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Zeppelinfeld/-tribüne

Umgang mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände

Die Stadt Nürnberg setzt sich seit Jahrzehnten gemeinsam mit ihrer Bürgerschaft intensiv mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinander. Ein besonderer Fokus liegt auf dem 11 Quadratkilometer großen ehemaligen Reichsparteitagsgelände mit seinen baulichen Hinterlassenschaften. Große Teile der seit 1973 unter Denkmalschutz stehenden Relikte sind marode, zuletzt mussten immer mehr Bereiche aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.

Die Stadt Nürnberg hat sich entschlossen, Zeppelintribüne und Zeppelinfeld im jetzigen Zustand baulich zu sichern (kein Neubau, kein Wiedererrichten, kein Restaurieren) und dieses „begehbare Exponat“ mit einem umfassenden Vermittlungsangebot zu einem historisch-politischen Lern- und Begegnungsort zu entwickeln.

Dem Leitgedanken „Sichern, Öffnen und Informieren“ folgend hat die Stadt ein umfangreiches Vermittlungskonzept vorgelegt. Besucherinnen und Besucher sollen zukünftig alle Bereiche und Gebäudeteile gefahrlos betreten können, darunter auch das seit Jahrzehnten geschlossene Zeppelinfeld, einen Feldturm oder den Mittelbau der Tribüne mit dem sogenannten Goldenen Saal. Auch ein Treppenhaus in der Tribüne wird geöffnet und ermöglicht einen je nach Zeitbudget erweiterbaren neuen Besucherrundgang über die Tribüne und das Feld mit zahlreichen Informationen zur Geschichte des Ortes vor, während und nach der NS-Zeit sowie zu seiner spezifischen Funktion während der Parteitage.

Für die neu zu fassenden Informationselemente an der Zeppelintribüne und auf dem Zeppelinfeld starteten mit Jahresbeginn 2020 umfassende Recherchearbeiten. Aktuell widmen sich detaillierte Forschungen wichtigen Aspekten der nationalsozialistischen Propagandaveranstaltungen auf dem Zeppelinfeld wie dem „Tag der Gemeinschaft“ oder welche Ehrengäste aus dem In- und Ausland anwesend und wo deren Zuschauerplätze auf der Zeppelintribüne waren. Daneben werden auch Interviews mit einzelnen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt, wie deren Sichtweise auf den Umgang mit den Bauten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände ist.

Josef Salomonovic ist einer von ihnen. Der 1938 in Ostrau (Ostrava) in der damaligen Tschechoslowakei Geborene wurde im November 1941 mit seiner Familie ins Ghetto Litzmannstadt verschleppt. Als Kind überlebte er mehrere Konzentrationslager, zuletzt ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg. Mindestens 30.000 Menschen wurden in Flossenbürg und seinen Außenlagern ermordet oder kamen bis Kriegsende 1945 vor allem durch die Arbeiten in Steinbrüchen ums Leben. Der hier gebrochene Granit sollte unter anderem zur Fertigstellung der Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände verwendet werden. Im Sommer 2020 besuchte Josef Salomonovic das Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände für eine Veranstaltung. Bei dieser Gelegenheit machte er sich auch ein Bild vom aktuellen Zustand der Zeppelintribüne. Seine Meinung über die Relevanz der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und den Relikten am ehemaligen Reichsparteitagsgelände ist eindeutig:

Mehr zu dem Besuch von Josef Salomonovic und der Veranstaltung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände finden Sie hier:

Der neueste Infoflyer zur Entwicklung der Zeppelintribüne und des Zeppelinfeldes beinhaltet einen allgemeinen Überblick und informiert über den aktuellen Stand der Maßnahmen auf Deutsch und Englisch (Stand: September 2019).

Nachdem Bund und Freistaat 75 Prozent der Gesamtkosten von 85,1 Millionen Euro zugesagt haben, beginnt die Stadt Nürnberg nun schrittweise mit der Umsetzung der auf voraussichtlich 12 Jahre angelegten Maßnahme. Sie wird von der Stabstelle "Ehemaliges Reichsparteitagsgelände/Zeppelintribüne und Zeppelinfeld" im Geschäftsbereich Kultur der Bürgermeisterin in enger Zusammenarbeit mit dem Hochbauamt der Stadt Nürnberg und dem Dokumentationszentrum gesteuert.

Das Thema "Erinnerungskultur" spielt ebenfalls bei der Bewerbung der Stadt Nürnberg für die Europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2025 eine zentrale Rolle.

Die Frage des Umgangs

In einem fast 30-jährigen, sehr intensiven und kontroversen Diskussionsprozess mit der Bevölkerung, Politik und Fachwelt auf Veranstaltungen, Diskussionen, Symposien, Informationstagen sowie in Studien oder Ausstellungen wurde die Frage des Umgangs mit den verfallenden Bauten seitdem von unterschiedlichen Seiten beleuchtet.

Besonders wichtig war die Frage, warum ein "Ort der Täter" erhalten werden soll, was passieren würde, wenn nichts passiert. Die Tribüne mit den Wallanlagen würde in sich zusammenfallen, aus Sicherheitsgründen umzäunt werden müssen; das Gelände würde dauerhaft der Öffentlichkeit entzogen. Die Gefahr der Mystifizierung oder Falschinformation wäre hoch, Missbrauch nicht ausgeschlossen. In der Konsequenz würde dies bedeuten, dass Stadt und Gesellschaft einen Teil ihrer Vergangenheit, speziell die Geschichte dieses Propagandaorts, den es so kein zweites Mal gibt, auslöschen würden. Der Ort, an dem Menschen auf Krieg, Mord und Hass eingestimmt wurden (und sich haben einstimmen lassen), drohe dem Vergessen anheimzufallen, eine mahnende Erinnerung an das NS-Regime und seine Untaten, gerade auch für die Opfer, wäre erschwert. So kommentierte der Holocaust-Überlebende Leon Weintraub bei seinem Besuch der Zeppelintribüne 2014: "Als Überlebender ist es für mich ein besonderes Gefühl der Genugtuung, vor diesem Ausdruck des Größenwahns zu stehen. Ich fühle mich nicht als Opfer, sondern als Sieger."

Die Ergebnisse dieses Diskussionsprozesses bildeten die Grundlage für die Entscheidung der Stadt Nürnberg, Zeppelintribüne und Zeppelinfeld zu einem Lern- und Begegnungsort zu entwickeln, an dem die historischen Vorgänge erklärt und eine aktive Auseinandersetzung heutigen und künftigen Generationen ermöglicht werden. Hierfür ist eine bauliche Sicherung grundlegend notwendig.

Der Lern- und Begegnungsort Zeppelintribüne und Zeppelinfeld soll in einem Dreischritt entwickelt werden: Bauliche Sicherung des jetzigen Zustands, Öffnung bisher verschlossener Bereiche und Implementierung neuer Vermittlungsangebote im Innen- und Außenraum.

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