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Zeittafel zur Geschichte der Nürnberger Stadtentwässerung

1465

Im Tucherschen Baumeisterbuch (1461 - 1476) wird der Bau einer Dole erwähnt. Dolen waren abgedeckte Gräben, die das Abwasser von der Straße zum nächsten Gewässer leiteten.

1854

Eine Cholera-Epidemie in Nürnberg fordert rund 300 Todesopfer. Eindringlich wird deutlich, dass eine Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in der Stadt unbedingt erforderlich ist.

1865

Der Magistrat beschließt das Projekt zur "Vollendung der Canalisation der Stadt".

1866

Das Stadtbauamt stellt ein erstes Konzept für die Gestaltung der zukünftigen Kanalquerschnitte fertig. Das Kanalisationsprojekt wird jedoch aus finanziellen Gründen nicht weiterverfolgt.

1873

Ein technisches Gutachten über die Notwendigkeit der Kanalisation Nürnbergs wird fertiggestellt. Noch im selben Jahr beginnen die Planungen für ein Nürnberger Gesamt-Entwässerungskonzept.

1874

Mit Bemessungsgrundlagen für die Kanalisation und der Festlegung der Rohrquerschnitte liegen die ersten Ergebnisse des Nürnberger Gesamt- Entwässerungskonzepts vor. Im gleichen Jahr entstehen die ersten neuzeitlichen Kanäle aus Betonrohren.

Vierteiliger Eiprofil-Kanal aus Betonfertigteilen, wie er in Nürnberg von 1874 bis 1891 zum Einsatz kam.

1877

Fertigstellung des Gesamt-Entwässerungskonzepts. Das Konzept sieht eine Entwässerung des Nürnberger Stadtgebietes durch drei Hauptkanäle vor:
- Den Sebalder Sammler für den Bereich der nördlichen Altstadt.
- Den Lorenzer Sammler für den Bereich der südlichen Altstadt.
- Den Gostenhofer Hauptsammler für die Vorstädte Galgenhof, Steinbühl und Gostenhof.

1879

Fertigstellung des Gostenhofer Hauptsammlers. Er mündet bei der Sielstraße in die Pegnitz. Dies erklärt auch den Straßennamen: Ein Abwasserkanal wird (allerdings vorwiegend im norddeutschen Sprachraum) auch als "Siel" bezeichnet.

1891

Baubeginn für den Johannissammler. Er sorgt für die Entwässerung der Stadtteile Johannis und Gärten hinter der Veste und ist eine erste Erweiterung des Entwässerungskonzeptes von 1877.

1897

Im städtischen Krankenhaus geht die erste Nürnberger (Klein-)Kläranlage in Betrieb.

Die erste Nürnberger Kläranlage bestand aus zwei runden Klärbecken, in denen sich die Feststoffe im Abwasser absetzten. Zusätzlich konnte auch Chlorkalk (zur Desinfektion) und ein Fällmittel (zur Entfernung gelöster Stoffe) zugegeben werden.

1898

Die Bauarbeiten für den Südlichen Hauptsammler beginnen. Er sorgt für die Entwässerung der Stadtteile Lichtenhof, Gibitzenhof, Steinbühl und Schweinau und mündet an der Maximilianstraße in die Pegnitz. Er wird im Jahr 1902 fertig gestellt. Durch seine Inbetriebnahme verschlechtert sich jedoch die Wasserqualität der Pegnitz unterhalb seiner Mündungsstelle ganz erheblich.

Bauarbeiten am Südlichen Hauptsammler im Jahre 1898. Die Baustelle in der Maximilianstraße lag damals noch außerhalb des bebauten Stadtgebietes.

1907

Ein Gutachten der königlichen Fischereistation kommt zu dem Ergebnis, dass Pegnitz und Regnitz unterhalb von Nürnberg außerordentlich starke Verunreinigung aufweisen und kein Fischbestand mehr vorhanden ist.

1908

Der Bau einer zentralen Kläranlage für das gesamte Nürnberger Stadtgebiet am Standort Doos (im Westen des Stadtgebietes) wird vorgeschlagen. Auf Grund der hohen Kosten wird das Projekt jedoch nicht weiterverfolgt.

