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Die Förderpreisträger des Jahres 2018

2018 zeichnete die Jury insgesamt sieben Arbeiten aus, die sich mit der Geschichte der Stadt Nürnberg auseinandersetzen: drei gymnasiale W-Seminararbeiten und vier universitäre Abschlussarbeiten erhielten den Förderpreis des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Der erste Preis im Bereich Studienarbeiten wurde dabei zweifach vergeben.

Förderpreisträger 2018

V.l.n.r.: Maximilian Wagner, Nico Groß, Stefanie Wenisch, Stephan Raab, Milan Stoiljkovic; OStR Nico Löwinger (stellvertretend für Selin Esra Ates), Rüdiger Silberer (stellvertretend für Hadrian Silberer)

In Vertretung des Vereinsvorsitzenden Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly stellte Dr. Michael Diefenbacher, Stv. Vorsitzender und Leiter des Stadtarchivs Nürnberg, am 26. Juni 2018 im Kaisersaal des Staatsarchivs die Preisträgerinnen und Preisträger vor und überreichte die Urkunden und Preise. Die Mitglieder der Jury würdigten die ausgezeichneten Schüler- und Studienarbeiten jeweils mit einer Laudatio.



KATEGORIE SCHÜLERARBEITEN


1. Preis: Nico Groß, Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg

Spätmittelalterliche Fachwerkarchitektur in Nürnberg am Beispiel der Weißgerbergasse. Überblick, Bestandsaufnahme und Besonderheiten

Nico Groß

Die Arbeit entstand im W-Seminar "Karl IV. und seine Zeit – Nürnberg im Spätmittelalter" am Hans-Sachs-Gymnasium in Nürnberg, das von Herrn StD Hans-Martin Kühl geleitet und betreut wurde. Der Verfasser beleuchtet die Merkmale und Besonderheiten der spätmittelalterlichen Häuser in der Weißgerbergasse, die mit 20 gut erhaltenen Fachwerkhäusern die "an Althäusern reichste Straße" in Nürnberg ist.

Die Idee und das Interesse des Verfassers an diesem Thema entstanden durch einen früheren Besuch des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim mit der Schule.


2. Preis: Milan Stoiljkovic, Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg

Die Messerherstellung im Nürnberg des 14. Jahrhunderts und ihre wirtschaftliche Bedeutung

Milan Stoiljkovic

Auch diese Arbeit ging aus dem W-Seminar zum Thema "Karl IV. und seine Zeit – Nürnberg im Spätmittelalter" am Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg hervor (s. 1. Preis). Die Arbeit stellt sowohl die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen des eisenverarbeitenden Gewerbes als auch den Ablauf der Produktion und die wirtschaftliche Bedeutung der Messerproduktion in der Reichsstadt Nürnberg dar.

Dabei werden beispielsweise die Bedeutung der Oberpfalz zur Rohstoffversorgung, die Arbeitsteilung und die Handelskonditionen dieses großen und bedeutenden Nürnberger Handwerks herausgearbeitet, das von einem ursprünglich "freien" Handwerk zu einem "geschworenen" avancierte.


3. Preis: Selin Esra Ates, Sigmund-Schuckert-Gymnasium Nürnberg

Česká CZ 83 – Eine Waffe, eine Mordserie

Die im Rahmen des W-Seminars "Nürnberger Geschichte in Objekten" im Leitfach Geschichte am Sigmund-Schuckert-Gymnasium bei dem Kursleiter Herrn OStR Nico Löwinger entstandene Arbeit behandelt die Mordserie des sog. Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), von dessen insgesamt zehn Mordopfern allein drei in Nürnberg ermordet wurden. Diesen Opfern verleiht sie ein Gesicht. Frau Ates hat sich ihr "Objekt" und damit ihre "Geschichte" selbst ausgewählt. Aufgrund der türkischen Wurzeln ihrer Familie hat sie einen besonderen Bezug zum Thema.

Der Preis wurde stellvertretend von OStR Nico Löwinger in Empfang genommen.



KATEGORIE STUDIENARBEITEN


1. Preis (I): Hadrian Silberer, Universität Erlangen-Nürnberg

Gedächtnis adelt. Die Erinnerungskultur der Rieter von Kornburg um 1600

Hadrian Silberer

Als der Verfasser in einem Vortrag während der 7. Sommerakademie "Juden im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation als multinationalem, multilingualem und multireligiösem Imperium" im Jahre 2015 erstmals von der Familie Rieter hörte, faszinierte ihn dieses Thema so sehr, dass er es für seine Masterarbeit auswählte.

In seiner von Prof. Dr. Birgit Emich im Fach Geschichte betreuten Masterarbeit beleuchtet Hadrian Silberer anhand der Überlieferung der Rieterstiftung im Staats- und Stadtarchiv Nürnberg die Erinnerungskultur der Nürnberger Patrizierfamilie Rieter um 1600. Die drei patrizischen Brüder Hans IX., Philipp und Joachim Rieter legten das Bürgerrecht der Reichsstadt nieder, erstrebten und erlangten schließlich den Aufstieg in die fränkische Reichsritterschaft. Dies gelang ihnen neben der Anlage eines prunkvollen bebilderten Geschlechterbuches auch durch den Ausbau etwa des Herrensitzes Kornburg und die reiche Ausstattung von Memorialorten, besonders der Kirchen in Kalbensteinberg und Kleinschwarzenlohe.

