet. Im Max-Morlock-Stadion finden jedes Jahr über 300 Veranstaltungen statt, von kleinen Tagungen über Messen und Firmenevents bis zu Großkonzerten. Diese Veranstaltungen müssten während der gesamten Bauzeit entfallen oder an einem anderen Ort stattfinden.
2. Umbau bei laufendem Betrieb
Eine weitere Möglichkeit ist, das Stadion abschnittsweise umzubauen, während parallel weiterhin Veranstaltungen stattfinden. Bau- und Veranstaltungsbetrieb laufen dabei zeitgleich.
Veranstaltungen und Fußballspiele könnten weiterhin im Max-Morlock-Stadion stattfinden, die Fans hätten ihre gewohnte Anreise und ihr gewohntes Stadion. Allerdings wäre die Zuschauerkapazität während der Bauzeit reduziert und Fans müssten zeitweise ihren gewohnten Sitzplatz aufgeben und mit Einschränkungen durch den Baustellenbetrieb rechnen. Drittveranstaltungen könnten generell weiterhin stattfinden, aber auch hier gäbe es Einschnitte durch die Bauarbeiten.
Diese Variante erfordert eine aufwändige Koordination von Baustelle, Sicherheit, Logistik und Veranstaltungsbetrieb. Sie ist technisch machbar, aber sehr aufwändig und kostenintensiv. Über mehrere Jahre müsste alle paar Wochen aus einer Baustelle eine sichere Veranstaltungsstätte werden und dann wieder eine Baustelle – das verursacht Aufwand, Kosten und Verzögerungen.
3. Bau eines Ausweichstadions
Die dritte Option ist die zeitweise Verlagerung von Fußballspielen und Veranstaltungen in ein temporäres Ausweichstadion, während das bestehende Stadion umgebaut wird.
Das wird zum Beispiel in Saragossa praktiziert, wo gerade das Estadio La Romareda für die Weltmeisterschaft 2030 umgebaut wird. Dort wurde ein temporäres Stadion aus Gerüst-Tribünen gebaut, in dem der ansässige Verein während des Stadionumbaus seine Heimspiele austrägt. Solche Gerüst-Tribünen kennt man in Nürnberg vor allem vom Norisring-Rennen. Ein Ausweichstadion aus solchen Tribünen kann den Bauablauf vereinfachen, da Abbruch- und Neubauarbeiten ohne Unterbrechungen durch Veranstaltungen erfolgen können. Gleichzeitig können alle Veranstaltungen in das Gerüst-Stadion verlegt werden. Es ist aber klar, dass so ein temporäres Stadion nicht die gleiche Zuschauerkapazität und Komfort bieten würde wie das Max-Morlock-Stadion.
Die Errichtung eines Ausweichstadions wäre ein eigenes Bauprojekt, das Genehmigungs- und Planungsverfahren durchlaufen muss und das Zeit braucht sowie Kosten verursacht. Zudem müsste ein geeigneter Ort gefunden werden und ggf. dort Infrastruktur errichtet werden (z.B. Parkplätze, Anschlüsse an Wasser, Strom und Kanal).
In Saragossa soll das Gerüst-Stadion zumindest teilweise langfristig genutzt werden und nicht nur für den Ausweichbetrieb. Auch in Nürnberg wäre denkbar, dass Teile des möglichen Ausweichstadions auch nach Fertigstellung des Max-Morlock-Stadions dauerhaft genutzt werden, ggf. auch an einer anderen Stelle.
Wie geht man mit diesen Optionen um?
In der Praxis wird ein Stadion heute meist im laufenden Betrieb umgebaut – also abschnittsweise, während weiterhin Veranstaltungen stattfinden. Die Nutzung eines bereits bestehenden Stadions an einem anderen Standort kommt in der Regel nur dann in Betracht, wenn sich ein passendes Stadion in der Nähe anbietet, zum Beispiel in der richtigen Größe und mit geeigneter Infrastruktur.
Ein eigens errichtetes Ausweichstadion ist dagegen eine seltene Option, weil es zusätzliche Flächen, Genehmigungen und Investitionen erfordert. Dennoch kann es in bestimmten Konstellationen Vorteile bringen, etwa wenn sich dadurch der Bauablauf deutlich vereinfacht, wenn Risiken reduziert werden, oder wenn eine dauerhafte Nachnutzung möglich ist.
Der Stadtrat hat die Verwaltung deshalb auf Vorschlag von Bürgermeister Christian Vogel beauftragt, diese Möglichkeit ebenfalls zu prüfen – zunächst grundsätzlich, ob ein Ausweichstadion überhaupt wirtschaftliche und organisatorische Vorteile hätte und eine Nachnutzung sinnvoll möglich wäre. Nach dieser Grundsatzprüfung würde in einem nächsten Schritt eine konkrete Standortsuche erfolgen, in die auch Überlegungen zu Verkehr, Sicherheit und einer möglichen Nachnutzung einfließen.


