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Recherchen zu NS-Raubgut in den Sammlungen der Stadt Nürnberg

Objekte und deren jüdische Vorbesitzer

Von folgenden Archivalien, Büchern, Gemälden und Graphiken konnten die Provenienzen geklärt sowie ein NS-verfolgungsbedingter Entzug festgestellt beziehungsweise vermutet werden:


Bildergalerie

Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Nor. K. 523

Bildergalerie, welche vierundzwanzig Vorstellungen von verschiedenen Kinder- und andern Spielen, Uebungen und Beschäftigungen, so wie auch einen erklärenden Text enthält zum Zeitvertreib für Kinder. Nürnberg: Johann Trautner o. J.
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Nor. K. 523

Das Zugangsregister der Nürnberger Stadtbibliothek belegt den Erwerb von fünf seltenen Kinderbüchern des 19. Jahrhunderts und einem Stammbuch von Georg Christoph Wilder dem Jüngeren am 29. Juli 1940. Als Vorbesitzer wurde der Name "Rümann" eingetragen. Dahinter verbirgt sich der Münchner Kunsthistoriker Dr. Arthur Rümann (1888-1963), der Anfang Juli 1940 von Siegfried Strauß (1886-1967) in New York den Auftrag erhalten hatte, eine aus Gemälden, Graphiken, Büchern, Archivalien, Fayencen, Medaillen, Münzen und Zunftzeichen bestehende Norica-Sammlung zu veräußern. Siegfried Strauß hatte die rund 10.000 Objekte umfassende Sammlung von seiner Schwester Hedwig Süßheim (1881-1938) geerbt und sah sich durch die Devisenstelle Nürnberg zum Verkauf seines Erbes gezwungen. Ob er frei über den auf ein Sperrkonto überwiesenen Verkaufserlös verfügen konnte, ist bis dato ungeklärt.

Arthur Rümann ließ eine Auswahl der Sammlung nach München bringen und kontaktierte mögliche Interessenten in Chemnitz, Hamburg, München, Nürnberg und Wien, darunter die bekannten Graphiksammler Carl Heumann und Walter Hoffmann sowie den Antiquar Heinrich Hinterberger. Auch der Stadtbibliothek Nürnberg bot Arthur Rümann mehrere Stücke aus der Süßheimschen Norica-Sammlung an, deren Direktor Dr. Friedrich Bock schließlich fünf Kinderbücher und das Stammbuch zur Ergänzung der historischen Buchbestände erwarb. Von diesen insgesamt sechs Bänden konnten bisher vier Bände in der Stadtbibliothek Nürnberg nachgewiesen werden.

Der Zwangsverkauf der Sammlung Süßheim ist durch eine besonders tragische Komponente gekennzeichnet: Hedwig Süßheim nahm sich in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 in Nürnberg das Leben. Zuvor hatte sie testamentarisch festgelegt, dass die von ihrem Mann, dem SPD-Stadtrat Dr. Dr. Max Süßheim (1876-1933), zusammengetragene Norica-Sammlung nach ihrem Tod Eigentum von Siegfried Strauß werden und ins Ausland verbracht werden sollte. Diese letztwillige Verfügung Hedwig Süßheims wurde jedoch von NS-Stellen und Reichsfinanzverwaltung gezielt unterbunden.


Bildergalerie

Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Nor. K. 523a

Bildergalerie, welche vierundzwanzig Vorstellungen von verschiedenen Kinder- und andern Spielen, Uebungen und Beschäftigungen, so wie auch einen erklärenden Text enthält zum Zeitvertreib für Kinder.
Nürnberg: Johann Trautner o. J.
Fragment (Titelblatt fehlt, nur Tafeln 8-23 vorhanden).
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Nor. K. 523a

Zur Provenienz siehe die Informationen zu dem Buch: Bildergalerie, welche vierundzwanzig Vorstellungen von verschiedenen Kinder- und andern Spielen, Übungen und Beschäftigungen, sowie auch einen erklärenden Text enthält zum Zeitvertreib für Kinder.


