MARTa

Stadtarchiv

Veranstaltungsprogramm

Vorträge am Dienstagabend: Stadt. Geschichte. Nürnberg.

Herzliche Einladung zu unserer Vortragsreihe: in der Regel der erste (oder zweite) Dienstag im Monat außerhalb der Schulferien ist VGN-Vortragszeit. Ab Herbst 2026 finden die Vorträge in Zusammenarbeit mit und am Bildungszentrum im Bildungscampus statt. Wie gewohnt ist auch eine Online-Teilnahme möglich. Der Zoom-Link wird über das Rundschreiben und über Mailverteiler an alle Mitglieder kommuniziert. Für Nicht-Mitglieder ist eine kostenpflichtige Teilnahme durch Anmeldung beim Bildungszentrum möglich. Nähere Informationen dazu auf der Homepage oder im Servicebüro des Bildungszentrums.

Nürnbergs Geschichte steckt voller überraschender Geschichten, neuer Erkenntnisse und spannender Perspektiven. Renommierte Historikerinnen und Historiker sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nehmen ihr Publikum auf eine spannende Entdeckungsreise durch Nürnbergs Vergangenheit mit. Vorgestellt werden neueste Forschungsergebnisse, überraschende Quellenfunde und faszinierende Geschichten aus mehr als tausend Jahren Stadtgeschichte. Dabei stehen sowohl bekannte Orte und Ereignisse als auch bislang wenig beachtete Aspekte der Nürnberger Geschichte im Mittelpunkt.

Das Themenspektrum reicht von der mittelalterlichen Reichsstadt bis in die jüngste Vergangenheit. Ob Mittelalter oder Moderne, Alltagsgeschichte oder große historische Ereignisse – die Vortragsreihe lädt dazu ein, Nürnberg immer wieder neu zu entdecken.

Die nächsten Veranstaltungen

Wenn nicht anders aufgeführt finden alle Vorträge am Gewerbemuseumsplatz 2, Raum 3.11 (3. Stock), statt. Der Vortragssaal ist barrierefrei erreichbar.

Beginn: 19 Uhr.

Der Meistergesang war für die Nürnberger Handwerker mehr als Dichtung: Sie verstanden ihr Dichten als Dienst an Gott und den Menschen. So richteten sie ihr Wirken auf den gemeinen Nutzen aus – für die Gemeinschaft der Singschule ebenso wie für die Stadtgesellschaft insgesamt. Hans Sachs griff die reformatorischen Impulse Martin Luthers früh auf und bekannte sich bereits 1523 mit der „Wittembergisch Nachtigall“ öffentlich zur Reformation. Im Kreis der Singschule setzte er sich mit den neuen theologischen Gedanken auseinander: Seine geistlichen Meisterlieder erschließen zentrale reformatorische Lehren eigenständig aus der Bibel, während die weltlichen Meisterlieder diese theologischen Grundsätze an Beispielen aus dem Alltag erproben. So verband Hans Sachs reformatorische Theologie mit der Lebenswelt der Handwerker und dem Gemeinwohl der Nürnberger Stadtgesellschaft.

Achtung: der Vortrag findet in der Lernwelt der Stadtbibliothek Zentrum statt! Die Lernwelt ist barrierefrei erreichbar.

90 Fragen richtete der hochbegabte Cesare Borgia an den von seinem Vater Papst Alexander VI. angestellten Haushofmeister, den Nürnberger Humanisten Lorenz Beheim. Brennend interessierte sich der spätere brutale Feldherr für die Verabreichung von Giften, für Geheimschriften, den Festungsbau oder cose galante. Der Fragenkatalog im Nachlass Willibald Pirckheimers, 1971 als Verlust verzeichnet und 2024 an die Stadtbibliothek zurückgegeben, wird nach dem Original vorgestellt.

