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Die Karte von Hans Bien (1630)

Bei der Karte von Hans Bien handelt es sich um eine farbige Darstellung der Stadt in Aufsicht von Süden.
Aufgrund des abgebildeten Fechthauses (1628 erbaut) und des Ganges zwischen Jakobskirche und Deutschordenskommende (1632 abgebrochen) lässt sich die Karte auf das Jahr 1630 datieren.

Angaben zur Karte:
Original Papier auf Leinwand, 48 x 66,6 cm, Federzeichnung, koloriert, Maßstab ca. 1:2900, undatiert und unsigniert. Stadtarchiv Nürnberg, A4, Plansammlung 517/4

Die Karte enthält:

  • den Grundriss der Stadt mit Blockdarstellung der mit Häusern bebauten Flächen
  • detaillierte Darstellungen von bedeutenden Bauwerken, Gärten, Gewässern und figürliche Details wie beispielsweise Bäume
  • farbliche Hervorhebungen der acht Viertel der Stadt mit kennzeichnenden Buchstaben
  • Nummern, die Ortsbezeichnungen, insbesondere Straßennamen zugeordnet sind
  • Legenden am Kartenrand

Die Buchstaben und Nummern in der Karte werden in Legenden in Form von Tabellen beschrieben: eine Tabelle am oberen Rand für die Sebalder Seite, eine am unteren Rand für die Lorenzer Seite. Für jede Stadtseite sind jeweils vier Viertel mit Buchstaben und Namen sowie die Straßen mit ihren Nummern untereinander aufgelistet. Für die Stadtseiten werden 97 bzw. 96 Ortsbezeichnungen erwähnt. Unter dem Salzmarktviertel sind nur sieben Straßen aufgelistet obwohl das Salzmarktviertel wesentlich größer ist.

Die acht Nürnberger Stadtviertel von 1630 sind: Weinmarkt, Milchmarkt, St. Egidien, Salzmarkt und Kornmarkt, St. Elisabeth, Kartäuser und Barfüßer.

Details aus der Karte:

Das Lorenzer Viertel E „Am Kornmarkt“ (Original im Stadtarchiv Nürnberg)

Detail der Kaiserburg

Detail der Kaiserburg (Original im Stadtarchiv Nürnberg)

Text Bienkarte

Detail mit Texten (Original im Stadtarchiv Nürnberg)

Die heutige Bedeutung der Karte

Die Karte von Hans Bien hat heute noch eine große Bedeutung. Sie zeigt die Freie Reichsstadt wie sie ursprünglich angelegt war. Große Baumaßnahmen, die den Grundriss der Stadt neu prägten, fanden erst nach 1630 statt. Erkennbar ist eine Kontinuität zwischen der Reichsstadt und der heutigen Altstadt. Einerseits im Grundriss, andererseits bei den Straßennamen: Über die Hälfte der damaligen Namen ist heute noch in Gebrauch, wenn auch teilweise in anderer Schreibweise oder Zusammensetzung.

Die genau beschriebenen Viertel lassen die Bedeutung von exakten Gebietseinteilungen und Straßenverzeichnissen für die Stadtverwaltung erahnen. Einzeichnungen von farblich hervorgehobenen Viertelgrenzen dienen heute als Vorbild für digital erzeugte Karten. Durch die Kombination von Blockdarstellung und ausgewählten graphischen Details entstand zudem eine übersichtliche und selbsterklärende Karte.

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