Erhard, Johann Christoph (1795-1822)

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1078

Erhard, Johann Christoph (1795-1822): Wäscherinnen auf dem Dorfplatz. Undatiert. Blei, Tusche. Blatt: 24,4 x 32,3 cm. Signiert: "J. C. Erhard fec."
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1078

Die Handzeichnung wurde im Juli 1941 von der Hamburger Kunsthandlung Oskar Brozukat erworben und Anfang 1942 in der von Eberhard Lutze konzipierten Ausstellung "Neuerwerbungen im Kriegsjahr 1941" den Besuchern der Fränkischen Galerie am Marientor präsentiert. Auf dem Blatt finden sich mehrere Sammlerstempel, darunter von Dr. Georg Blohm (1866-1926), Hamburg, und Carl Heumann (1886-1945), Chemnitz.
Im November 1927 war die Versteigerung der Sammlung Blohm durch die Hamburger Galerie Commeter erfolgt. Bei dieser Gelegenheit dürfte der jüdische Bankier, portugiesische Honorarkonsul und passionierte Graphiksammler Carl Heumann das Blatt erworben haben, der die Erhard-Zeichnung dreizehn Jahre später, im Mai 1940, durch das Hamburger Antiquariat Dr. Ernst Hauswedell & Co. versteigern ließ.
Ein Verkauf aus verfolgungsbedingten Gründen kann nach aktuellem Forschungsstand nicht völlig ausgeschlossen werden.


Fronmüller, Georg Tobias Christoph (1748-1833)

Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Amb. 3100.8°

Fronmüller, Georg Tobias Christoph (1748-1833): Chronik der Stadt Fürth. 2. Aufl. Fürth: A. Schmittner 1887.
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Amb. 3100.8°

Am 10. Juli 1942 wurde das gesamte Vermögen der Paula Kirschbaum, geb. Süßheim, (1882-1962) vom Deutschen Reich eingezogen. Zu diesem Vermögen gehörte auch ein Anwesen in Utting am Ammersee, in welches Familie Kirschbaum Antiquitäten, Gemälde und Bücher eingelagert hatte. Der Oberfinanzpräsident München ließ die komplette Einrichtung zwischen 1943 und 1944 versteigern, eine Auswahl an Büchern mit Nürnberg-Bezug wurde jedoch an den Oberfinanzpräsidenten Nürnberg zur weiteren Verwertung überstellt. Im September 1944 erwarb die Stadtbibliothek Nürnberg vom Oberfinanzpräsidenten Nürnberg etwa 45 Bände aus der Bibliothek Kirschbaum. Von diesen konnten bisher nur die hier aufgeführten sechs Titel in den Katalogen der Stadtbibliothek Nürnberg bibliographisch identifiziert werden. Die Stadtbibliothek selbst gab Ende September 1944 vier Handschriften aus diesem Konvolut an das Staatsarchiv Nürnberg ab.
Weitere Erwerbungen der Stadtbibliothek von der Reichsfinanzverwaltung in den Jahren 1933-1945 sind nicht belegt.


Gabler, Ambrosius (1762-1834)

Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Nor. K. 541

Gabler, Ambrosius (1762-1834): Skizzen physischer und moralischer Gegenstaende, für die Jugend in 24 Kupfertafeln vorgestellt. Nürnberg: Johann Trautner o. J.
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Nor. K. 541

Zur Provenienz siehe die Informationen zu dem Buch: Bildergalerie, welche vierundzwanzig Vorstellungen von verschiedenen Kinder- und andern Spielen, Übungen und Beschäftigungen, sowie auch einen erklärenden Text enthält zum Zeitvertreib für Kinder.


Geissler, Peter Carl (1802-1872)

Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Nor. K. 537

Geissler, Peter Carl (1802-1872): Neues Colorir- und Bilderbuch für die Jugend mit Darstellungen der Zeitereigniße seit Februar 1848. Zehn illuminirte und zehn schwarze Bilderbogen zum Nachilluminiren. Nürnberg o. J.
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Nor. K. 537

Zur Provenienz siehe die Informationen zu dem Buch: Bildergalerie, welche vierundzwanzig Vorstellungen von verschiedenen Kinder- und andern Spielen, Übungen und Beschäftigungen, sowie auch einen erklärenden Text enthält zum Zeitvertreib für Kinder.


