Inklusiv
In einer inklusiven Gesellschaft darf und soll jeder Mensch, unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, sozialer Lage, ethnischer Herkunft oder Behinderung am sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben.
Die Verschiedenheit der Menschen ist nicht Abweichung von einer – wie immer festgelegten – Norm, sondern Wesensmerkmal der freiheitlichen Gesellschaft. Das Menschenrecht auf Inklusion – auch, aber beileibe nicht ausschließlich bezogen auf Menschen mit Behinderungen – zielt auf die volle gesellschaftliche Teilhabe aller.
Inklusion ist kein Prozess, der abgeschlossen werden kann. Inklusion ist vielmehr ein dauerhaftes, dynamisches Ringen und vor allem: eine Haltung.
Nachhaltig
Unser Anspruch ist, dass soziale Hilfen und Angebote den Bedürfnissen von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen gerecht werden und dauerhaft – also nachhaltig – wirken. Wie gut wir diesen Anspruch einlösen und wie effektiv wir die knappen Finanz- und Personalressourcen einsetzen, müssen wir uns selbst immer wieder fragen und von anderen fragen lassen.
Nachhaltig steht aber nicht nur für die – im Grunde selbstverständliche – Feststellung, dass soziale und Bildungsarbeit immer langfristig wirksam und nutzbringend angelegt sein muss. Die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch die Veränderung des Weltklimas und die Linderung der Folgen bestimmen zunehmend unser Handeln. Die Klimakatastrophe ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein soziales Megathema. Die Auswirkungen der globalen Krisen (z.B. abnehmende Ernährungssicherheit und Klimaflucht) auf die (kommunale) Sozialpolitik sind vielfältig und führen zu lokalen Problemstellungen (z. B. Verkehr und Wohnsituation, Trockenheit, Hitzewellen, Energiewende). Insgesamt spüren Menschen mit weniger Ressourcen – Geld, Wohn- und Freiraum, Gesundheit, Bildung – den Klimawandel am deutlichsten, obwohl ihr Lebensstil oft weniger klimaschädigend ist. Aufgabe von Politik und Daseinsvorsorge ist es daher nicht nur, den Ursachen der Klimakrise entschlossen zu begegnen, sondern auch, die ungleichen Auswirkungen auf unterschiedliche Gruppen und Generationen auszubalancieren und die Klimagerechtigkeit in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken.
Inklusiv und nachhaltig reflektieren, planen und handeln können wir nie alleine. Partizipation ist uns wichtig. Wir wollen Bürgerschaft, Mitarbeitende, Partnerinnen und Partner im fachlichen Diskurs beteiligen. Dafür braucht es Gelegenheiten und Strukturen, die immer wieder aufs Neue aktiv angeboten und weiterentwickelt werden müssen.
Wir suchen Kooperationen innerhalb und außerhalb der Verwaltung und bieten sie an. Wir handeln integriert und stellen sicher, dass verschiedene fachliche und individuelle Perspektiven sichtbar gemacht, abgewogen und bei der Entscheidung berücksichtigt werden. Das setzt Transparenz voraus: Wir nutzen den Orientierungsrahmen, um unsere Themen und strategischen Schwerpunktsetzungen darzustellen und zu begründen.
Freude am Gestalten und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sind Voraussetzung dafür, dass wir auch in krisenhaften und herausfordernden Situationen handlungsfähig bleiben. Das bedeutet, dass wir uns einmischen und positionieren – in der Stadtpolitik, im öffentlichen Diskurs und gegenüber anderen politischen Ebenen – und dass wir die gesetzlichen und finanziellen Spielräume für die Menschen in Nürnberg nutzen und auszuweiten versuchen.
Dies ist umso wichtiger, als uns globale Krisen und Katastrophen – seien es Naturkatastrophen, Pandemien, Energiekrisen, Kriege oder Flucht – immer wieder unvorhergesehen und zuweilen in kaum bewältigbarer Wucht herausfordern. In allen jüngsten Krisen waren „die Sozialen“ voll gefordert und haben ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Auch künftig bleiben wir krisenbewusst und zupackend, helfen schnell, pragmatisch und flexibel, kooperieren und tragen zu Lösungen bei.
Funktion des Orientierungsrahmens
• Die Leitlinien des Orientierungsrahmens sind Planungs- und Handlungsgrundlage für den Geschäftsbereich Jugend, Familie und Soziales.
• Dabei stehen die Leitlinien nicht unverbunden nebeneinander, sondern bilden oft unterschiedliche Blickwinkel auf gemeinsame Handlungsfelder ab. Die Zuordnungsmöglichkeit einzelner Aufgaben zu mehreren Leitlinien ist deshalb kein Versehen, sondern Ausdruck der Komplexität und Aufforderung zu integriertem und multiperspektivischem Handeln.
• Der Orientierungsrahmen ist Zeichen der gemeinsamen Verantwortung, die über Verwaltungs-, Professions- und Zuständigkeitsgrenzen hinaus geht.
• Bei unserer Berichterstattung gegenüber dem Stadtrat, seinen Ausschüssen und der Öffentlichkeit sind die Leitlinien wiederkehrende Bezugspunkte.
• Für alle Leitlinien werden jährlich strategische Ziele erarbeitet und fortgeschrieben. Diese werden mit konkreten Zielwerten messbar gemacht und mit Maßnahmen zur Zielerreichung untermauert. Somit wird sichergestellt, dass der Anspruch des Orientierungsrahmens in konkretes Handeln mündet.
Der Orientierungsrahmen richtet sich vor allem an die Verantwortlichen und Mitarbeitenden im Geschäftsbereich Jugend, Familie und Soziales, mit den Dienststellen und Organisationseinheiten. Er steht für unsere gemeinsame Verantwortung, zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger. Adressatinnen und Adressaten sind zugleich auch die Nürnberger Stadtpolitik, die Kooperationspartnerinnen und -partner bei freien Trägern, die Fachöffentlichkeit sowie alle Bürgerinnen und Bürger, denen wir transparent, kooperativ und lösungsorientiert begegnen wollen. Schnittmengen zwischen Leitlinien, Organisationsgrenzen und Verantwortungsebenen liegen in der Natur der Sache, da sozialpolitische Problemstellungen immer vielschichtig sind. Berührungspunkte und Überschneidungen fordern uns dazu auf, gemeinsam und fachübergreifend gute Lösungen zu finden.
Der vorliegende, weiterentwickelte Orientierungsrahmen wurde gemeinsam mit den Leitungskräften von Jugendamt, Sozialamt, Seniorenamt, NürnbergStift, Noris-Arbeit (NOA) gGmbh, noris inklusion gGmbH und Jobcenter Nürnberg-Stadt und dem Stab des Referats für Jugend, Familie und Soziales im Jahr 2022 erarbeitet – vielen Dank für die leidenschaftliche und zielstrebige Diskussion mit dem vorliegenden, sehr guten Ergebnis!
Wir freuen uns über eine intensive Anwendung und einen regen fachlichen und politischen Austausch auf Grundlage der Leitlinien – inklusiv und nachhaltig, für ein solidarisches und gerechtes Nürnberg.