Dr. Christine Sauer absolvierte ein Studium der Kunstgeschichte, Byzantinischen Kunstgeschichte und Mittelalterlichen Geschichte an der University of Delaware und an der LMU München. 1990 erfolgte die Promotion mit einer Arbeit über die Memorialfunktionen von Klostergründerbildern, 1991 bis 1995 war sie wissenschaftliche Angestellte an der WLB Stuttgart zur Katalogisierung illuminierter Handschriften, bis 1997 erfolgte ein Bibliotheksreferendariat an der Universitätsbibliothek Trier und der Bibliotheksschule in Frankfurt/Main. Seit 1998 an der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Leiterin der Historisch-Wissenschaftlichen Stadtbibliothek. Zahlreiche Publikationen zur Buchmalerei, zu Alten Drucken, zur Bibliotheksgeschichte und zur Erforschung von NS-Raubgut speziell an der Stadtbibliothek Nürnberg. Außerdem ist Sie Mitglied des erweiterten Vorstands des VGN und der Schriftleitung der Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg.

Zum 500-jährigen Jubiläum des Melanchthon-Gymnasiums erlebt ein ehemaliger Zeichenlehrer sein großes Comeback: Der Romantiker Peter Conrad Schreiber steht wieder im Fokus der Kunstgeschichte. Seine im Geist der Italiensehnsucht geschaffenen Werke bedienten damals einen weltweiten Markt. Sie fangen ein tiefes Verlangen nach Sinnlichkeit und innerer Einkehr ein – Emotionen, die uns auch heute noch bewegen. Erleben Sie einen Vortrag über Kunst, Sehnsucht und ein Stück Schulgeschichte!

Nach verschiedenen Tätigkeiten im Kunsthandel und im musealen Bereich lebt und arbeitet Dr. Silke Colditz seit 1992 als freischaffende Kunsthistorikerin und Autorin in Nürnberg. Seit 2022 ist sie als Museumspädagogin am BIBELMUSEUM BAYERN tätig. Als letzte Projektarbeit kuratierte sie die Ausstellung „Peter Conrad Schreiber – Der Weg in den Süden“ auf der Plassenburg in Kulmbach. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins Kulturhistorisches Museum Nürnberg e.V.

Im Zuge des Wiederaufbaus errichtete 1950 der Kölner Warenhauskonzern Kaufhof AG nördlich der Mauthalle Nürnbergs ersten Warenhausneubau nach dem Krieg. Bereits zur Bauzeit heftig umstritten, wurde das Gebäude 1960/61 nach Südwesten erweitert und erhielt seine heutige Natursteinfassade. Wenige Tage nach der Schließung im Juni 2023 hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege nach längerer Prüfung das Warenhaus aus geschichtlichen Gründen als Kulturdenkmal ausgewiesen. Der künftige denkmalgerechte Umgang mit dem Gebäude ist daher auch für den Denkmalschutz ein zentrales Anliegen. Der Vortrag beleuchtet nicht nur die spannende Baugeschichte und die architektonischen Qualitäten des Kaufhauses. Er betrachtet auch seine Denkmalwerte, die es bei künftigen baulichen Veränderungen möglichst zu bewahren gilt.

Dr. Marco Popp, geboren 1977, ist studierter Architekt und Denkmalpfleger. Er hat 2011 zur Restaurierungsgeschichte von St. Lorenz promoviert. Darauf folgte eine knapp fünfjährige Tätigkeit bei der Unteren Denkmalschutzbehörde Mainz. In den vergangenen zehn Jahren arbeitete er beim Denkmalamt der Stadt Frankfurt am Main, zuletzt als stellvertretender Leiter der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege. Seit 1. März 2026 ist er neuer Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde in Nürnberg. Die Behörde ist für den Schutz, den Erhalt und die Pflege der Baudenkmäler und Ensembles im Stadtgebiet zuständig. Sie entscheidet über denkmalrechtliche Erlaubnisse bei Umbauten, berät Eigentümer, überwacht die Einhaltung von denkmalrechtlichen Vorschriften und bearbeitet Förderanträge für Sanierungen.

Führungen

Unser Veranstaltungsprogramm wird durch verschiedene Führungen ergänzt. Bitte beachten Sie die Hinweise zur Anmeldung bei der jeweiligen Ankündigung.