Grabbrief

Stadtarchiv Nürnberg

Grabbrief für die Grabstätte 1462 auf dem Rochusfriedhof in Nürnberg. 1732. Feder, Pergament. 25,1 x 18,5 cm. Datiert: „Actum Nürnberg den 19. Dec. A° 1732.“
StadtAN E 61 Nr. 2 (Signatur alt: A 1 1732, Dez. 19)

Das Staatsarchiv Nürnberg überließ im April 1941 dem Stadtarchiv Nürnberg eine Reihe von Urkunden als Tauschobjekte. Unter diesen befand sich der „Grabzettel auf St. Rochuskirchhof Nr. 1462 für Paul Lonner, Bierbräuer, Ursula Prißwellin, Silberdrahtzieherswitwe, Johann Georg Bayer, Spezereihändler, usw. 1732“.
Die Urkunde war ursprünglich Bestandteil einer 42 Stücke umfassenden Erwerbung, die Dr. Josef Franz Knöpfler, kommissarischer Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns und zugleich SS-Untersturmführer, im Januar 1941 aus konfisziertem jüdischem Umzugsgut getätigt hatte. Einen Monat später gab Knöpfler die erworbenen Archivalien und Bücher an das Staatsarchiv Nürnberg, von dem wenige Monate zuvor der eigentliche Anstoß für diesen Ankauf ausgegangen war. Dass der Verkauf dieser Objekte durch den ursprünglichen Eigentümer Prof. Dr. Karl Süßheim, der nach einem Gefängnisaufenthalt im Münchner Polizeipräsidium vor der Auswanderung in die Türkei stand, unfreiwillig sowie zwangsweise erfolgte, war den beteiligten Personen der Staatlichen Archivverwaltung durchaus bewusst.
Im Zuge der Recherchen des Stadtarchivs zu dem 1941 erfolgten Ankauf des „Meisterbuchs der Nürnberger Sattler“ konnte auch der Weg, den der Grabbrief über vier Stationen genommen hatte, nachgezeichnet und die Provenienz aus der Sammlung Karl Süßheim geklärt werden. Eigeninitiativ hat das Stadtarchiv Nürnberg schließlich 2016 die Nachkommen Karl Süßheims über diesen Archivalienfund informiert. Da bereits das „Meisterbuch der Nürnberger Sattler“ als Depositum der Familie Süßheim dem Stadtarchiv anvertraut ist, hat sich die Familie erfreulicherweise entschlossen, die neuzeitliche Urkunde ebenfalls dem Archiv als Leihgabe zu überlassen.


Hagen, August (1797-1880)

Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Amb. 3091.8°

Hagen, August (1797-1880): Norika, das sind Nürnbergische Novellen aus alter Zeit. Nach einer Handschrift des sechzehnten Jahrhunderts. Mit Bildern nach Albrecht Dürer.
Leipzig: Adriaan M. van den Broucke o. J. [1913].
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Amb. 3091.8°

Zur Provenienz siehe die Informationen zu dem Buch: Fronmüller, Georg Tobias Christoph (1748-1833): Chronik der Stadt Fürth.


Heel, Johann Wilhelm (1637-1709)

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Pl 0256

Heel, Johann Wilhelm (1637-1709), zugeschrieben:
Deckelhumpen aus indischer Jade mit Emailmalerei auf Silbermontierung. Undatiert (um 1700). 12,5 x 10,1 cm.
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Pl 0256

Der Johann Wilhelm Heel zugeschriebene Deckelhumpen wurde im Dezember 1936 von der Kunsthandlung Philipp Rühmer in Tutzing erworben. Aus einem Artikel von William B. Honey in der Zeitschrift "The Burlington Magazine" geht hervor, dass sich der Krug noch 1934 im Eigentum des Frankfurter Kunsthändlers Isaak Löb Rosenbaum (1862-1936) befunden hat, der im August 1934 angesichts zunehmender Repressalien nach Holland auswanderte. Auf welchem Wege Philipp Rühmer, der Anfang 1937 sein Geschäft nach München verlegte, in den Besitz des Humpens gelangte, liegen bisher keine Erkenntnisse vor.


