Erfolgreich ging die Fachtagung zu Stalking am 20. Juni 2007 im Historischen Rathaussaal in Nürnberg zu Ende. Ca. 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichsten Institutionen und Beratungsstellen profitierten von den Referaten der fachkundigen Expertinnen. Vertreten waren u.a. Polizeibeamtinnen und -beamte, Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern, Frauennotrufen und anderen Frauenberatungsstellen, Gleichstellungsbeauftragte, Beschäftigte aus Krisendiensten, Gesundheitsämtern und Jugendämtern, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sowie Ärztinnen und Ärzte.
Grußwortsprecher waren u.a. Dr. Hartmut Frommer, Direktorium für Recht und Sicherheit, und Dr. Fred Beier, Leiter des Gesundheitsamtes, (beide Stadt Nürnberg) sowie Gerhard Schlögl, Leitender Polizeidirektor des Polizeipräsidiums Mittelfranken. Die Bayerische Staatsministerin für Justiz Dr. Beate Merk konnte leider nicht persönlich anwesend sein; ihr Grußwort wurde von Ida Hiller, der Nürnberger Frauenbeauftragten, verlesen.
Silke Ottowitz, Beauftragte der Polizei für Kooperation Jugend und Soziales, Polizeipräsidium Mittelfranken, definierte Stalking, referierte über Häufigkeiten und Ursachen und stellte eine Typologisierung der Täter/innen vor:
Die Polizei befürchtet ein weiteres Ansteigen der Stalkingfälle; beispielsweise wurden in Nürnberg in den Monaten April und Mai 2007 bereits 53 Fälle angezeigt, im vergangenen Jahr waren es insgesamt nur 100 Fälle.
Im Zentrum des Vormittages stand das Referat von Dagmar Freudenberg, Staatsanwältin in Göttingen und Sachverständige im Anhörungsverfahren zur Gesetzgebung „Nachstellung“. Frau Freudenberg stellte den § 238 StGB vor und erläuterte die einzelnen Absätze und deren rechtliche Bedeutung. Insgesamt zog sie ein eher skeptisches Resümee, betonte aber die Notwendigkeit der strafrechtlichen Verfolgung und die Bemühungen um einen verbesserten Schutz der Opfer.
Die Erfahrungen aus dem Freiburger Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt wurden von Andrea Weiß, der Koordinatorin des Projektes, vorgestellt.
Welche Unterstützung die Opfer von Stalking in Nürnberg erhalten, wurde von Stefanie Walter aus dem Nürnberger Frauenhaus vorgestellt. Der sogenannte Nürnberger Weg steht per pdf.-Datei zum Download zur Verfügung.
Sehr eindrucksvoll berichtete eine Betroffene ihre Geschichte und die fortwährende Bedrohung durch den Stalker.
Aktuell (Dezember 2008) arbeitet in Nürnberg keine Selbsthilfegruppe zum Thema Stalking; es ist jedoch geplant, ab Januar 2009 eine Gruppe zu gründen. Interessierte können sich an das Regionalzentrum für Selbsthilfegruppen in Mittelfranken (KISS) wenden.