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"Lost Art" - Forschungsprojekt zur Ermittlung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter

Seit Juni 2004 untersucht das Stadtarchiv die Herkunft der von der Stadt Nürnberg während der NS-Zeit erworbenen Kulturgüter. Die breit angelegte Spurensuche nach den einstigen Eigentümern, die Provenienzforschung, ist komplex und langwierig.

Bilderrahmen

Rahmen eines 1893 entstandenen Gemäldes von Paul Ritter, das sich seit März 1940 im Eigentum der Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg befindet. (Foto: Ursula Walthier)

Zwischen 1933 und 1945 wurde im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung Juden ihr Hab und Gut systematisch entzogen. Besonderes Interesse an Kunst- und Kulturgegenständen, die sich in jüdischem Besitz befanden, zeigten NS-Funktionäre, Kunsthändler sowie Museumsleute.

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die westlichen Alliierten diesen Raubzug rückgängig zu machen, die einstigen Eigentümer zu ermitteln und die Objekte an diese zurückzuerstatten. Allerdings blieben viele Fälle ungeklärt, weil die rechtmäßigen Besitzer bzw. deren Erben nicht ausfindig gemacht werden konnten. Widerrechtlich erworbene Kulturgüter verblieben deshalb weiterhin in öffentlichen Institutionen, ohne dass deren Herkunft (Provenienz) geklärt wurde.

Es vergingen mehr als 50 Jahre nach Ende des NS-Regimes, bis auf einer Konferenz über Vermögenswerte aus der NS-Zeit in Washington diese lange verdrängte Problematik aufgegriffen wurde. In der am 3. Dezember 1998 von den Teilnehmern beschlossenen sogenannten Washingtoner Erklärung verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland, aktiv nach NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern zu suchen und "eine gerechte und faire Lösung zu finden". Mit der darauf folgenden Gemeinsamen Erklärung vom Dezember 1999 unterstrichen Bund, Länder und Kommunen ihren Willen, in ihren Kultureinrichtungen (Archive, Bibliotheken, Museen) geraubtes jüdisches Kunst- und Kulturgut zu identifizieren, seine früheren Eigentümer zu suchen und nach Einzelfallprüfung solches an diese oder ihre Erben zurückzugeben.

Als eine der ersten deutschen Kommunen entsprach die Stadt Nürnberg den Forderungen der Gemeinsamen Erklärung und beschloss 2003, die Geschichte ihrer Kunstsammlungen während der NS-Zeit und die Herkunft der Erwerbungen im Rahmen eines zunächst befristeten Forschungsprojektes untersuchen zu lassen. Seit Juni 2004 recherchiert ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs die Herkunft von Gemälden, Druckgraphiken, Zeichnungen, Goldschmiedearbeiten, Keramiken, Skulpturen und Möbeln, die von den Museen der Stadt Nürnberg verwaltet werden. Ein großer Teil dieser zwischen 1933 und 1945 erworbenen Objekte wird als Leihgabe der Stadt Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum aufbewahrt. Weitere Schwerpunkte des "Lost Art"-Projektes bilden die Rekonstruktion lokaler jüdischer Kunstsammlungen, Recherchen über den Nürnberger Kunsthandel sowie zu den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Städtischen Galerie und des Germanischen Nationalmuseums.

Neuerdings gehört auch der Bereich der städtischen Nachkriegserwerbungen zu den Aufgaben der Provenienzforschung des Stadtarchivs. In einem weiteren Arbeitsschritt werden nun die ca. 1.600 Gemälde, 11.000 Graphiken und 1.000 Skulpturen, die zwischen 1947 und 2013 als Geschenk oder Ankauf in die Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg gelangten, in das Forschungsprojekt einbezogen werden.

Das Stadtarchiv veröffentlicht regelmäßig Kulturgüter aus städtischem Besitz, bei denen von einem NS-verfolgungsbedingten Entzug auszugehen ist. Diese Objekte werden auch an die Datenbank "Lost Art" der Koordinierungsstelle Magdeburg gemeldet.

Dr. Dominik Radlmaier

Telefon: 09 11 / 2 31-86 39

Telefax: 09 11 / 2 31-40 91

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