Herding, Johanna

Herding, Johanna: Erzählungen in Prosa und Reimen für Kinder. Nürnberg: Jacob Zeiser o. J. [1869].
BCN, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Amb. 3092.8° (1)

Zur Provenienz siehe die Informationen zu dem Buch: Fronmüller, Georg Tobias Christoph (1748-1833): Chronik der Stadt Fürth.


Meisterbuch der Nürnberger Sattler von 1645

Stadtarchiv Nürnberg E5/57 Nr. 1

Meisterbuch der Nürnberger Sattler von 1645. Handschrift auf Papier. 1645 (mit Nachträgen bis 1806). Ganzpergamentband der Zeit über Pappe. IV + 233 Bl.
Stadtarchiv Nürnberg E 61 Nr. 1 (Signatur alt: E5/57 Nr. 1)

Im Februar 1941 erwarb das Stadtarchiv Nürnberg von Dr. Josef Franz Knöpfler (1877-1963) den vorliegenden Codex für 100,- RM. Die Handschrift ist mit weiteren Büchern im September 1940 von der Zollfahndungsstelle München direkt aus dem in der Wohnung des Münchner Orientalisten Prof. Dr. Karl Süßheim (1878-1947) gelagerten Umzugsgut beschlagnahmt und in das Hauptzollamt Schwanthalerstraße verbracht worden. Dort begutachtete zunächst ein Handschriftenexperte der Bayerischen Staatsbibliothek Karl Süßheims Bücher, deren thematischer Schwerpunkt vor allem auf der Geschichte der Reichsstadt Nürnberg lag. Anschließend sichtete ein Mitarbeiter des Hauptstaatsarchivs München die beschlagnahmten Bücher.

Von dem bevorstehenden Zwangsverkauf dieser Handschrift und weiterer Bücher hatte Ende 1940 auch Dr. Fridolin Solleder, Chef des Nürnberger Staatsarchivs, erfahren. Sogleich wurde er aktiv, um einen Teil der Süßheimschen Bücher für Nürnberg zu sichern. Nach Abschluss eines Kaufvertrages zwischen Karl Süßheim und dem kommissarischen Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns gelangten 42 Handschriften und Drucke im Februar 1941 in das Staatsarchiv Nürnberg. Am 24. Februar 1941 berichtete Fridolin Solleder an die vorgesetzte Stelle: "Das Innungsbuch der Nürnberger Sattler wurde dem Stadtarchiv ausgehändigt, der Betrag von RM 100.- wird seitens der Stadt inzwischen wohl eingegangen sein."

Aufgrund eines 2014 erfolgten Hinweises der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns an das Stadtarchiv, das infolge des Zweiten Weltkrieges sämtliche Dienstakten sowie Zugangsregister verloren und daher nahezu keine Informationen über die zwischen 1933 und 1945 erfolgten Erwerbungen vorliegen hat, wurden intensive Recherchen durch das Stadtarchiv angestellt, um die Hintergründe, die zum Erwerb des "Meisterbuchs der Nürnberger Sattler" geführt haben, zu rekonstruieren. Das Stadtarchiv kam angesichts der Forschungsresultate zu dem Schluss, dass es sich bei diesem Codex um NS-Raubgut handelt. Folgerichtig entschloss man sich, Kontakt zu Familie Süßheim aufzunehmen und eine einvernehmliche Lösung mit den Erben Karl Süßheims, deren Eigentumsanspruch nun außer Frage stand, anzustreben.

Nach der Suche und dem Ausfindigmachen der ältesten Tochter Karl Süßheims in den USA begannen Verhandlungen, in deren Verlauf sich die Familie Süßheim zu einem leihweisen Verbleib des Meisterbuches im Stadtarchiv Nürnberg entschließen konnte. Damit steht diese neuzeitliche Quelle der lokalen Forschung weiterhin zur Verfügung. Am 3. Juli 2015 unterzeichneten Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner, Archivleiter Dr. Michael Diefenbacher sowie Lisa D’Angelo als Vertreterin der Familie Süßheim einen entsprechenden Depositalvertrag im Rahmen der Foyerausstellung "Die Süßheims. Jüdische Bürger, Politiker, Wissenschaftler in Bayern".

