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Bedarfsanalyse - Quantitative und qualitative Bewertung

Die Bewertung der quantitativen und qualitativen Angemessenheit der Infrastruktur (räumlich, sachlich, personell) und Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im jeweiligen Planungsraum ist Gegenstand der Bedarfsanalyse. Auf der Grundlage des erhobenen Bestandes (IST) wurden aus fachlicher Sicht Bedarfskonstellationen (SOLL) identifiziert und Empfehlungen für notwendige Entwicklungen ausgearbeitet.

Für die Ableitung jugendhilfespezifischer Bedarfskonstellationen und Priorisierungen im jeweiligen Planungsbereich wurden die Bevölkerungs- und Sozialstrukturdaten zu fünf aussagekräftigen Bedarfsindikatoren zusammengefasst. Anmerkung siehe unter (1)

(Anmerkung 1)

Die Auswahl der Indikatoren orientiert sich am „Child Well-being-Konzept“ (vgl. u.a. Crivello u.a. 2009) und ökologischen Theorien der kindlichen Entwicklung (vgl. Bronfenbrenner 1981). Hierbei handelt es sich um international anerkannte und etablierte Konzepte, die im Rahmen regionalisierter Sozialberichterstattung zunehmend Anwendung finden. Auf Basis dieser theoretischen Grundlage lassen sich Indikatoren ableiten, die sich unter jugendhilfeplanerischen Gesichtspunkten in besonderer Art und Weise zur Analyse der Lebensbedingungen junger Menschen eignen. Unter Lebensbedingungen sind solche Merkmale zusammengeführt, welche die (objektiven) Voraussetzungen sowie die materielle und strukturelle Ausstattung eines Sozialraumes (= Planungsraum) kennzeichnen, die für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen bedeutsam sind. Indikatoren wie Demografie, materielle Lage, Wohnumfeld und Migration finden dabei vielfach Berücksichtigung (vgl. u.a. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz 2010). Die Definition der Indikatoren und die konkrete Auswahl beschreibungsrelevanter Merkmale richteten sich nach der Verfügbarkeit statistischen Datenmaterials unter Berücksichtigung jugendrelevanter Gesichtspunkte.

Bedarfsindikatoren

Beschreibungsrelevante Merkmale /Gewichtungen [Faktor]

Jugendrelevanz

• Anzahl 6-21 Jährige (Bestand) [2]
• %-Veränderung 6-21 Jährige (Prognose bis 2026) [1]

Kulturelle Situation
und Segregation

• Anteil Bevölkerung mit Migrationshintergrund (Gesamt) [1]
• Anteil Bevölkerung mit Migrationshintergrund (6-21 Jahre) [1]
• Anteil arbeitsloser Ausländer/-innen (SGBII+III) [1]

Prekäre Lebenslagen
junger Menschen

•Anteil 6- bis 21-Jähriger in Bedarfsgemeinschaften (nach SGBII) [1]
• Anteil Arbeitslose insgesamt (SGBII+III) [1]
• Anteil Arbeitslose unter 25 Jahren SGB II+ III [1]

Jugendspezifische
Konfliktlagen. Anmerkung siehe unter (2)

• Leistungsdichte 8a/Schutzauftrag [1]
• Leistungsdichte Inobhutnahmen [1]
• Leistungsdichte Hilfen zur Erziehung [1]
• Leistungsdichte Jugendgerichtshilfe [1]

Wohn(umfeld)qualität

• Bevölkerungsdichte (Einwohner/ha) [1]
• Wohnfläche pro Einwohner (m2) [1], negativ
• Anteil der Wohnungen in Wohngebäuden mit mehr als 7 Wohnungen [1]
• Anteil Wohngebäude mit Baufertigstellung vor 1948 [0,5]

(Anmerkung 2)

Bei der kleinräumigen Ausweisung von Daten zu Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe gilt es zu beachten, dass es bei den Fallzahlen in Planungsgebieten innerhalb kurzer Betrachtungszeiträume auffällige Ausschläge geben kann. Diese sind z.B. durch Zuzüge von Großfamilien beeinflusst, in welchen mehrere Kinder einen Interventions- bzw. Hilfebedarf aufweisen.

Mittels dieser Bedarfsindikatoren lassen sich

  • die objektiven Voraussetzungen sowie die materielle und strukturelle Ausstattung von jungen Menschen in ihren sozialen Lebensräumen (hier = Planungsbereiche) beschreiben und typisieren,
  • Planungsbereiche mit auffälligen Belastungswerten als Anzeiger für besonderen Handlungsbedarf identifizieren,
  • sozialraumbezogene Bedarfshypothesen aufstellen und
  • die Infrastrukturen und Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und deren stadtteilbezogene Vernetzung einordnen und bewerten.