Im Herbst wird die Vortragsreihe des VGN an den Gewerbemuseumsplatz 2 ins Bildungszentrum am Bildungscampus Nürnberg wechseln. Anlass genug, bei einem Spaziergang Rund um den Gewerbemuseumsplatz am 9. September, ab 17.30 Uhr, einen genauen Blick auf dieses historische Gebäude, seine Geschichte und Entwicklung im Kontext der kulturellen Topografie zu werfen. Arne Zielinski, Historiker und Direktor des Bildungscampus Nürnberg, wird über 700 Jahre Stadtgeschichte auf einem Hektar, lebendig werden lassen.

Treffpunkt ist die Brücke am Cinécitta (Vordere Insel Schütt) in 90403 Nürnberg.

Da die Plätze begrenzt sind bitten wir zwingend um eine Anmeldung per Mail oder Telefon bei Alda Hellmuth unter verein-fuer-geschichte@stadt.nuernberg.de oder Tel. 231-7332 zu den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle. Eine Anmeldung ist ab sofort möglich.

Informationen und Anmeldung

Die Vorträge und Führungen sind für Vereinsmitglieder kostenfrei besuchbar. Bitte beachten Sie die Hinweise zur Anmeldung bei der jeweiligen Ankündigung. Das Vortragsprogramm am Dienstagabend kann ohne Anmeldung besucht werden. Für Sonderveranstaltungen oder Führungen bitten wir in der Regel um eine Anmeldung.

Eine Anmeldung ist per Mail oder Telefon bei Alda Hellmuth unter verein-fuer-geschichte@stadt.nuernberg.de oder Tel. 231-7332 zu den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle möglich.

Eine (kostenpflichtige) Anmeldung zum Vortragsprogramm erfolgt für Nicht-Mitglieder über das Bildungszentrum.

Veranstaltungsrückblick

Das Doppeljahr 1525/26 markierte nicht nur für Nürnberg, sondern darüber hinaus eine Zeit außerordentlicher Umbrüche und zukunftsweisender Ereignisse: Nürnberger Religionsgespräch, Bildersturm, Bauernkrieg oder Eröffnung des heutigen Melanchthon-Gymnasiums zählen zu diesen epochalen wie impulsgebenden Entwicklungslinien und Zäsuren. Der Verein hat 2025/26 im Rahmen des umfangreichen Programms „500 Jahre Nürnberger Religionsgespräch – streit.macht.zukunft.“ bis März 2026 sieben Vorträge angeboten, die in die VGN-Vortragsreihe eingefügt wurden. Damit wurde die ausgesprochen dichte Phase einer Transformation, in der vor 500 Jahren Neues gedacht und entwickelt wurde und zugleich Vieles auch zu einem Endpunkt gelangte, unter dem Titel „#25/26 – Welt im Umbruch“ in den Blick genommen.

#25/26 – Welt im Umbruch

Prof.Dr. Wolfgang E.J. Weber: Vom gescheiterten Aufstand 1525 zur Utopie 1527: Wie sich der Nürnberger Hans Hergot die neue christliche Welt erträumte

7. Januar 2025

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Prof. Dr. Wolfgang E. J. Weber, Augsburg

Das Scheitern der Aufstände 1525 erstickte zwar die sehnsüchtige Erwartung ihrer Anhänger, baldigst zu einer guten Weltordnung zu gelangen. Gänzlich aufheben konnte es diese Hoffnung jedoch nicht. Zu den vergleichsweise wenigen Schriften, die noch im Schatten von 1525 sowohl die Niederlage verarbeiteten als auch am Glauben an eine unausweichliche Besserung festhielten, zählt die „Neue Wandlung eines christlichen Lebens“ des in Nürnberg tätigen Druckers, Verlegers, Buchhändlers und mutmaßlichen Autors Hans (Johannes) Hergot (ca. 1490–1527).