Zur Provenienz siehe außerdem die Informationen zu dem Archivale: Grabbrief für die Grabstätte 1462 auf dem Rochusfriedhof in Nürnberg.


Osterwald, Georg (1803-1884)

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gm 1514

Osterwald, Georg (1803-1884): Der Schöne Brunnen in Nürnberg. 1841. Öl auf Leinwand. 78,5 x 64,2 cm. Signiert u. datiert: "GO 1841".
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gm 1514

Im April 1936 erwarb die Städtische Galerie das Gemälde von der Berliner Galerie Peri-Ming, das bereits kurz nach seiner Entstehung Bestandteil der Sammlung des Königlichen Hauses Braunschweig-Lüneburg geworden ist. Aus diesem Fundus kaufte das Provinzial-Museum in Hannover das Bild an, um es im Oktober 1925 an den Berliner Kunsthändler Dr. Fritz Rothmann (1893-1983), der gemeinsam mit seinem Bruder Dr. Gerhard Rothmann (1900-1972) seit 1925 einen Handel mit Gemälden alter Meister betrieb, zu veräußern. Fritz Rothmann floh bereits Ende März 1933 über Holland nach England aus seiner Heimat.

Am 24. Dezember 1935 ordnete das Finanzamt Berlin-Tiergarten die Beschlagnahme des Vermögens von Fritz Rothmann und seiner Ehefrau an. Der entsprechende Steuersteckbrief "wegen einer dem Reich geschuldeten Reichsfluchtsteuer" wurde im Reichsanzeiger vom 8. Mai 1936 beziehungsweise Reichssteuerblatt vom 9. Mai 1936 veröffentlicht.

Zur Begleichung der gegen Fritz Rothmann erhobenen Reichsfluchtsteuer ließ das Finanzamt das Inventar der Rothmannschen Wohnung im Anwesen Bendlerstraße 8 und der Kunsthandlung im Anwesen Victoriastraße 2 versteigern. So führte am 30. Januar 1936 das Berliner Auktionshaus Union Leo Spik im Auftrag des Finanzamts Berlin-Tiergarten eine Zwangsversteigerung durch, bei der das Osterwald-Gemälde angeboten und von Paul Theodor Geyer, Inhaber der Galerie Peri-Ming, erworben wurde. Vier Monate später verkaufte Paul Theodor Geyer das Gemälde an die Stadt Nürnberg.


Schultz, Karl Friedrich (gen. Jagdschulz; 1796-1866)

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1019

Schultz, Karl Friedrich (gen. Jagdschulz; 1796-1866): Jagdgehilfe. Undatiert. Blei. Blatt: 25,2 x 15,5 cm. Signiert: "C. Schultz".
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1019

Das Blatt gelangte im Februar 1941 als Ankauf von der Berliner Galerie Dr. Wilhelm August Luz in die Sammlungen der Stadt Nürnberg und wurde kurz darauf in der Sonderausstellung der Städtischen Galerie "Vom Biedermeier bis zum Kaiserreich. Ein Jahrhundert deutsche Aquarelle, Zeichnungen und Graphiken" gezeigt. Bis 1895 ist die Zeichnung in der Sammlung des 1912 verstorbenen Boguslaw Jolles nachweisbar. Zu einem unbekannten Zeitpunkt erwarb der in Fürth geborene, in München sowie Garmisch tätige Rechtsanwalt Dr. Michael Berolzheimer (1866-1942), der 1913 zum Königlichen Hofrat ernannt wurde, die Bleistiftzeichnung für seine bedeutende Sammlung in Untergrainau. Im Juli 1938 wanderte Michael Berolzheimer gemeinsam mit seiner Frau Melitta Dispeker (gesch. Schweissheimer; 1867-1942) in die Schweiz aus, nicht ohne seinen Stiefsohn Robert Schweissheimer mit der Abwicklung des zu großen Teilen zurückgelassenen Berolzheimerschen Vermögens beauftragt zu haben. Robert Schweissheimer sah sich dem Druck des NS-Regimes zunehmend ausgesetzt, so dass er sich am 2. November 1938 gezwungen sah, die Sammlung Michael Berolzheimer durch das Münchener Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller versteigern zu lassen. Bei der am 9. und 10. März 1939 erfolgten Auktion wurde die Graphik einem Hamburger Händler, der die Interessen des Dr. Wilhelm August Luz bei der Weinmüller-Versteigerung wahrnahm, zugeschlagen. Dr. Waldemar Schweissheimer, ein weiterer Stiefsohn Michael Berolzheimers, strengte nach dem Zweiten Weltkrieg insgesamt 38 Wiedergutmachungsverfahren in Bayern an, um die von verschiedenen Museen und Privatpersonen erworbenen Graphiken sowie Gemälde Berolzheimerscher Provenienz zurückzuerhalten. In diesen Verfahren spielte das Nürnberger Blatt jedoch keine Rolle, da dessen Verbleib dem Antragsteller unbekannt war.