1911

Die Bauarbeiten für die Kläranlage Süd beginnen. Sie soll das Abwasser aus dem Südlichen Hauptsammler reinigen, da die Industriebetriebe in seinem Einzugsgebiet eine äußerst starke Belastung der Pegnitz verursachen.

1912

Der Nördliche Hauptsammler wird fertig gestellt. Mit seinem Bau wurde im Jahr 1908 begonnen.

Der Sturmauslass (Regenüberlauf) des Nördlichen Hauptsammlers. Bis zur Inbetriebnahme der Kläranlage Nord im Jahr 1931 gelangte hier das gesamte Abwasser aus dem nördlichen Stadtgebiet ungereinigt in die Pegnitz.

1913

Am Endpunkt des Südlichen Hauptsammlers geht die Kläranlage Süd als erste Großkläranlage Bayerns in Betrieb. Sie besteht aus Rechen, Sandfang und acht Emscherbrunnen.

Die Kläranlage Süd kurz nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1913. Deutlich erkennbar die acht Emscherbrunnen.

1915

Das starke Bevölkerungswachstum und vor allem der Anschluss des Gostenhofer Hauptsammlers machen eine Erweiterung der Kläranlage Süd um zwölf Emscherbrunnen erforderlich.

1917

Die Denkschrift "Ausbau der Kanalisation und Abwasserreinigung für Groß- Nürnberg", verfasst im städtischen Bauamt, wird fertig gestellt. Sie betrachtet mit den möglichen Stadterweiterungen und Eingemeindungen nahezu die Flächenausdehnung des heutigen Nürnberger Stadtgebietes. Eine ganze Reihe von Kanalbaumaßnahmen sind vorgesehen. Außerdem wird auch das Projekt einer zentralen mechanisch-biologischen Kläranlage bei Doos wieder aufgenommen.

1927

Eine gegenüber der Denkschrift von 1917 deutlich reduzierte Planung zum Ausbau der Nürnberger Stadtentwässerung wird vorgestellt. Als Ergänzung zur bereits bestehenden Kläranlage Süd soll eine mechanische Kläranlage in Doos errichtet werden. Bis auf den Bau des Hauptzuführungskanals wird auf weitere größere Kanalbaumaßnahmen verzichtet.

1928

Beginn der Bauarbeiten am Hauptzuführungskanal zur Kläranlage Nord, der am südlichen Ufer der Pegnitz von der Altstadt bis zum zukünftigen Kläranlagenstandort in Doos führt. Er wird im Jahr 1929 fertig gestellt.

Die Baustelle des Hauptzuführungskanals westlich der Ringbahn, unmittelbar vor der zukünftigen Kläranlage Nord. Links im Bild die Häuser von Muggenhof, im Hintergrund liegt Fürth.

1931

Die Kläranlage Nord geht in Betrieb. Sie besteht aus Rechen, Sandfang, vier rechteckigen Absetzbecken und acht Zellenfaulbehältern.

Blick über die Absetzbecken der fertigen Kläranlage zu den Schlammtrockenbeeten. Im Hintergrund das Betriebsgebäude.

1938

Erste Planungen für die Einführung der biologischen Abwasserreinigung in der Kläranlage Nord. Es soll eine "Belebtschlammanlage" (= "Belebungsanlage") errichtet werden.

1945

Ab April werden alle Arbeiten im Bereich der Stadtentwässerung eingestellt. Nur für die Kläranlagen Nord und Süd wird ein Notbetrieb aufrechterhalten. Sofort nach Kriegsende beginnen die Reparaturarbeiten an beschädigten Kanälen sowie die Kanalreinigungsarbeiten.

1949

Der Neubau von Kanälen beginnt wieder, nachdem seit 1941 alle Bauarbeiten in diesem Bereich eingestellt wurden.

1955

In der Kläranlage Nord wird mit der Inbetriebnahme der Belebtschlammanlage die biologische Abwasserreinigung eingeführt.

1956

In der Kläranlage Nord geht (als Ergänzung der Belebtschlammanlage) eine Tropfkörperanlage in Betrieb.

Belebtschlamm anlage (vorne) und Tropfkörper (hinten) in der Kläranlage Nord / Klärwerk 1.

