Gehen Sie mit uns auf eine Zeitreise

Schriftzug 150 Jahre

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Im Jahr 2024 kann die Stadtentwässerung in Nürnberg auf eine 150-jährige Geschichte zurückblicken. Seit 1874 wird durch den Bau und Betrieb von Kanalisation und Kläranlagen Wesentliches für Gesundheitsschutz, Stadtentwicklung und Schutz der Umwelt geleistet.

Und es kommt noch mehr: Klimaneutralität, Nachhaltigkeit und die weitere Verbesserung der Abwasserreinigung sind die neuen großen Themen, an denen wir heute schon arbeiten.

Eine mehrteilige Beitragsreihe nimmt Sie mit auf eine Reise durch die letzten eineinhalb Jahrhunderte und weiter in die Zukunft.


Alles begann mit einem großen Problem

Wie es dazu kam, erfahren Sie im ersten Beitrag unserer Serie.

Er erscheint am 17. Januar 2024



Beitrag 1 - Das Problem: Schlechte hygienische Verhältnisse.

Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt die Einwohnerzahl der Städte. In Nürnberg wächst die Bevölkerung von rund 25.000 im Jahr 1810 auf rund 80.000 im Jahr 1870 – und dies bei nur wenig vergrößertem Stadtgebiet. In den Jahren bis 1900 wurde die Situation durch Stadterweiterungen entschärft.

Die Probleme:
• Viele Menschen auf engem Raum,
• ungenügende Wasserversorgung,
• fehlende Abwasserableitung,
• Mangelernährung durch schlechte Einkommensverhältnisse (niedrige Löhne).

Durch die fehlende Abwasserableitung und die dadurch verursachte Verunreinigung von Trinkwasser kommt es zu Krankheiten und Epidemien.
Typhus und Cholera sind in 19. Jahrhundert die stetigen Begleiter der Menschen.
Diese Epidemien fordern in Europa Hunderttausende von Menschenleben.
Der Gesundheitszustand der Bevölkerung ist auch ansonsten grundsätzlich schlecht.

Entwicklung der Einwohnerzahl in Nürnberg 1810 bis 1900

Entwicklung der Einwohnerzahl in Nürnberg von 1810 bis 1900

Stetiger Anstieg: Die Einwohnerzahlen in Nürnberg


Eine Lösung war dringend nötig!

Auf welchem Weg diese lebensbedrohenden Zustände beseitigt werden, erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag.

Nummer 2 unserer Beitrags-Serie erscheint am 23. Januar 2024.



Beitrag 2 - Die Lösung: Der Bau einer Kanalisation

Ein wesentlicher Schritt zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse ist der Bau einer Kanalisation. Dadurch lässt sich das Abwasser zuverlässig aus der Stadt hinaus leiten.

In Nürnberg beginnen die Bauarbeiten an der Kanalisation im Jahr 1874.

Zunächst werden nur kleinere Teilflächen des Stadtgebiets mit Kanälen ausgestattet. Die Kanäle münden unmittelbar in die Pegnitz und leiten das ungereinigte Abwasser dem Fluss zu. Jedoch sind die Abwassermengen noch sehr gering.

Der Erfolg zeigt sich bereits nach der Fertigstellung einzelner Kanal-Abschnitte:
Der Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessert sich deutlich.

Kanalbau in früherer Zeit

Kanalbau in früherer Zeit: Bauarbeiten im Nürnberger Stadtteil Wöhrd.

Bis in die 1930er Jahre üblich: Aushub von Hand und Transport per Schiene (Kanalbauarbeiten im Nürnberger Stadtteil Wöhrd). Foto: SUN / Stadtarchiv Nürnberg


Und die Bauarbeiten schreiten weiter voran!

Wie sich das Nürnberger Kanalnetz in den folgenden Jahren entwickelt, erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag.

Nummer 3 unserer Beitrags-Serie erscheint am 31. Januar 2024.