In Leipzig, dem verheimlichten Druckort des Bändchens, ohne förmlichen Prozess hingerichtet, hat Hergot als einer der wichtigsten Multiplikatoren der christlich-sozial radikalen Reformation zu gelten, an den im Gedenkjahr 2025 zu erinnern nicht nur Nürnberg Anlass hat.

Dr. Wolfgang Mück: Auf den Spuren des Architekten Fritz Mayer (1889–1964) in Nürnberg und im ländlichen Franken

4. Februar 2025

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Dr. Wolfgang Mück, Neustadt a.d. Aisch

In der Fachwelt gilt der in Bad Windsheim geborene Architekt Fritz Mayer (1889–1964) als avantgardistischer Baumeister der Frühen Moderne, wird dann aber mit mehreren seiner Werke dem in den 1930er Jahren vorherrschenden Heimatschutzstil zugerechnet. In der unmittelbaren Nachkriegszeit entwickelte er beim Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Nürnberg in glücklicher Zusammenarbeit mit seinem Sohn, dem Architekten und Hochschullehrer Walter Mayer (1929–1988), eine neue Formensprache, ohne seine vormalige Prägung aufzugeben.

Der Vortrag berücksichtigt neben Nürnberg den ländlichen Wirkungsraum Mayers.

Dr. Martina Switalski: „Die Jugend recht bilden ist etwas mehr als Troja erobern“ – Melanchthons Wille und Schulwirklichkeit in Nürnberg nach 1526

11. März 2025

19:00 Uhr

Vortrag

Referentin: Dr. Martina Switalski

Den spätscholastischen Widersprüchen in kirchlicher Erziehung zwischen Kloster- und Lateinschulen beziehungsweise unsteten Bacchanten setzte der Rat der Stadt Nürnberg 1526 selbstbewusst eine neue Schulform nach Philipp Melanchthons Idealen gegenüber.

Für die aufstrebenden, zunehmend globalisierten Handelsleute und Patrizier waren die „septem probitates“ der Ritter, die Fertigkeiten im Reiten, Fechten, Schach und Minne ebenso wenig verwertbar wie die antiken „septem artes liberales“ des Klerus zwischen Grammatik, Dialektik, Musik und Astronomie. Die Bildungsbedürftigkeit definiert den Menschen und erfordert in der Überzeugung Melanchthons Sprachbeherrschung, Quellenstudium reformatorischer sowie lateinisch-griechischer Vordenker und gänzlich neuen Religions- und Mathematikunterricht als Bindeglied zur Universität. Von Ulrich von Hutten wird kolportiert, dass alle anderen Städte in Deutschland blind gewesen seien und nur Nürnberg noch auf einem Auge sah. Luther steigert das Lob des „ehrbaren, fürsichtigen Rath“, der „eine solch feine, herrliche Schule“ stiftete 1530 gar zum guten Werk für die Christenheit. Dieses Bildungsbündnis zwischen Patriziern, Reformatoren und Humanisten im Brennspiegel des Melanchthon-Gymnasiums war stets widersprüchlich und fragil, bewährt sich aber im kontinuierlichen Wandel schon ein halbes Jahrtausend.

Max-Quentin Bischoff M.A.: Die Zukunft im 16. Jahrhundert. Prognosen und Pläne der Tucher zwischen Inflation, Pest und Krieg

1. April 2025

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Max-Quentin Bischoff M.A.

Holzschnitt Allegorie des Handels © Peter Maes, Lizenz: CC BY 4.0 / Museum Plantin-Moretus

Allein der Begriff „die Zukunft“ galt lange als ein Signum der Moderne, als insbesondere europäische Gesellschaften begannen, die Welt als Domäne ständigen Wandels und aktiven Gestaltens zur Verbesserung der Lebensbedingungen zu begreifen. Tatsächlich haben verschiedene Gesellschaften ganz unterschiedliche Vorstellungen von Zeit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Briefe der Familie Tucher aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gewähren außergewöhnlich detaillierte Einblicke in die alltäglichen

Zukunftserwartungen und Pläne in einer Zeit geprägt von sozialen, politischen, religiösen und wirtschaftlichen Umbrüchen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die wichtigsten zeitgenössischen Hoffnungen, Befürchtungen und Pläne sowie Vorhersagetechniken, mit denen sich eine Kaufmanns- und Patrizierfamilie dieser Zeit beschäftigte.