Angesichts des Verfolgungsschicksals von Michael und Melitta Berolzheimer sah sich die Stadt Nürnberg, vertreten durch die Museen der Stadt Nürnberg, auf Grundlage der Ergebnisse der Provenienzforschung des Stadtarchivs veranlasst die Bleistiftzeichnung von Karl Friedrich Schultz zurückzugeben. Die Übergabe des Blattes erfolgte am 7. Juli 2015 an den Vertreter der Erben von Michael und Melitta Berolzheimer.


Tägliche Gebete der Israeliten

Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Theol. 5669.8°

Tägliche Gebete der Israeliten mit deutscher Übersetzung. Nebst einem Anhang deutscher Gebete für Frauen und Jungfrauen. 5. Aufl. Fürth: S. B. Gusdorfer 1867.
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Theol. 5669.8°

Zur Provenienz siehe die Informationen zu dem Buch: Fronmüller, Georg Tobias Christoph: Chronik der Stadt Fürth.


Voit, Johann Peter (1747-1814)

Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Phil. 14872.8° (1 und 3)

Voit, Johann Peter (1747-1814): Unterhaltungen für junge Leute aus der Naturgeschichte, dem gemeinen Leben und der Kunst. / Unterhaltungen für junge Leute aus der Naturgeschichte, dem bürgerlichen Leben und der Kunst: Faßliche Beschreibung der gemeinnützlichsten Künste und Handwerke für junge Leute. 2 Bde. Nürnberg: Christoph Weigel und Adam Gottlieb Schneider 1786-1790.
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek Nürnberg, Signatur Phil. 14872.8° (1 und 3)

Zur Provenienz siehe die Informationen zu dem Buch: Fronmüller, Georg Tobias Christoph : Chronik der Stadt Fürth.


Wagner, Conrad

Wagner, Conrad: Gemeinnützige Kupferblätter zu einer lehrreichen und angenehmen Unterhaltung für Kinder. Band 1. Nürnberg: Conrad Wagner 1815.
Bildungscampus Nürnberg, Stadtbibliothek, Signatur Amb. 3090.8°

Zur Provenienz siehe die Informationen zu dem Buch: Fronmüller, Georg Tobias Christoph : Chronik der Stadt Fürth.


Wilder, Georg Christoph der Jüngere (1794-1855)

Museen der Stadt Nürnberg, Kunststammlungen, Inventarnummer Gr. A. 8632

Wilder, Georg Christoph der Jüngere (1794-1855): Nürnberg vom Schmausenbuck gesehen. 1851. Blei, Aquarell. Blatt: 15,5 x 19,4 cm. Signiert und datiert: "Erinnerung an den 7. Sept. 1851 von G. C. Wilder." Tituliert: "Nürnberg vom Schmausenbock [!] herabgesehen".
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 8632

Von der Nürnberger Buchhandlung E. & H. Frommann hat die Stadtbibliothek Nürnberg im Mai 1939 diese Nürnberg-Ansicht erworben. Wie die oben vorgestellte Graphik "Jagdgehilfe" von Karl Friedrich Schultz befand sich das Blatt ursprünglich in der Sammlung des Juristen Dr. Michael Berolzheimer (1866-1942), die im März 1939 durch das Münchener Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller zwangsversteigert wurde. Im betreffenden Auktionskatalog wird die Wilder-Zeichnung aufgelistet unter der Bezeichnung "Georg Christian Wilder: Nürnberg vom Schmausenbach herabgesehen". Ein anonymer Bieter hatte bei Weinmüller den Zuschlag für diese erhalten.