Beitrag 3 - Der Kanalbau schreitet voran

Der Bau von Kanälen geht stetig voran, so dass im Jahr 1912 nahezu das gesamte damalige Stadtgebiet mit Hauptkanälen erschlossen ist. Die Länge der Kanäle summiert sich auf rund 280 Kilometer. Dies sind allerdings überwiegend Kanäle mit kleinerem Durchmesser.

Zwei große Hauptsammler mit deutlich größeren Querschnitten – bis zu 2,20 Meter breit und 3,40 Meter hoch – weisen jedoch den Weg in die Zukunft:

  • Der Südliche Hauptsammler als Sammelkanal für die südlichen Stadtgebiete (Lichtenhof, Gibitzenhof, Steinbühl und Schweinau).
  • Der Nördliche Hauptsammler zur Abwasserableitung aus den Stadtteilen Schniegling, Thon, Großreuth und Schafhof im Norden Nürnbergs.

Beide Kanäle haben einen neuartigen, parabelförmigen Querschnitt (siehe Bild) und sind im Gegensatz zur damals üblichen Ziegelstein-Bauweise aus Beton gebaut. Dieser wird an Ort und Stelle in Schalungen gestampft („Stampfbeton“). Sie sind von großer Haltbarkeit und sind noch heute unverändert in Betrieb.

Ein markantes Bauwerk im Kanalnetz

Am sogenannten „Sturmauslass“ (Regenüberlauf) des nördlichen Hauptsammlers erkennt man gut den damals neuartigen Kanalquerschnitt.

Am sogenannten „Sturmauslass“ (Regenüberlauf) des nördlichen Hauptsammlers erkennt man gut den damals neuartigen Kanalquerschnitt. Foto: SUN


Doch der Bau der Kanäle hat erhebliche Nebenwirkungen!

Welche Folgen der Kanalbau für die Gewässer hat, erfahren Sie im nächsten Beitrag.

Nummer 4 unserer Beitrags-Serie erscheint am 7. Februar 2024.



Beitrag 4 - Ein neues Problem: Verschmutzung der Gewässer

Die Kanalisation verbessert zuverlässig die hygienische Situation in der Stadt. Typhus und Cholera treten nicht mehr auf. Die Bevölkerung wird gesünder.

Das Abwasser aus der Kanalisation gelangt jedoch ungereinigt in die Gewässer. Die Pegnitz in Nürnberg wird dadurch so stark verschmutzt, dass es dort keine Fische mehr gibt. Im Pegnitzwasser kommt es zu Fäulnisprozessen mit üblen Gerüchen.

Man hatte die Belastbarkeit der Gewässer ganz erheblich überschätzt!

Die Verschmutzung der Flüsse war erheblich

Die Pegnitz in der Nürnberger Altstadt.

Die Pegnitz in der Nürnberger Altstadt mit Blick auf die Fleischbrücke. Foto: Ferdinand Schmidt. Foto: Stadtarchiv Nürnberg, A 47 Nr. KS-43-6


Doch eine Steigerung ist immer noch möglich!

Eine weitere Sache macht die Beseitigung des Abwassers zu einer echten Herausforderung. Was sich dahinter verbirgt, erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag.

Nummer 5 unserer Beitrags-Serie erscheint am 14. Februar 2024.



Beitrag 5 - Eine Herausforderung: Der Siegeszug des Spülklosetts

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitet sich – ausgehend von England – das Spülklosett. Dies ist ein gewaltiger Fortschritt auf dem Weg zu hygienischen und komfortablen Wohnverhältnissen. Doch diese neuen sanitären Einrichtungen haben auch ihre Nebenwirkungen: Die Abwassermenge und damit die Belastung der Gewässer steigt erheblich an.

In Nürnberg ist ein Spülklosett nur dann zulässig, wenn gleichzeitig eine Klärabortgrube errichtet wird. Die Klärabortgrube trennt die Feststoffe („Fäkalien“) vom Abwasser. Das Abwasser fließt weiter zur Kanalisation, die Fäkalien verbleiben in der Grube.