Lea von Berg M.A.: „Ferliche aufrürige zeiten“ – Die Nürnberger Klarissen und die Reformation

06. Mai 2025

19:00 Uhr

Vortrag

Referentin: Lea von Berg M.A., Freiburg

Der Ausgang des Nürnberger Religionsgesprächs hatte einschneidende Folgen für die Klöster der Stadt, so auch für den dortigen Klarissenkonvent. Die durch den Rat veranlassten Maßnahmen zur schrittweisen Abschaffung des geistlichen Lebens in der Form, wie es die Nonnen bei ihrem Klostereintritt gewählt hatten, rief bei den Nürnberger Klarissen unter der Führung ihrer Äbtissin Caritas Pirckheimer erbitterten Widerstand hervor.

Eindrucksvolles Zeugnis dieses Konflikts sind die chronikalischen „Denkwürdigkeiten der Caritas Pirckheimer“, die auch unter literarischen Gesichtspunkten eine eingehendere Betrachtung wert sind.

Dr. Barbara Fischer Kohnert und Dr. Tillmann Kohnert: Ergebnisse der Bauforschung am Sebalder Pfarrhof

Vortrag entfällt!

Referentin: Dr. Barbara Fischer-Kohnert und Dr. Tillmann Kohnert, Bamberg

Nach vielen Jahren der umfassenden Sanierung des Sebalder Pfarrhofes (2012–2022) können nun Ergebnisse unserer sanierungsbegleitenden, baugeschichtlichen Forschung vorgestellt werden, bei der Bekanntes überprüft und Neues entdeckt wurde.

Die prominente und geschichtsträchtige Gebäudegruppe zeigt beispielsweise im erhaltenen Baubestand deutlich mehr hochmittelalterliche Substanz als die ältere Forschung vermutete. Ihre baugeschichtliche Entwicklung verläuft parallel zu der der Pfarrkirche und beginnt ebenfalls bereits im 13. Jahrhundert. Nachdem die Backsteinbauweise in der Mitte des 12. Jahrhunderts die Alpen überquert hatte, ist sie effizient und modern auch im Pfarrhof anzutreffen. Die wachsende Zahl von Vikaren und Gästen führte im 14. Jahrhundert – wohl mitfinanziert durch 200 Gulden, die Pfarrer Krauter von einer Spende Karls IV. abzuzweigen vorhatte – zu weiteren Ausbauten: Ein angemessener Speisesaal im Südflügel, darüber ein repräsentiv ausgestatteter Festsaal, sowie das berühmte steinerne Chörlein. Nicht nur der Brand von 1367 erforderte Reparaturen und Neubauten, sondern auch die steigenden Ansprüche wie die wachsende Bibliothek und der erwünschte Repräsentations- und Wohnkomfort führten zu verschönernden Wand- und Deckenbemalungen und zeitgemäßen Bodenbelägen. So lassen sich vielfältige Umbauten und Erneuerungen von Zu- und Durchgängen, Treppenanlagen und Wänden bis in die Renaissance- und Reformationszeit festhalten, womit dann allerdings die Dinge langsam zum Stillstand kommen. Was die Kriege – vor allem der Zweite Weltkrieg – verschonten, ist ein Konglomerat, das erst mit der Bauforschung wieder zu entwirren war.

Dr. Thomas Renkl: Dürers „Bauernsäule“ zwischen Kunstwissenschaft, Bauernkrieg und Reformation

11. November 2025

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Dr. Thomas Renkl, Herdecke

Mit der sogenannten Bauernsäule entwarf Albrecht Dürer 1525 ein Denkmal, das in der Geschichte der Erinnerungskultur ohne Beispiel ist. Die Lesarten der Forschung reichen hierbei von der These, Dürer habe das Monument erdacht, um seine Solidarität mit den aufrührerischen Bauern zu bekunden, bis hin zu dem Befund, sie dem Spott auszusetzen und lächerlich zu machen.