Die Stadtbibliothek Nürnberg überließ 1971 ihren Graphikbestand, abgesehen von den gebundenen Blättern, der neu gegründeten Graphischen Sammlung der Museen der Stadt Nürnberg. Daher befand sich dieses Wilder-Blatt bis zur Rückgabe dort. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse des Stadtarchivs im Fall Berolzheimer erfolgte am 7. Juli 2015 schließlich die Rückgabe der Wilderschen Vedute von den Kunstsammlungen der Museen der Stadt Nürnberg an den von den Erben Berolzheimer bestimmten Vertreter.


Objekte mit nicht vollständig geklärten Provenienzen

Diese Übersicht stellt eine vorläufige, fortlaufend aktualisierte Zusammenstellung von "verdächtigen" Objekten dar, die seit 1933 von der Stadt Nürnberg erworben wurden und bei denen wohl von einem Zwangsverkauf auszugehen ist. Zur abschließenden Klärung des Sachverhalts sind weitere Recherchen notwendig, deren Resultate zu gegebener Zeit an dieser Stelle veröffentlicht werden.

Bummel, Michael I. (verstorben 1648): Taschenuhr in Form eines Buches

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Inventarnummer W. I. 1846 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Bummel (auch: Bumel, Bommel), Michael I. (gest. 1648): Taschenuhr in Form eines Buches. Undatiert (um 1625). Messing, vergoldet. 7,9 x 6,6 cm.
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Inventarnummer W.I. 1846 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Die Uhr wurde am 11. Januar 1939 von der Kunst- und Antiquitätenhandlung Adolf Klein (Großer Hirschengraben 11, Frankfurt/Main) für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben.


Höger, Josef (1801-1877): Der Leopoldsteiner See

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Iventarnummer Gr. A. 997

Höger, Josef (1801-1877): Der Leopoldsteiner See in der Steiermark. 1866. Aquarell, Blei. Blatt: 30,2 x 42,8 cm. Signiert und datiert: "J. Höger 1866".
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 997

Das Aquarell wurde am 28. Februar 1941 von der Kunsthandlung Robert Möder (Margarethenstraße 54, Wien) für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben.


Keller, Albert von (1844-1920): Frauenbildnis

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Inventarnumer Gm 1731 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Keller, Albert von (1844-1920): Frauenbildnis (Irene von Keller?). 1880. Öl auf Leinwand. 32,2 x 22,4 cm. Signiert und datiert: "Albert Keller" und "1880".
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Inventarnummer Gm 1731 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Das Gemälde wurde am 12. April 1943 vom Nürnberger Oberfinanzpräsidenten für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben.


Müller, Franz Hubert (1784-1835): Berglandschaft mit Figuren

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1085

Müller, Franz Hubert (1784-1835): Berglandschaft mit Figuren. Undatiert. Blei. Blatt: 18,7 x 26,7 cm. Am rechten unteren Blattrand signiert: "F. Müller".
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1085

Die Zeichnung ist am 6. Mai 1941 in der Galerie Leo Schidlof (61 Avenue Victor Emmanuel III, Paris) für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben worden.


Nolde, Emil (1867-1956): Blumenaquarell

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1535

Nolde, Emil (1867-1956): Blumenaquarell. Undatiert (um 1920). Aquarell. Blatt: 34,0 x 47,1 cm. Signiert: "Nolde".
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1535

Im Februar 1947 erwarb das Germanische Nationalmuseum Nürnberg das Aquarell von der Galerie Günther Franke in München und verkaufte es wenige Monate später an die Stadt Nürnberg weiter.