Alle Abwassergruben müssen regelmäßig geleert werden. Zuständig hierfür ist die städtische Grubenleerung. Das Abwasser fließt jedoch noch immer ungereinigt in die Gewässer.

Grubenleerung mit Pferdefuhrwerk

Ein Fuhrwerk der städtischen Grubenleerung.

Eines der damals zahlreichen Fuhrwerke zur Grubenleerung, mit Fäkalienfass und Dampfpumpe. Foto: Stadtarchiv Nürnberg, A 37 Nr. SP-2


Deutlich hat sich gezeigt: Die Kanalisation allein genügt nicht!

Wie die Gewässer wieder sauberer werden, erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag.

Nummer 6 unserer Beitrags-Serie erscheint am 21. Februar 2024



Beitrag 6 - Es ist soweit: Die Reinigung des Abwassers kommt

Für Nürnberg ist zunächst eine große Kläranlage am tiefsten Punkt des (damaligen) Stadtgebiets an der Stadtgrenze zu Fürth geplant. Doch weil der Aufwand für die Zuführungskanäle weit höher ist als ursprünglich erwartet, wird die Planung nicht weiterverfolgt.

Zunächst soll im heutigen Stadtteil Eberhardshof eine Kläranlage für die südlichen Stadtgebiete Nürnbergs entstehen. Von dort gelangen über den Südlichen Hauptsammler bereits große Abwassermengen aus Industrie- und Wohngebieten ungereinigt zur Pegnitz.

Die Bauarbeiten an der als „Kläranlage Süd“ (heute „Klärwerk 2“) bezeichneten Anlage beginnen im Jahr 1911. Bei ihrer Fertigstellung im Jahr 1913 ist sie die erste große Kläranlage in Bayern. Zur Reinigung des Abwassers kommen die erst kurz zuvor erfundenen Emscherbrunnen (siehe Bild) zum Einsatz.

Mechanische Reinigung: Was schwerer ist als Wasser, setzt sich ab...

Schnitt durch die Emscherbrunnen in der Kläranlage Süd.

Die Emscherbrunnen ermöglichen eine Reinigung des Abwassers mit gleichzeitiger Faulung des Klärschlamms. Foto: SUN / Stadtarchiv Nürnberg.


Doch sauberes Wasser ist nicht das einzige Produkt der Kläranlage!

Was hier noch entsteht und wie dies damals verwertet wird, erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag.

Nummer 7 unserer Beitrags-Serie erscheint am 28. Februar 2024



Beitrag 7 - Die Frage: Was geschieht mit dem Klärschlamm?

Während das gereinigte Abwasser die Kläranlage verlässt, bleibt der Klärschlamm zurück. Er muss zunächst in der Schlammfaulung weiter behandelt werden. In der Kläranlage Süd findet die Faulung zeitgleich in den Klärbecken (Emscherbrunnen) statt.

Danach ist das Wasser vom Klärschlamm abzutrennen. Dies geschieht ohne großen Aufwand in Schlammtrockenbeeten. Dort verliert der Schlamm relativ schnell das Wasser. Es verdunstet oder gelangt über eine Dränage wieder in den Zulauf der Kläranlage.

Lange Jahre ist die Entsorgung des Klärschlamms völlig unproblematisch: Er ist ein begehrtes Düngemittel in der Landwirtschaft und wird kostenlos abgegeben.

Der Klärschlamm ist ein begehrtes Düngemittel für die Landwirtschaft

Abholung von Klärschlamm mit Pferdefuhrwerken.

Der entwässerte Klärschlamm hat eine feste Struktur und kann - wie hier in den 1930er Jahren - mit Fuhrwerken abtransportiert werden. Foto: SUN / Stadtarchiv Nürnberg.


Aber: Der größere Teil des Nürnberger Stadtgebiets hat immer noch keine Kläranlage!

Wie die zweite Nürnberger Kläranlage entstand, erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag.

Nummer 8 unserer Beitrags-Serie erscheint am 6. März 2024



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