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Erinnerungsorte für die Opfer der NSU-Gewalttaten

Die Familien der NSU-Opfer neben der Gedenkstele.

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Familienangehörige der NSU-Opfer besuchten am 02. Mai 2016 bei einer Gedenkstättenrundfahrt das NSU-Mahnmal am Kartäusertor.

Im Herbst 2011 kam ans Licht, dass Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ jahrelang unentdeckt morden und Anschläge verüben konnten. Zehn Menschen wurden Opfer aus einem einzigen Tatmotiv heraus, nämlich menschenverachtendem Rassismus. Nicht nur das Ausmaß an Hass und Gewalt sorgte für tiefe Betroffenheit, auch die Tatsache, dass diese Morde von den Ermittlungsbehörden über zehn Jahre nicht als Taten von Neonazis erkannt wurden, erfüllt alle mit Entsetzen. Als würdevolles Gedenken an die Opfer und auch als Mahnung beschlossen die Oberbürgermeister der Städte Kassel, Nürnberg, München, Rostock, Dortmund, Heilbronn und Hamburg, in denen die Morde begangen wurden, Gedenktafeln zu errichten.


Diese tragen neben der namentlichen Nennung aller Opfer eine einheitliche Botschaft:

Neonazistische Verbrecher haben zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen in sieben deutschen Städten ermordet: Neun Mitbürger, die mit ihren Familien in Deutschland eine neue Heimat fanden, und eine Polizistin. Wir sind bestürzt und beschämt, dass diese terroristischen Gewalttaten über Jahre nicht als das erkannt wurden, was sie waren: Morde aus Menschenverachtung. Wir sagen: Nie wieder!

Wir trauern um

Enver Şimşek, 11. September 2000, Nürnberg
Abdurrahim Özüdoğru, 13. Juni 2001, Nürnberg
Süleyman Taşköprü, 27. Juni 2001, Hamburg
Habil Kılıç, 29. August 2001, München
Mehmet Turgut, 25. Februar 2004, Rostock
İsmail Yaşar, 9. Juni 2005, Nürnberg
Theodoros Boulgarides, 15. Juni 2005, München
Mehmet Kubaşık, 4. April 2006, Dortmund
Halit Yozgat, 6. April 2006, Kassel
Michèle Kiesewetter, 25. April 2007, Heilbronn

Gemeinsame Erklärung der Städte Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Dortmund, Kassel und Heilbronn, April 2012.


Einweihung

Am 21. März 2013, dem „Internationalen Tag gegen Rassismus“, wurde das Nürnberger Mahnmal eingeweiht. Es nahmen etwa 400 Bürgerinnen und Bürger teil, unter ihnen auch Angehörige der drei Nürnberger Opfer Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru und İsmail Yaşar.

Menschenmenge vor dem Kartäusertor.

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Das Interesse war groß, als am 21. März 2013 der Mahn-und Gedenkort für die NSU-Opfer am Kartäusertor eingeweiht wurde.

Einweihung des NSU-Mahnmals.

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Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly gibt Medienvertretern ein Interview.

Einweihung des Mahn- und Gedenkorts für die NSU-Opfer.

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Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly mit Semiya Şimşek, Angehörige eines NSU-Opfers, und Generalkonsulin Ece Öztürk Çil (von links nach rechts) im Gespräch mit Medienvertretern.

In Nürnberg befindet sich das Mahnmal in unmittelbarer Nähe der „Straße der Menschenrechte“ und kann deshalb sehr gut in Bildungsveranstaltungen einbezogen werden. Das Konzept wurde von der Stadt Nürnberg und den Angehörigen der drei Nürnberger Opfer gemeinsam entwickelt. Neben der Stele gehören zum Mahnmal vier Ginkgo-Bäume, von denen drei für die Nürnberger Opfer der NSU-Terrorzelle stehen und der vierte für alle anderen Opfer rechtsextremer Gewalt.

Der CVJM hat die Patenschaft für die Bäume übernommen. Die Pflanzung der Ginkgo-Bäume setzt die Aktion „Bäume für Menschenrechte“ fort, bei der zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahr 2008 über 60 Menschenrechtsbäume gepflanzt wurden.

Gedenktafeln an den Tatorten

Neben dem offiziellen Mahnmal haben engagierte Bürgerinnen und Bürger an den Tatorten Gedenktafeln errichtet.

Am Tatort Liegnitzer Straße, an dem Enver Şimşek am 11. September 2000 ermordet wurde, hat sich ein ökumenischer Kreis aus den anliegenden Gemeinden Altenfurt, Moorenbrunn, Langwasser und Fischbach zusammengetan, um das Verbrechen, das sich in ihrem direkten Lebensumfeld ereignet hat, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Am Tatort Scharrerstraße, dem ehemaligen Standort des Imbissbetreibers İsmail Yaşar, der am 9. Juni 2005 ermordet wurde, erinnert eine Wandtafel. Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zum 10. Todestag wurde eine Bronzeplatte in der Scharrerstraße verlegt.

Für den Tatort Gyulaer Straße sind die Planungen für eine Gedenktafel noch im Gange. Es hängt bis jetzt nur ein Schild an der Wand.

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