Die Analyse dieser Bedarfsindikatoren im Abgleich mit der qualitativen Sozialraum- und Lebenslagenbeschreibung bildet die Basis für eine objektive und strukturierte Ableitung von Bedarfsaussagen für den jeweiligen Planungsbereich. Vor diesem Hintergrund lassen sich Fehlallokationen und Lücken im Bestand identifizieren und fachliche Entwicklungsnotwendigkeiten herausarbeiten.

Bedarfsindikatoren

Aussagekraft des Indikators

Jugendrelevanz

Der Anteil der Jugendlichen (aktuell und in Zukunft) im Planungsraum ist eine relevante Bestimmungsgröße zum quantitativen Infrastruktur- und Raumbedarf der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Über Schwellenwerte können Richtgrößen zur Infrastrukturplanung festgelegt werden.

Kulturelle Situation
und Segregation

Der Migrationshintergrund beschreibt zunächst einmal die kulturelle Differenzierung im Planungsraum (kulturelle Vielfalt). In Kombination mit hoher Arbeitslosigkeit verweist er auch auf Benachteiligungen dieser Zielgruppe und mögliche Abgrenzungstendenzen und Konfliktlagen.

Prekäre Lebenslagen
junger Menschen

Erwerbslosigkeit und damit korrespondierender Sozialleistungsbezug im Planungsraum verweisen auf erhöhte Armuts- und Risikolagen der Betroffenen. Der Indikator dient insofern als Anzeiger für Unterstützungsbedarf junger Menschen, da Arbeitslosigkeit und Sozialtransferbezug der Eltern erziehungsrelevante Einflüsse nach sich ziehen, und die direkte Betroffenheit junger Menschen Krisen am Übergang in die Selbstständigkeit hervorrufen können.

Jugendspezifische
Konfliktlagen

Dieser Indikator steht für Integrations- und Anpassungsprobleme junger Menschen im Planungsraum. Er zeigt das Niveau der sozialen Intervention (im SGB VIII) und verweist auf Bedarf an Unterstützungs- und Integrationsleistungen im Planungsraum.

Wohn(umfeld)-qualität

Wohnraum und Wohnumfeld sind zentrale Bereiche der persönlichen Entfaltung und Lebensgestaltung junger Menschen. Sie stellen relevante Beziehungs-, Bewegungs- und Tätigkeitsräume (Aktionsraumtheorie) dar. Je schlechter die Wohn(umfeld)qualität, desto höher in der Regel auch die soziale Belastung im Stadtteil (Stichwort: Sozialräumliche Segregation).

Durch den innerstädtischen Vergleich mittels Rangplatzprofile lassen sich zudem Priorisierungen bezüglich der stadtweiten Ressourcenverteilung vornehmen.

Beispiel: Rangprofil für den Planungsbereich 11

Rangprofil PB11

Um die Bedürfnisse der Betroffenen in der Ableitung von Bedarfsaussagen adäquat zu berücksichtigen, wurden auch die Ergebnisse der Befragungen von Nutzerinnen und Nutzern aus den Jahren 2011/2012 in die Analyse einbezogen.

Die sozialraumbezogene Ableitung von Handlungsempfehlungen im Rahmen der Bedarfsanalyse erfolgt auf drei Ebenen:

  1. Programme, Angebote und fachliche Weiterentwicklungen: Bezieht sich auf Bedarfskonstellationen, die sich aus der Betrachtung der sozioökonomischen Situation im Abgleich mit der verfügbaren sozialen Infrastruktur eines jeden Planungsbereichs ergeben. Hier wird auch der Bedarf nach Art und Inhalt des benötigten Angebots weiter differenziert. Dabei wird dem Ziel „viele Angebote für viele“ bei gleichzeitiger besonderer Berücksichtigung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher gleichermaßen Rechnung getragen.
  2. Sozialraum- bzw. standortbezogene Infrastrukturplanung: Dies bezieht sich auf eine rein quantitative Bedarfsermittlung. In Planungsbereichen ohne oder mit zu wenigen Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ergibt sich grundsätzlich Bedarf an neuen oder zusätzlichen Angeboten, wobei die aktuelle und zukünftige Zahl der (un- oder unterversorgten) Kinder und Jugendlichen in die Analyse und Bewertung mit einging.
  3. Ressourcenausstattung, Kooperation und Vernetzung: Hier werden Empfehlungen zu den Rahmenbedingungen formuliert, die zur Realisierung der vorgenannten Handlungsebenen relevanten sind (z.B. Kooperationen mit Ganztagsschule, Vernetzung mit Arbeitskreisen im Planungsbereich oder verwaltungsinterne Ressourcen für Konzeptentwicklungen).

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