Lösbar erscheint der Widerstreit der Deutungen, wenn der Gegenstand mit seiner kaum zufälligen Häufung an Paradoxien im Detail und letztlich im Zusammenhang mit dem Spannungsfeld aus religiösem Umbruch, politischer Auflehnung und dem Festhalten an der bestehenden Ordnung betrachtet wird – einem Spannungsfeld, in dem Bilderstreit, Zensur und die Verfolgung vermeintlich subversiver Werkstätten auch die Freiheit der Kunst bedrohten.

Dr. Herbert Schott: Übernahme der Akten der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse ins Staatsarchiv

Nürnberg und der Kampf um deren Einsichtnahme bis Anfang der 1970er Jahre

02. Dezember 2025

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Dr. Herbert Schott

Das Staatsarchiv Nürnberg verwahrt einen großen Teil der Akten des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses (1945/25) und der 12 Nachfolgeprozesse (1946–1949). Es handelt sich weitgehend um Umdrucke und Kopien, die Originale liegen in Den Haag (Internat. Gerichtshof, Akten des Hauptkriegsverbrecherprozesses) bzw. den USA. Warum bemühte sich das Staatsarchiv um diese Akten und wie kamen sie ins Staatsarchiv? Es dauerte lange, das ungeordnete Aktenmaterial zu sichten und zu erschließen.

Die Amerikaner gingen davon aus, dass die Akten interessierten Personen zugänglich gemacht werden. Anfangs wurde die Benutzung dadurch erschwert, dass das Material vielfach ungeordnet war. Trotz erschwerter Bedingungen konnten die Akten der Kriegsverbrecherprozesse durch Forscher, Behörden und Gerichte benutzt werden, wenn auch oft nur eingeschränkt.

Der Vortrag geht auf die Frage ein, wie Benutzung ermöglicht und wie sie verhindert wurde. Dabei spielten auch die politischen Gegebenheiten eine Rolle, z.B. wenn Stellen aus dem Ausland, v.a. dem sog. Ostblock, wie etwa das Museum Auschwitz 1956, nach den Akten fragte oder der Regierung Adenauer kritisch gegenüberstehende Organisationen wie der DGB 1951. Wer wollte Akten einsehen, wie reagierten das Staatsarchiv Nürnberg, die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und das Staatsministerium für Kultus? Erst 1972 wurde das „Grenzjahr“ auf den 8. Mai 1945 festgelegt. In den sechziger und siebziger Jahren wurden jährlich Tausende Akten der Kriegsverbrecherprozesse ausgehoben. Heute sind die Akten für jeden Interessierten offen, sie werden häufig benutzt und sollen in den nächsten Jahren digitalisiert im Internet allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden.

Dr. Antonia Landois, Nürnberg: Reformation als Randnotiz: Andreas Osianders eigenhändige Marginalglossen in einem Almanach

13.01.2026

19:00 Uhr

Vortrag

Referentin: Dr. Antonia Landois

Bislang unbekannte, eigenhändige Eintragungen des Nürnberger Reformators Andreas Osiander (1496–1552) in einem astronomischen Monatskalender geben Einblick in die Jahre der Reformation und wie er einige Vorgänge darin bewertete. Sowohl berufliche als auch „private“ Ereignisse hielt er nachträglich darin fest.

Der Druck mit den handschriftlichen Einträgen befindet sich heute in der Württembergischen Landesbibliothek und hat eine spannende Geschichte, die mehrere Generationen und Familien umfasst. Den darin zu findenden, unter anderem auch klimageschichtlich aufschlussreichen Informationen wird im Vortrag nachgespürt.