1958

Auch in der Kläranlage Süd wird die biologische Abwasserreinigung in Tropfkörpern eingeführt.

1959

Der Südwestliche Hauptsammler, dessen Bau im Jahr 1952 begann, wird fertig gestellt. Er schließt die Stadtgebiete um Eibach und Gebersdorf an die Kläranlage Nord an.

1962

Für den Kanalbetrieb wird der erste Hochdruckspülwagen angeschafft. Es handelt sich bereits um einen kombinierten Spül- und Saugwagen.

Die beiden Nürnberger Großkläranlagen werden umbenannt. Sie heißen nun "Klärwerk 1" (bisher Kläranlage Nord) bzw. "Klärwerk 2" (bisher Kläranlage Süd).

Zwei Kanalspülwagen der Stadtentwässerung. Fotografiert im Jahr 1969 vor dem Kanalbetriebshof in der Augustenstraße/Bleiweißviertel.

1972

Durch die Gebietsreform vergrößert sich das Nürnberger Stadtgebiet und gleichzeitig auch die Länge des Kanalnetzes. Sie beträgt nun rund 1050 Kilometer.

1974

Die Kläranlage im 1972 eingemeindeten Ortsteil Brunn geht in Betrieb.

1975

Die zweite biologische Reinigungsstufe (Belebungsanlage) im Klärwerk 1 geht in Betrieb.

Die Belebungsanlage im Klärwerk 1. Vorne die Belebungsbecken, dahinter die Absetzbecken (Nachklärbecken).

1977

Die Bauarbeiten am Südwestlichen Hauptsammler 2 beginnen. Er wird als Stauraumkanal von Reichelsdorf bis zum Klärwerk 1 führen und ersetzt den im Jahr 1959 fertiggestellten Südwestlichen Hauptsammler 1. Fertigstellung im Jahr 2002.

1978

Mit einem Teilabschnitt des Südwestlichen Hauptsammlers 2 geht der erste Nürnberger Stauraumkanal in Betrieb. Er besitzt ein Speichervolumen von 4600 Kubikmetern.

1981

Mit dem Regenüberlaufbecken Apinusstraße (an der Ostendstraße) geht das erste große Nürnberger Regenbecken in Betrieb (Speichervolumen 4400 Kubikmeter).

1983

Inbetriebnahme der Kläranlage Gründlachtal für die nördlichen Vororte Nürnbergs (Großgründlach, Kraftshof, Neunhof).

Die Kläranlage Gründlachtal. Vorne eines der Belebungsbecken, im Hintergrund das Betriebsgebäude mit Rechenanlage. Links davon der Sandfang (im Bild nicht sichtbar).

1984

Die Bauarbeiten für die völlige Umgestaltung des Klärwerks 2 beginnen. In den Jahren bis 1991 entstehen Rechenanlage, Sandfang, sauerstoffbegaste Belebungsanlage (1. biologische Stufe), luftbegaste Belebungsanlage (2. biologische Stufe) sowie ein Abwasserfilter.

1985

Baubeginn für den Pegnitztalsammler. Mit der Schaffung einer leistungsfähigen Ost-West-Verbindung mit Unterfahrung der Altstadt stellt er die Realisierung eines in ähnlicher Form bereits in der Denkschrift zum Ausbau der Kanalisation von 1917 vorgeschlagenen Projekts dar.

1991

Das völlig umgestaltete Klärwerk 2 geht wieder in Betrieb.

1992

Die im Jahr 1972 in Betrieb gegangene Schlammentwässerungsanlage im Klärwerk 1 hat nach zwanzig Betriebsjahren das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Sie wird stillgelegt.

1994

Im Klärwerk 1 geht eine neue Schlammtrocknungsanlage in Betrieb. In ihr kann der Schlamm auf einen Trockensubstanzgehalt von 90 Prozent getrocknet werden.

Ansicht der Schlammtrocknungsanlage.

1995

Der Pegnitztalsammler wird von Klärwerk 1 bis zur Altstadt in Betrieb genommen. Ebenfalls in Betrieb geht der Vorflutkanal Fischbach/Altenfurt mit 22 200 Kubikmetern Speichervolumen.