Der Preis wurde stellvertretend vom Vater des Preisträgers, Rüdiger Silberer, in Empfang genommen.


1. Preis (II): Stefanie Wenisch, Universität Erlangen-Nürnberg

Vom "Heldentod fürs Vaterland" zum "Opfer dieses schrecklichen Krieges".

Gefallenenanzeigen deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg als Indikator für Kriegsmüdigkeit

Stefanie Wenisch

Die an der Universität Erlangen-Nürnberg im Fach Geschichte entstandene Zulassungsarbeit beschäftigt sich mit der bislang kaum beachteten und hinsichtlich ihrer Aussagekraft unterschätzten Quellengattung der Traueranzeigen. Hier untersucht Stefanie Wenisch, ob und in welcher Form sich in ihnen das bekannte, aber schwer greifbare Phänomen der Kriegsmüdigkeit niedergeschlagen hat. Die Arbeit wurde durch Prof. Dr.

Stefan Grüner betreut. Bereits in einem Seminar zum Ersten Weltkrieg schrieb die Autorin eine Seminararbeit zum Thema "Todesanzeigen" und baute diese dann für ihre Zulassungsarbeit aus, indem sie alle ca. 7.000 Gefallenenanzeigen aus dem "Fränkischen Kurier", der "Fränkischen Tagespost", der "Nürnberger Volkszeitung" und dem "Schwabacher Tagblatt" auswertete. Dabei wird durch die Veränderung des sprachlichen Stils ab dem Jahr 1916 eine Kriegsmüdigkeit greifbar: Der Tod im Krieg wird immer weniger heroisiert, mehr und mehr werden die Toten als Opfer eines schrecklichen Krieges wahrgenommen, Trauer und Verzweiflung weichen dem nationalen Stolz.


2. Preis: Maximilian Wagner, Universität Erlangen-Nürnberg

"Bergsteigergeist ist Vaterlandsgeist" – Die Alpenvereinssektion Nürnberg 1918-1945

Maximilian Wagner

In seiner von Prof. Dr. Stefan Grüner an der Universität Erlangen-Nürnberg betreuten Masterarbeit im Fach Geschichte untersucht Maximilian Wagner die Kontinuitäten zwischen der Weimarer Republik und dem "Dritten Reich" am Beispiel der Alpenvereinssektion Nürnberg. Nach dem Abwägen verschiedener Themengebiete mit seinem Professor fiel die Entscheidung auf eine kulturgeschichtliche Arbeit zum

Themenkomplex Alpinismus. Herr Wagner hatte sich schon im Vorfeld mit der Geschichte des Alpinismus in der Zeit von 1918–1945 auseinandergesetzt.Da bereits vereinzelt Sektionen ihre Geschichte aufgearbeitet hatten, entschied sich der Autor, dies für die Alpenvereinssektion Nürnberg, in der er auch Mitglied ist, zu untersuchen. In weiteren Diskussionen mit seinem Betreuer wurde "der Fokus dann von einer reinen Ereignis- und Organisationsgeschichte zu einer Geschichte der Ideologien und Vorstellungswelten der Sektionsmitglieder sowie auf deren Transformation in der Weimarer Republik und besonders im Nationalsozialismus verlegt." Ein Ergebnis der facettenreichen Arbeit: völkische und antisemitische Tendenzen waren vor 1933 bereits so ausgeprägt, dass die Anpassung an den NS-Staat problemlos vollzogen werden konnte.


3. Preis: Stephan Raab, Universität Bamberg

Nuremberg, a European City – The Noris in a Europe of cities. Evolution and adaption of urban citizenship in Nuremberg

Stephan Raab

Die an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Fach Politikwissenschaften entstandene Masterarbeit fragt ausgehend von der urbanistischen Diskussion um die Rolle und Funktionen von Cities und Mega-Cities in der globalisierten Welt nach den Möglichkeiten und Zukunftschancen einer kleineren Großstadt wie Nürnberg, die zugleich Mittelpunkt der „Metropolregion Nürnberg“ ist. Die Arbeit wurde durch Prof. Dr. Lasse Gerrits betreut.

Aufgrund des europapolitischen Engagements von Stephan Raab, durch das er für ein Jahr in verschiedenen Städten Deutschlands unterwegs war, entstand die Idee für die Arbeit. Hierbei entdeckte der Autor, "wie unterschiedlich und doch gemeinsam diese Städte sind" und dass "allen Städten eine gewisse Identität aber auch Integrationsleistung zu eigen" ist. Hieraus entwickelte sich schließlich die Idee, diese Integration und Identitätsfrage am Beispiel Nürnbergs zu erläutern. Eines der Ergebnisse der in englischer Sprache abgefassten Arbeit: "innovative thinking" (der berühmte "Nürnberger Witz" also) und eine Herangehensweise, die mit "more pragmatic than lyric" berschrieben werden kann, gehören zur Eigenlogik der Stadt.


Aktualisiert am 11.07.2018, 16:55 Uhr

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