Nürnberger Meister

Germanisches Nationalmuseum, Inventarnummer Pl.O.2757 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Nürnberger Meister: Laute schlagender Engel.
Undatiert (um 1500). Lindenholz. Höhe: 37,0 cm. Sockelbreite: 31,0 cm. Tiefe: 14,0 cm.
Germanisches Nationalmuseum, Inventarnummer Pl.O.2757 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Mit Mitteln der "Stiftung zur Erhaltung Nürnberger Kunstwerke" wurde die Lindenholzskulptur am 17. April 1937 für die Stadt Nürnberg von der 1873 gegründeten Kunst- und Altertumshandlung Friedrich Neumann (Karlstraße 4 und Trödelmarkt 31-35, Nürnberg) angekauft und dem Germanischen Nationalmuseum als Dauerleihgabe übergeben.


Sperl, Johann (1840-1914): Im Sonntagsstaat

Germanisches Nationalmuseum, Iventarnummer Gm 1556

Sperl, Johann (1840-1914): Im Sonntagsstaat (auch: Schmückung zum Fest, Brautschmückung, Bauernmädchen). Undatiert (zw. 1880 und 1890). Öl auf Leinwand. 75,5 x 90,5 cm.
Germanisches Nationalmuseum, Inventarnummer Gm 1556 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Das Gemälde gelangte 1937 von dem Kunstsalon Leo Corneli (Königstraße 73, Nürnberg) in die Sammlungen der Stadt Nürnberg.


Stauffer-Bern, Karl (1857-1891): Brustbild einer Dame

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1333

Stauffer-Bern, Karl (1857-1891): Brustbild einer Dame (Portrait der Sophie Stauffer, der Schwester des Künstlers). 1886. Radierung. Platte: 31,9 x 25,5 cm. Signiert und datiert: "Karl Stauffer-Bern pinx. sculps. Seiner lieben Schwester. 86. III".
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1333

Die Radierung wurde am 12. April 1943 vom Nürnberger Oberfinanzpräsidenten für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben.


Strauch, Lorenz (1554-1630): Bildnis des Goldschmiedes Christoph Jamnitzer

Germanisches Nationalmuseum, Inventarnummer Gm 0208

Strauch, Lorenz (1554-1630): Bildnis des Goldschmiedes Christoph Jamnitzer. 1597. Öl auf Leinwand. 83,5 x 68,5 cm.
Germanisches Nationalmuseum, Inventarnummer Gm 0208 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Das Portrait wurde im Juli 1941 von der Galerie Maria Almas-Dietrich (Ottostraße 9, München) für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben.


Strauch, Lorenz (1554-1630): Bildnis einer jungen Frau

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Inventarnummer Gm 0199 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Strauch, Lorenz (1554-1630): Bildnis einer jungen Frau mit dem Wappen der Rotgießerfamilie Mülich [Magdalena Mülich]. Undatiert. Öl auf Leinwand. 80,5 x 66,7 cm.
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Inventarnummer Gm 0199 (Leihgabe der Stadt Nürnberg)

Das Gemälde wurde am 11. März 1937 von Dr. Heinz Steinmeyer - Gemälde alter Meister (Von-der-Heydt-Straße 8, Berlin) für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben.


Wilder, Georg Christoph der Jüngere (1794-1855): Hof des Leykamschen Brauhauses

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1335

Wilder, Georg Christoph d. J. (1794-1855), zugeschrieben: Hof des Leykamschen Brauhauses in Nürnberg (Burggrafenschlößchen). Undatiert. Blei, Aquarell. Bildraum: 13,6 x 19,1 cm.
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1335

Das Aquarell wurde am 12. April 1943 vom Nürnberger Oberfinanzpräsidenten für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben.


Wilder, Georg Christoph der Jüngere (1794-1855): Jakobstraße

Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1334

Wilder, Georg Christoph der Jüngere (1794-1855), zugeschrieben: Jakobstraße in Nürnberg. Undatiert. Blei, Aquarell, Feder. Bildraum: 13,5 x 19,2 cm.
Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Inventarnummer Gr. A. 1334

Das Aquarell wurde am 12. April 1943 vom Nürnberger Oberfinanzpräsidenten für die Sammlungen der Stadt Nürnberg erworben.


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