Dieter Beckh, Nürnberg: Die Gründung der Deutschen Spielwaren-Fachmesse 1950: Wie es dazu kam

03.02.2026

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Dieter Beckh

Im März 2025 lag es 75 Jahre zurück, dass im März 1950 in Nürnberg die 1. Deutsche Spielwaren-Fachmesse stattfand.
Dies war nicht selbstverständlich, denn die Spielwarenindustrie stellte nach 1945 zunächst auf den Messen in Frankfurt und Köln aus. Doch es gab vielfältigen Anlass zur Kritik.

Nach Diskussionen in der Arbeitsgemeinschaft Spielwarenindustrie im Vereinigten Wirtschaftsgebiet wurde im September 1949 der Beschluss gefasst, im Frühjahr 1950 eine Messe in Nürnberg zu veranstalten.

Trotz der Schwierigkeiten, im noch weitgehend zerstörten Nürnberg innerhalb weniger Monate eine Messe zu organisieren, wurde die Messe ein großer Erfolg. In den folgenden Jahren verzeichnete die Messe ein stürmisches Wachstum, im damaligen Messegelände am Stadtpark wurden im Jahresrhythmus neue Gebäude errichtet. Im Jahr 1958 wurde auf Betreiben von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard aus der Deutschen Spielwaren-Fachmesse die Internationale Spielwarenmesse.

Der Erfolg der Messen ist auch Fritz Drescher zu verdanken, dem Organisator der Messe 1950 und Messedirektor bis 1974.

Der Referent ist Sohn des Spielzeugfabrikanten Ottmar Beckh, ist Sammler von Nürnberger Blechspielzeug, ist spielzeuggeschichtlich interessiert. Er hat die Quellen ausgewertet, insbesondere die Branchenzeitschrift das SPIELZEUG des Bamberger Verlages Meisenbach.

Dr. Wolfgang Mährle, Stuttgart: Eine Jahrhundertaffäre: Philipp Melanchthon und Nürnberg

03.03.2026

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Dr. Wolfgang Mährle

Obwohl er nie in Nürnberger Diensten stand, erlangte Philipp Melanchthon (1497–1560) für die Geschichte der fränkischen Reichsstadt im 16. und frühen 17. Jahrhundert eine überragende Bedeutung. Die spezielle Beziehung Melanchthons zu Nürnberg prägte die reichsstädtische Kirchen- und Schulpolitik, wirkte jedoch darüber hinaus. Im Vortrag soll dieser Verbindung, ihren Protagonisten, ihren Konjunkturen und ihren Konsequenzen nachgespürt werden.

Das enge Verhältnis Melanchthons zu Nürnberg ging auf persönliche Begegnungen an der Universität Wittenberg zurück. Dort lernte der Reformator den fast gleichaltrigen Nürnberger Patrizier Hieronymus Baumgartner kennen und schätzen. Baumgartner prägte nach der Einführung der Reformation im Jahr 1525 mehrere Jahrzehnte lang die Kirchen- und Bildungspolitik seiner Heimatstadt. Er stimmte sich dabei eng mit Melanchthon ab. Ein gemeinsames Projekt der beiden Freunde war die Gründung der „Oberen Schule“ im Jahr 1526.

Noch zu Lebzeiten Melanchthons, aber auch nach seinem Tod im Jahr 1560 besetzten Schüler und Anhänger Melanchthons Schlüsselpositionen in der Nürnberger Kirche. Dies wurde virulent, als sich in den 1570er und 1580er Jahren die seit längerem schwelenden innerprotestantischen Konflikte zwischen orthodoxen Lutheranern und Anhängern Melanchthons in den Auseinandersetzungen um das Konkordienbuch zuspitzten. Nürnberg positionierte sich im Lager der „Philippisten“, lehnte also die lutherisch geprägte Konkordienformel ab. Die an Melanchthon angelehnte Ausrichtung der Nürnberger Kirche blieb bis zum Dreißigjährigen Krieg erhalten.

Christoph Fürst M.A., Erlangen: Von der Seuche zur Kanalisation. Der Beginn der Nürnberger Stadtentwässerung aus interdisziplinärer Sicht

14.04.2026

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Christoph Fürst M.A.