1997

Die Abwasserdruckleitung von Großgründlach zum Klärwerk 1 geht in Betrieb. Dadurch wird die Auflassung der Kläranlage Gründlachtal ermöglicht.

1999

Die Nürnberger Stadtentwässerung kann auf eine 125-jährige Geschichte zurückblicken. Mit einer Ausstellung im Nürnberger Museum Industriekultur wird dieses Jubiläum gewürdigt.

Das Regenüberlaufbecken am Südlichen Entlastungssammler vor Klärwerk 1 mit 42 000 Kubikmetern Speichervolumen geht in Betrieb. Es ist das größte Nürnberger Regenüberlaufbecken.

Baubeginn für den Südostsammler (Stauraumkanal als Verbindung zwischen Vorflutkanal Altenfurt/Fischbach und Pegnitztalsammler).

Das Regenüberlaufbecken vor Klärwerk 1 im Bau. Foto von 1998.

2000

Der Pegnitztalsammler ist auf seiner gesamten Länge vom Klärwerk 1 bis zum östlichen Ende des Wöhrder Sees fertig gestellt.

2002

Im Klärwerk 1 geht die Hochlastbelebungsanlage in Betrieb.

Der Südwestliche Hauptsammler 2 wird fertig gestellt.

2003

Im Klärwerk 1 geht das Blockheizkraftwerk in Betrieb. Es ermöglicht eine nahezu vollständige Nutzung des bei der Schlammfaulung entstehenden Klärgases.

Im Klärwerk 2 geht das dritte Nachklärbecken in Betrieb. Es verbessert die Abtrennung des Klärschlamms aus der 2. biologischen Stufe.

2005

Im Klärwerk 1 geht das fünfte Nachklärbecken in Betrieb. Es verbessert die Abtrennung des Klärschlamms aus der 2. biologischen Stufe.

2009

Die Kläranlage Brunn geht außer Betrieb, das Abwasser wird zum Nürnberger Stadtgebiet übergeleitet.

Die Reinigung der 41 500 Nürnberger Regeneinlässe ("Gullies") wird von SUN übernommen.

2010

Ein Fahrzeug für die vollautomatische Reinigung von Regeneinlässen wird beschafft.

2011

nach 17 Betriebsjahren wird die Schlammtrocknungsanlage stillgelegt. An ihre Stelle tritt eine Schlammentwässerungsanlage. Die Entwässerung findet in Zentrifugen statt.

Im Klärwerk 1 geht ein zweites Blockheizkraftwerk in Betrieb. Mit den nun vorhandenen Anlagen können 57 % des Strombedarfs und der gesamte Wärmebedarf im Klärwerk 1 CO2-neutral mit eigenem Klärgas gedeckt werden.

Zentrifugen (hinten) und Schlammspeicherbehälter (vorne) der Schlammentwässerungsanlage von 2011.

2013

Im Klärwerk 1 gehen zwei neue Nachklärbecken in Betrieb. Zusammen mit dem bereits 2011 fertig gestellten baugleichen Becken ersetzen sie die drei Nachklärbecken der zweiten biologischen Stufe aus dem Jahr 1975.

Vor 100 Jahren ging mit der Kläranlage Süd (heute Klärwerk 2) die erste Nürnberger Großkläranlage in Betrieb. Sie war gleichzeitig der erste Großkläranlage in Bayern.

2014

SUN ist Träger des Bayerischen Umwelt-Innovationspreises. Ausgezeichnet wurden unsere Maßnahmen zur Aufwertung des Dutzendteichgebiets (Renaturierung Langwassergraben, innovative naturnahe Regenwasserbehandlung im Regenrückhaltebecken Langwasser).

2015

Baubeginn für eine Versuchsanlage im Klärwerk 1: Klärschlammverwertung mit Phosphor-Rückgewinnung im Mephrec-Verfahren

2016

Das Nürnberger Kanalnetz hat eine Länge von 1 474 Kilometern. Es sind 65 Regenbecken und Stauraumkanäle mit einem Speichervolumen von insgesamt 496 921 Kubikmetern sowie 31 Pumpwerke in Betrieb. Für die Reinigung des Abwassers sorgen das Klärwerk 1 und das Klärwerk 2.

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