Als am 11. September 2024 ein Teil der Carolabrücke in Dresden einstürzte, löste dies
eine intensive bundesweite Debatte über marode Infrastrukturen und deren Bedeutung
aus.

Dass es erst einer Krise bedarf, um diese im Alltag sonst so unsichtbaren Strukturen sichtbar zu machen ist hierbei kein Einzelfall, sondern steht in langer historischer Tradition. Besonders eindrücklich wird dieser Umstand beim Beginn der modernen Kanalisation in Nürnberg deutlich, welche die Antwort der hiesigen Stadtverwaltung auf die verheerenden Choleraepidemien des 19. Jahrhunderts war.
Dass man somit erst eine weitere große Gefahr für die Stadtbevölkerung schuf, sollte sich hingegen erst später zeigen.

Wie die Cholera zum Beginn der modernen Abwasserentsorgung führte, wie gesundheitspolitische Narrative diesen Prozess beeinflussten und welche Rolle eigentlich die natürlichen Begebenheiten des Nürnberger Bodens hierbei spielten, wird
im Vortrag nachgespürt.

Prof. Dr. Wolfgang Wüst, Erlangen/Nürnberg: 500 Jahre alt und doch stets lebendig ...

Nürnbergs Melanchthon Gymnasium im bayerischen Königreich und die 300-Jahrfeier 1826

12.05.2026

19:00 Uhr

Vortrag

Referent: Prof. Dr. Wolfgang Wüst

vor der Fassade des Melanchthon-Gymnasiums in Nürnberg, kolorierte Lithographie (Graphische Sammlung der Stadt Nürnberg). © Stadtarchiv Nürnberg

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts veränderte sich die Welt auch in Bayern grundlegend. Die freie Reichsstadt Nürnberg wurde ebenso wie die meisten fränkischen und ostschwäbischen Reichsherrschaften – geistliche wie weltliche – dem modernen bayerischen Staat zugeordnet, der am 1. Januar 1806 zum Königreich erhoben wurde.

Der Übergang erfolgte meist unter Zwang, wenn es auch in Franken durchaus Stimmen gab, die sich von einer bayerischen Zukunft Vorteile erhofften. Die Politik der Zeit war zunächst als Folge der Säkularisation 1802/03 vor allem für die traditionsreichen Kloster- und Stiftsschulen existenzgefährdend. Aber auch die städtischen Schulen mussten sich unter neuen Rahmenbedingungen zurechtfinden. Erst mit dem Regierungsantritt Ludwig I. als König von Bayern im Jahre 1825 begannen ruhigere und traditionsbewusste Zeiten. Fast zeitgleich blickte man im Nürnberger Melanchthon Gymnasium auf eine 300jährige Schulgeschichte zurück. Der landweite bayerische Aufruf zu humanistischer Bildungs- und Schuleuphorie – einige Gymnasien und Lateinschulen benannten sich sogar als „Ludovicianum“ nach dem neuen König – wurde überregional vernommen. Selbstverständlich erfasste die Zeitströmung auch das Schulwesen in Nürnberg, insbesondere im Melanchthon Gymnasium. Dort hatte man bereits seit Jahrhunderten auf humanistische Gelehrsamkeit gesetzt, wie sie der verehrte Schulgründer Philipp Melanchthon Lehrern wie Schülern vorlebte.

Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg

Marientorgraben 890402 Nürnberg
Öffentliche Verkehrsmittel<https://www.vgn.de/verbindungen/?place_destination=N%C3%BCrnberg&name_destination=Marientorgraben+8&type_destination=any&anyObjFilter_destination=12&execInst=verifyOnly&sessionID=0>

Alda Hellmuth (Mitarbeiterin Geschäftsstelle)

Zi. 20709 11 / 2 31-73 32<tel:09112317332>09 11 / 2 31-40 91<tel:09112314091>Kontaktformular</global/ajax_kontaktformular.html?cfid=9345>
Öffnungszeiten:

Dienstag 15.30 bis 17.00 Uhr
Freitag 14.00 bis 16.00 Uhr

Aktualisiert am 11.08.2026, 10:41 Uhr